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Marburg Der Job als Chance
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14:00 27.04.2022
Praktikant Dominique Nicolai Lesch arbeitet an der Essensausgabe der Klinik Sonnenblick mit seinem Ausbilder und Küchenleiter Julian Rauff.
Praktikant Dominique Nicolai Lesch arbeitet an der Essensausgabe der Klinik Sonnenblick mit seinem Ausbilder und Küchenleiter Julian Rauff. . Quelle: Silke Pfeifer-Sternke
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Marburg

Die ersten Tage beschlich Dominique Nicolai Lesch ein mulmiges Gefühl. Der Praktikant kannte die Abläufe noch nicht so genau in der Küche. Zwei Jahre später sagt der mittlerweile 24-Jährige: „Ich komme gern hierher.“ Die Abläufe in der Küche der Klinik Sonnenblick sind straff organisiert. Um 11.30 Uhr geht die Tür des Speisesaals auf, dann wollen 190 Patienten und zahlreiche Mitarbeiter der Klinik ihre Mittagessen haben. Die Arbeit in der Klinikküche umschreibt Andreas Schobner, Kaufmännischer Direktor kurz und knapp: Arbeit wie am Fließband bei hoher Qualität, großer Individualität und mit gutem Service. Für Ärztlichen Direktor Dr. Ulf Seifart übernimmt Dominique eine wichtige Position im Haus, „weil er das Essen bringt“.

Dominique Lesch hat sich in den zwei Jahren als Praktikant gut eingelebt. Aufgrund seines Handicaps hatte es mit der ersten Ausbildung für Dominique nicht geklappt. In der Klinik Sonnenblick bot sich ihm eine neue Chance: die unterstützte Beschäftigung. Das Ziel ist die Integration von Menschen mit Beeinträchtigung auf dem ersten Arbeitsmarkt. Ab dem 1. Juli klappt das in Dominiques Fall auch.

Er ist einer von über 70 Praktikanten, die jährlich in der Klinik Sonnenblick in verschiedene Berufsgruppen reinschnuppern. In Dominiques Fall bestand die Besonderheit, dass er eine Leistungseinschränkung hat. Um die bestehenden Leistungseinschränkungen auszugleichen waren sich wiederholende Arbeitsabläufe sehr wichtig um Sicherheit und Routine zu erlangen.

Sein Ausbilder Julian Rauff hat sich deshalb für ihn Zeit genommen. Wenn etwas nicht gepasst hat, wurden Strukturen angepasst. Für Schobner ist es wichtig, dass den Praktikanten etwas geboten wird. Sie sollen sich in den Arbeitsalltag der Klinik einbringen können. „Um die Praktikanten mitmachen zu lassen, muss man auch loslassen können“, sagt er.

Die Klinik in Daten

Die Klinik Sonnenblick in Marburg ist eine Rehabilitationsklinik der Deutschen Rentenversicherung Hessen für hämatologische/onkologische, orthopädische und PostCovid Erkrankungen. Angeboten werden stationäre, ambulante und digitale Reha-Behandlungen.

mehr als 3 300 Patienten pro Jahr;

mehr als 150 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen;

Berufsfreiwilligendienst und Freiwilliges Soziales Jahr in Kooperation;

6 Auszubildende in verschiedenen Berufen;

mehr als 70 Praktikantinnen und Praktikanten pro Jahr in allen Berufsgruppen mit Kooperationspartnern aus der Region.

Unterstützung erhielt Dominique von Malena Rein. Sie arbeitet für das Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft (BWHW) und hat den 24-Jährigen begleitet bei seinem Weg in die Arbeitswelt. Neben seinen Stärken und Schwächen hat sie bei der Arbeitsplatzsuche auch seine Interessen im Blick gehabt: Er wollte in die Küche. Dort kommen ihm die regelmäßigen Abläufe zupass. „Wenn etwas unklar ist, stehe ich ihm zur Seite“, sagt sein Ausbilder.

Für Dominique war es nicht einfach, einen geeigneten Arbeitsplatz zu finden – wegen seines Handicaps gleich doppelt schwierig. Weil sein erster Versuch in der Ausbildung gescheitert ist, holte die Agentur für Arbeit Unterstützung und damit das BWHW ins Boot. „Dort wussten wir Dominique in guten Händen“, sagt Sabriye Yildilrim. Das BWHW führt im Auftrag der Agentur für Arbeit verschiedene Qualifizierungsangebote durch. Für Herrn Lesch kam die „Unterstützte Beschäftigung“ in Frage, weil sie genau seinen Bedürfnissen entspricht.

Während der 24-monatigen Qualifizierung soll mit Hilfe der Ausbilder die erforderliche Routine für einen bestimmten Arbeitsplatz erlangt werden, auf den der Qualifizierende dann einmünden kann und die Aufgaben eigenverantwortlich durchführen kann. Der Inklusionsgedanke kommt bei der „Unterstützen Beschäftigung“ in besonderer Weise zum Tragen.

„Wir sind froh, ihn im Team Sonnenblick zu haben. Es ist eine Win-To-Win-Situation und eine große Chance für Dominique“, sagt Schobner. „Die Chemie hat gestimmt. Er hat super mitgearbeitet, was für eine Integration wesentlich ist. ergänzt Dr. Seifart.

Von Silke Pfeifer-Sternke

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