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Marburg Knapp 17 000 Schuldner im Kreis
Marburg Knapp 17 000 Schuldner im Kreis
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17:58 05.04.2020
So verschuldet sind die Bürger der Kreis-Kommunen. Quelle: Nadine Storjohann, mr//media; Nikola Ohlen
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Marburg

Schulden zu machen ist einfach, aus den roten Zahlen wieder herauszukommen umso schwerer – unter einem dicken Minus auf dem Konto litten noch im letzten Jahr im Kreis 16 623 Menschen. Das sind 33 weniger als im Vorjahr – da galten noch 16 656 als überschuldet. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung der Creditreform Gießen hervor. Der Verband hat die Verschuldungssituation in den Landkreisen Marburg-Biedenkopf, Lahn-Dill und Gießen untersucht. Positiv dabei: Im Ergebnis liegen schuldentechnisch alle drei unterhalb des Bundesdurchschnitts.

Der im November vorgelegte „SchuldnerAtlas Deutschland 2019“ des Verbands hatte für die gesamte Bundesrepublik eine Schuldnerquote von exakt 10 Prozent errechnet. Demnach sind rund 6,9 Millionen Bürger im Alter von über 18 Jahren überschuldet und weisen sogenannte „nachhaltige Zahlungsstörungen“ auf. Das sind rund 10 000 Personen weniger als im vergangenen Jahr (minus 0,1 Prozent). In Hessen liegt die durchschnittliche Verschuldung mit 10,04 Prozent minimal darüber.

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Die Regionalgruppe des Verbandes hat sich nun die Lage in Mittelhessen genauer angesehen, berichtet Jan-Frieder Hain, Geschäftsführer der Creditreform Gießen. Mit Überschuldung werde dabei eine Situation bezeichnet, „in der eine Person ihre fälligen Zahlungsverpflichtungen in absehbarer Zeit nicht begleichen kann und ihr zur Deckung ihres Lebensunterhalts weder Vermögen noch Kredite zur Verfügung stehen“, erklärt Hain.

Der heimische Landkreis hat laut Studie noch den geringsten Schuldendruck: Mit einem Wert von 8,05 Prozent (ein Minus von 0,07 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr) steht Marburg-Biedenkopf besser da als der Landkreis Gießen mit 9,44 oder der Lahn-Dill-Kreis, der eine Überschuldungsquote von 9,18 Prozent aufweist. Stückelt man die Verschuldungsquote nach den einzelnen Kommunen, fallen zum Teil gravierende Unterschiede auf: So weist die Stadt Marburg eine Überschuldungsquote von 7,53 Prozent auf (7,52 Prozent im Jahr 2018) und steht damit deutlich besser da als Gießen (10,45 Prozent) und Wetzlar (12,40 Prozent).

Auch innerhalb Marburgs gibt es Unterschiede: Unrühmlicher „Spitzenreiter“ sei laut Creditreform die südliche und östliche Kernstadt (Postleitzahlengebiet 35039), mit einer Überschuldungsquote von 9,53 Prozent (ein Plus von 0,09 Punkten im Vergleich zu 2018).

Die restlichen drei Postleitzahlen-Gebiete der Lahnstadt liegen mit 6,51 bis 6,97 Prozent auf Vorjahresniveau. Im Zeitraum zwischen 2004 und 2019 habe die Entwicklung ähnlich ausgesehen – die Quoten aller vier Postleitzahlengebiete habe sich zwischen 0,25 und 0,97 Prozentpunkten erhöht.  In anderen Gemeinden des Landkreises ist die Lage heterogener. So leben in Ebsdorfergrund mit einer Quote von 5,39 Prozent die am wenigsten überschuldeten Bewohner. Auch in Weimar (5,41 Prozent) und Breidenbach (5,71 Prozent) gibt es verhältnismäßig wenige Schuldner. Auf der anderen Seite belegt Stadtallendorf mit 9,83 Prozent den obersten Rang mit den meisten Schuldnern. Auf den Plätzen zwei und drei folgen mit 9,75 Prozent Wetter und Biedenkopf mit 9,64 Prozent. Am deutlichsten zugenommen hat die Verschuldungsquote zwischen 2018 und 2019 mit 0,45 Prozentpunkten in Angelburg. Besonders stark zurückgegangen ist die Schuldnerquote im Vergleich zum Vorjahr dagegen in Wohratal. Hier sank die Überschuldungsquote um 0,65 Prozentpunkte auf aktuell 5,9 Prozent.

Auffälligkeiten gebe es auch beim Alter der Schuldner: Statistisch gesehen sind in der Stadt Marburg überdurchschnittlich häufig Menschen zwischen 30 und 39 Jahren verschuldet. Hier liegt der Wert bei 11,17 Prozent (11,02 Prozent im Vorjahr). Stark zugenommen hat die Überschuldung auch bei den 40 bis 49-Jährigen (um 0,24 Prozent). Um 0,34 Prozent gesunken ist sie hingegen in der Altersgruppe der zwischen 50 und 59-jährigen Marburger.

 Anders bei den noch Älteren: Von „einer besorgniserregenden Entwicklung“ spricht Creditreform im Bereich der Altersarmut in Deutschland. Im Jahr 2019 waren 381 000 Senioren über 70 Jahre überschuldet. Laut Verband eine Steigerung von 118 000 Fällen im Vergleich zum Vorjahr.

Die Creditreform Unternehmensgruppe agiert als Wirtschaftsauskunftei und Inkasso-Dienstleister sowie in anderen Geschäftsfeldern. 130 regionale Vereine in Deutschland sind unter dem Dach des Vereins „Verbandes der Vereine Creditreform“ mit Sitz in Neuss zusammengeschlossen und führen 123 000 Unternehmen als Mitglieder. Mit 176 Geschäftsstellen in Europa ist Creditreform laut des Verbandes eine der größten Wirtschaftsauskunfteien.

Von Ina Tannert

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