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Marburg „Keine Klimapolitik ohne antifaschistische Haltung“
Marburg „Keine Klimapolitik ohne antifaschistische Haltung“
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11:02 30.09.2021
2400 Menschen beteiligen sich am 24.9.21 am Klimastreik in Marburg
2400 Menschen beteiligen sich am 24.9.21 am Klimastreik in Marburg Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Am Freitag vor der Bundestagswahl fand in Marburg eine Klimademo statt, organisiert von „Fridays for Future“. Im Vorfeld wurde weltweit zur Demo aufgerufen. In vielen Städten auf der ganzen Welt demonstrierten am gestrigen Freitag, 24. September, sowohl junge als auch ältere Menschen für eine striktere Klimapolitik.

„Wir wollen auf die Klimaproblematik stärker aufmerksam machen, weil das Thema aktueller denn je ist, denn die letzten drei Jahre ist nicht viel passiert“, sagt Paul Robben, Pressesprecher der Fridays-for-Future-Bewegung (FFF) in Marburg. Mit Blick auf die bevorstehende Bundestagswahl teilt er der OP gegenüber mit, dass die Wahl am Sonntag eine große Rolle spiele, denn „in den nächsten vier Jahren muss etwas passieren“. Dass der Termin am Freitag vor der Wahl stattfand, spiele der deutschen Fridays-for-Future-Bewegung zwar in die Karten, sei jedoch nur Zufall, da es sich um einen global ausgerufenen Streik handelt.

Offiziell wurden 1 500 Teilnehmer und Teilnehmerinnen angemeldet. Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl jedoch auf 2 400. Offizieller Beginn der Demonstration war um 14 Uhr am Erwin-Piscator-Haus. Nach einigen Redebeiträgen und Musik von der Band 1,90 führte der Demonstrationszug ab 15:30 Uhr über die Biegenstraße in Richtung der Robert-Koch-Straße, einmal um die Elisabethkirche herum und zurück zur Stadthalle. Ursprünglich war die Route über die Straße Pilgrimstein geplant, diese jedoch musste aufgrund einer Schilder-Aktion der Basisdemokratische Partei Deutschland verkürzt werden.

Appell an die U-18-Generation

Den Anfang der Redebeiträge machte Maik Schöniger, Vertreter der Scientists for Future. Er fasste zusammen, welcher Handlungsbedarf sich aus dem Bericht des Weltklimarates (IPCC) 2021 ergebe. Neben dem europäischen Hitzerekord des Sommers 2021, der in Sizilien mit 48,8 °C gemessen wurde, machte er auf die weltweiten Überschwemmungen aufmerksam, die auch in Teilen Deutschlands in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz Mitte Juli mindestens 170 Menschen das Leben kostete. Weiter rief Maik Schöniger in seinem Redebeitrag die Unter-18-Jährigen explizit dazu auf, ihre Eltern und Großeltern davon zu überzeugen, ihr Kreuz am Sonntag einer Partei zu schenken, die sich für den Klimaschutz aktiv einsetzt. „Und wenn ihr eure Familie dann immer noch nicht überzeugen konntet, versucht es doch einmal damit: Wenn sich das Klima nicht ändert, dann werden die Bierpreise um bis zu 200 % ansteigen in den kommenden Jahren“, sagte Schöniger.

Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen standen bei der FFF-Demo zwar einheitlich für mehr Klimaschutz auf der Straße, beleuchteten dabei aber verschiedene Teilaspekte. Für Gabriele Preusch, Teilnehmerin der FFF-Demo, gebe es nichts Wichtigeres als den Klimaschutz: „Ich stehe neben dem allgemeinen Klimaschutz und gegen den Bauwahnsinn der A 49 für meine Enkel hier. Meine Kinder wollen schon keine Kinder mehr in diese Welt setzen.“ Sören Hendrik Baumgardt ist Arzt am Uniklinikum und stünde vor allem im Zeichen der Health-for-Future-Bewegung in der Menge. Er machte klar: „Klimaschutz ist Gesundheitsschutz.“ Als Beispiel nannte er die Quecksilber-Belastung durch den Kohle-Abbau: „Quecksilber ist ein gesundheitsschädliches Nervengift. Deutschland produziert jährlich sieben Tonnen Quecksilber durch den Tagebau.“ Auch Biologie-Student Clemens Böhm demonstriert für mehr Klimaschutz und wollte seine Forschungskraft für das Klima nutzen. „Wir als Biologen arbeiten direkt daran, etwas zu ändern, weil wir ein Projekt der Synthetischen Biologie entwickelt haben, das die Effekte des Klimawandels lindern kann“, erklärt er gegenüber der OP.

Mit Blick auf Afghanistan

Doch nicht nur das Klima stand bei der gestrigen Demonstration im Fokus, denn, wie die beiden Moderatorinnen erklärten: „Es gibt keinen Klimaschutz ohne internationalen solidarischen Zusammenhalt und ohne antifaschistische Haltung.“ Dazu gehöre auch, dass man sich die humanitäre Situation in Afghanistan anschaut. Und dies hat Redner Belal Ahmad Ataee von „Wir sind Afghanistan“ getan. Mit einer bewegenden Rede wies er auf die akuten Missstände in Kabul sowie im gesamten Afghanistan hin. Sichtlich berührt liefen ihm zwischenzeitlich die Tränen über die Wangen. „Dies ist nun die Zeit, in der ich auf die Knie gehe und die zivilisierten Nationen dieser Erde auffordere, uns zu helfen, uns aus der Situation herauszuhelfen, in die wir hineingebracht wurden“, übersetzte eine Moderatorin ihn aus der englischen Sprache.

Von Larissa Pitzen und dpa

Thunberg kritisiert deutsche Klimapolitik

Zwei Tage vor der Bundestagswahl haben zehntausende überwiegend junge Menschen in ganz Deutschland für mehr Klimaschutz demonstriert. Sie folgten dem Aufruf von Fridays for Future (FFF) und weiteren Protestaktionen im ganzen Land. Große Demonstrationen zogen lautstark und friedlich unter anderem durch Berlin, Hamburg, Köln, Leipzig und Freiburg.

Allein in der Hauptstadt sprach die Polizei von einer Teilnehmerzahl im „mittleren fünfstelligen Bereich“. Bei einem Auftritt vor dem Reichstagsgebäude kritisierte die 18-jährige schwedische Initiatorin von Fridays for Future, Greta Thunberg, Deutschland scharf: „Deutschland ist objektiv gesehen einer der größten Klima-Bösewichte.“

Die Demonstrationen waren Teil des internationalen Aktionstags für mehr Klimaschutz. Fridays for Future verlangt Maßnahmen für die Begrenzung der Klimaerwärmung auf 1,5 Grad.

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