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Marburg Klinik sonnt sich im Erfolg
Marburg Klinik sonnt sich im Erfolg
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11:00 10.04.2022
Der Ärztliche Direktor Dr. Ulf Seifart und die stellvertretende Vorsitzende des Personalrats Bierthe Kreutzer freuen sich über den erreichten Standard der Klinik Sonnenblick.
Der Ärztliche Direktor Dr. Ulf Seifart und die stellvertretende Vorsitzende des Personalrats Bierthe Kreutzer freuen sich über den erreichten Standard der Klinik Sonnenblick. Quelle: Gianfranco Fain
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Marburg

Im 90. Jahr des Bestehens ist die Klinik Sonnenblick dort angekommen, wohin die rund 130 Mitarbeitenden strebten. „Wir sind in Hessen die Reha-Klinik mit der höchsten Patientenzufriedenheit“, sagt der Ärztliche Direktor Dr. Ulf Seifart. Dies bedeutet zugleich, über alle Therapieformen hinweg in Deutschland zu den „Top Ten“ zu gehören, in der Brustkrebstherapie heben die Qualitätsparameter die Klinik bundesweit gar auf den vierten Rang. Bis dorthin war es ein langer Weg, der im Jahre 1981 mit dem Umwandeln der ehemaligen Tuberkuloseheilstätte auf den Lahnbergen in eine Rehabilitationsklinik der Deutschen Rentenversicherung begann.

Da das Gebäude trotz eines Umbaus im Jahr 1982 den Anforderungen an einen modernen Klinikbetrieb nicht mehr genügte, erfolgte neben dem Altbau im August 2012 der erste Spatenstich für das neue Gebäude. Dieses erlebte im September 2015 seine Einweihung. Es ermöglicht das Versorgen von Patienten der Orthopädie, diese Abteilung gibt es seit 1999 an der Klinik, und seit dem Jahr 2007 auch der Onkologie, nach heute allgemeingültigen Ansprüchen und den besonderen des Hauses.

Darin profitieren die Patienten auch von der engen Zusammenarbeit des Lehrkrankenhauses mit dem ebenfalls auf den Lahnbergen angesiedelten Universitätsklinikum. Aus dieser entstand auch die neue Abteilung der Klinik Sonnenblick, in der sich das Mitarbeiter-Team seit dem vorigen Jahr um Long-Covid-Patienten kümmert. Eigentlich für 30 Patienten ausgelegt, werden derzeit 40 versorgt. Bei ihnen handelt es sich vorwiegend um Menschen, die lange auf Intensivstationen lagen, weswegen bei ihnen unter anderem die Muskeln wieder aufzubauen sind, erklärt Privat-Dozent Seifart.

Durch die enge Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum sammelten die Mitarbeitenden der Reha-Klinik laut Seifart „relativ schnell“ Erfahrungen mit der neuen Virus-Krankheit, die mehr als 200 Symptome hervorrufen kann. Long Covid kann auch als Berufserkrankung anerkannt werden, eine Krankheit, die die Patienten rund 190 Tage aus dem gewohnten Leben reißt. „Das ruft natürlich auch Sorgen um die finanziellen Folgen hervor“, sagt der Ärztliche Direktor, weshalb in der Klinik neben den körperlichen auch die psychischen Belastungen Beachtung finden. Immer mit dem Ziel, wie bei allen anderen Patienten auch, einen Weg zurück ins Berufsleben zu eröffnen.

Ziel: Zufriedenheit in der „coolen Truppe“ erhalten

Zurück soll es für die Klinik dagegen nicht gehen. Auch wenn Ulf Seifart weiß, dass es schon nicht einfach war, unter die Top Ten zu gelangen, so wird es umso schwerer, darin zu bleiben. Um dies zu erreichen, nennt der Ärztliche Direktor einige Ziele: die Zufriedenheit der Mitarbeiter in der „coolen Truppe“ erhalten, mit der auch das Wohlfühlklima der Patienten zusammenhängt. Ferner soll die Klinik Sonnenblick ein Lehrkrankenhaus bleiben, an dem auch weiterhin geforscht wird, zum Beispiel zu Long Covid oder den Auswirkungen einer Krebserkrankung auf junge Erwachsene.

Konkrete Vorhaben sind zum Beispiel, Sonnenblick zur papierlosen Klinik zu wandeln. Das Einführen der elektronischen Patientenakte steht kurz bevor, ab Juni wird die Arztvisite mit iPads erfolgen. Der damit mögliche Zugriff auf die digitale Patientenakte ermöglicht mittels eines Programms das Abgleichen von Medikamenten auf Interaktionen, was die Sicherheit der Patienten erhöht, da Wechselwirkungen vermieden werden. Auch die Patienten werden von Papier entlastet, da sie ihren Therapieplan per App auf dem Handy mit sich tragen. Ferner treibt die Klinik den Aufbau einer digitalen Nachsorge voran. Die soll vermeiden, dass die Patienten aus einer Vollversorgung ins Nichts fallen, wenn sie nach Hause zurückkehren, erklärt Seifart. Bis zu 18 Monate bleiben die Sonnenblick-Patienten per App mit ihren Therapeuten in Kontakt und werden durch diese weiter betreut.

Am Dienstag fand die offizielle Feier zum 90-jährigen Bestehen statt, am 2. Juli folgt ein Tag der offenen Tür. An diesem Samstag werden Führungen und Vorträge angeboten. Zu besichtigen sind das Haus mit seinen Einrichtungen und auch die dahintersteckende Technik sowie die Außenanlagen, wo es zum Beispiel zu Therapiezwecken einen Schubkarrenparcours gibt.

Von Gianfranco Fain

10.04.2022
09.04.2022