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Marburg Asklepios-Deal scheint perfekt
Marburg Asklepios-Deal scheint perfekt
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14:55 01.05.2020
Das UKGM auf den Lahnbergen: Wer wird der neue Eigentümer? Quelle: Nadine Weigel
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Im Streit zwischen den Großaktionären um die Übernahme des Klinikbetreibers Rhön hat der Vorstand des Unternehmens die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung beschlossen. Damit werde dem Einberufungsverlangen von Asklepios vollumfänglich und dem von B. Braun teilweise stattgegeben, teilte Rhön am späten Dienstagabend mit. Da die Veranstaltung wegen der Corona-Einschränkungen online durchgeführt werden würde, ist allerdings noch die Zustimmung des Aufsichtsrats erforderlich.

Die Hauptversammlung soll innerhalb der Annahmefrist des Übernahmeangebots von Asklepios, also spätestens bis zum 6. Mai, für den 3. Juni 2020 einberufen werden. Dadurch würde sich die Annahmefrist auf insgesamt zehn Wochen verlängern, also bis zum Ablauf des 17. Juni 2020.

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Wie die OP mehrfach berichtete, will Rhön-Gründer Eugen Münch sein Aktienpaket an Asklepios verkaufen und dann eine gemeinsame Betreibergesellschaft gründen. Demnach wurden zunächst die Anteile von Asklepios, von Rhön-Gründer Eugen Münch sowie seiner Ehefrau in einem Gemeinschaftsunternehmen gebündelt. Nach dem Kauf eines zusätzlichen Aktienpaketes durch Asklepios bringt die Allianz es mittlerweile auf mehr als 50 Prozent der Stimmrechte. Nun will Asklepios den übrigen Rhön-Anteilseignern ein Angebot von 18 Euro je Aktie unterbreiten. Das sind 25 Prozent mehr, als die Papiere vor Bekanntgabe der Pläne gekostet hatten.

Außerdem teilte Rhön mit, dass das Unternehmen mit gerichtlichem Schreiben vom 28. April 2020 informiert wurde, dass der Aktionär B. Braun eine gerichtliche Ermächtigung zur Einberufung einer außerordentlichen virtuellen Hauptversammlung und eine gerichtliche Bestellung des Versammlungsleiters beantragt habe. Das Tauziehen zwischen B. Braun und Asklepios geht also in die nächste Runde.

UKGM-Betriebsratschef wirft verdi Doppelzüngigkeit vor

Der Pharma- und Medizinbedarfsanbieter B. Braun will den Verkauf mit einer neuen Satzung verhindern, den Aufsichtsrat neu sortieren und zudem über eine Sonderdividende viel Geld aus dem Unternehmen ziehen. Asklepios kündigte Widerstand gegen die Pläne an.

Vorstand und Aufsichtsrat der Rhön-AG hatten den Aktionären empfohlen, das Angebot von Asklepios anzunehmen – ein Votum, das den Betriebsratsvorsitzenden des UKGM am Satndort Marburg, Wolfgang Demper, auf die Palme bringt.
Demper rechnet vor, dass mindestens zwei Vertreter der Arbeitnehmerseite – genauer: der Gewerkschaft Verdi – im Aufsichtsrat für die Empfehlung votiert haben müssen. Bestritten wird dies nach OP-Informationen nicht. Verdi-Vertreter argumentieren damit, dass die Zustimmung zur Empfehlung, an B. Braun zu verkaufen, die Ausschüttung einer Dividende von insgesamt 140 Millionen Euro an die Aktionäre bedeutet hätte; „so zieht man Geld aus dem Unternehmen“, kritisiert auch Demper.

Demper, vor einigen Jahren im Zuge der gewerkschaftsinternen Auseinandersetzung um die Besetzung von Aufsichtsratsposten bei Verdi ausgetreten und seitdem für die Ärzteliste Marburger Bund im Betriebsrat, wirft den Verdi-Mitgliedern im Rhön-Aufsichtsrat Doppelzüngigkeit vor. „Seit das Übernahmeangebot von Asklepios veröffentlicht wurde, wird die Gewerkschaft Verdi nicht müde, gegen die Tarifflucht, gegen die Mängel im Umgang mit Betriebsräten in aller Öffentlichkeit Asklepios zu kritisieren“, sagt der Marburger Betriebsratschef und schließt die Frage an: „Warum nutzt die Arbeitnehmerseite dann nicht ihre Mehrheit in der Sitzung, um die Empfehlung pro Asklepios zu verhindern?“

Rhön-Patriarch Münch, der selbst nicht an der Abstimmung teilgenommen hat, weil er ja Nutznießer dieses Deals ist, „konnte sich demnach voll auf die Arbeitnehmerbank verlassen“, kritisiert Wolfgang Demper.

von Till Conrad

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