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Marburg Förster Gerald Klamer ist zurück
Marburg Förster Gerald Klamer ist zurück
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10:00 09.11.2021
Gerald Klamer ist nach gut acht Monaten wieder zurück in Marburg. Der Förster wanderte 5.500 Kilometer durch deutsche Wälder.
Gerald Klamer ist nach gut acht Monaten wieder zurück in Marburg. Der Förster wanderte 5.500 Kilometer durch deutsche Wälder. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Das Profil seiner Wanderschuhe hat etwas gelitten, seine gute Laune aber nicht. Mit einem Strahlen im Gesicht ist Gerald Klamer am Montag (8. November) von seiner 5.500 Kilometer langen Wanderung quer durch Deutschland zurückgekehrt. An der Fußgängerampel in der Graf-von-Stauffenberg-Straße im Marburger Stadtwald, dort, wo der 55-Jährige vor acht Monaten aufgebrochen ist, bereiteten ihm rund 30 Freunde, Verwandte und Bekannte einen gebührenden Empfang. Es gab Umarmungen, Blümchen und viel Lob und Anerkennung für Klamers Projekt.

„Waldbegeisterung“ hat Klamer sein Projekt genannt. Im Februar ist der Förster in Marburg losmarschiert mit dem Ziel, alle bedeutenden Waldgebiete Deutschlands zu besuchen und zu dokumentieren.

„Dem Wald geht es seit drei Jahren so schlecht wie nie zuvor. Ich wollte das Thema in die Öffentlichkeit tragen und Aufmerksamkeit erregen“, erklärte Klamer. Dies ist ihm auch gelungen. Während seiner Wanderung gab es viele Fernsehberichte und Zeitungsartikel über den „Verrückten“, der seinen Beruf als Forstbeamter gekündigt hat, um durch Deutschlands Wälder zu wandern.

Doch Klamer ist nicht verrückt, er ist während seiner Wanderung etwas entrückt – aus der Konsumgesellschaft, wie er sagt: „Wir müssen andere Werte im Leben entdecken als die ständige Expansion.“

Diese Strecke legte Gerald Klamer zurück. Quelle: Privat

Während seiner Wanderung hat Klamer viele abgestorbene Waldbestände gesehen – vor allem Fichten. „Die sind in Dürrejahren am anfälligsten. Aber auch unseren Buchen geht es nicht gut“, sagt Klamer. Auf der anderen Seite erblickte er aber auch gesunde Waldbestände. „Das ist von Region zu Region unterschiedlich. So habe ich das auch nicht erwartet. Diese Wälder sind bisher noch davongekommen, aber die nächste Dürre kommt bestimmt“, sagt Klamer. Der Wald in Deutschland müsse dringend umgebaut werden, um den Klimawandel zu bestehen.

Dies bedeute aber nicht, dass nun auf Biegen und Brechen Baumarten aus dem Mittelmeerraum angepflanzt werden müssten: „Die Sache mit diesen so genannten klimarobusten Baumarten ist eine Wette auf die Zukunft. Niemand kann beurteilen, wie resistent diese Baumarten bei uns sind“, sagt Klamer und schlägt vor, dass „eigene Potenzial“ zu nutzen. „Wir dürfen den Wald nicht weiter schwächen, sondern müssen vor allem unsere Buchenbestände schonen“, sagt er und fordert mehr unbewirtschaftete Waldflächen, sodass die Bäume auch alt werden können, um ihrer Schutzfunktion für das Klima umfänglich gerecht zu werden.

Gerald Klamer ist nach acht Monaten wieder zurück in Marburg. Der Förster wanderte 5 500 Kilometer durch Deutschlands Wälder. Freunde und Verwandte empfingen ihn am Stadtwald, wo der 55-Jährige im Februar aufgebrochen ist. Quelle: Tobias Hirsch

Aktiv gewandert ist Klamer 236 Tage. 20 bis 30 Kilometer täglich. Einmal pro Woche gönnte er sich eine feste Unterkunft. Ansonsten verbrachte er die Nächte im Wald. „Bei Regen habe ich unter einer Plane gelegen. Zelten ist im Wald ja verboten. Aber oft lag ich auch einfach unter dem Sternenhimmel“, sagt Klamer. Besonders in Erinnerung ist ihm eine Nacht im Thüringer Wald geblieben.

Schöne Momente im Wald

„Es war kein Unwetter angekündigt. Aber plötzlich hat eine Windböe die Heringe der Plane rausgerissen und es fing fürchterlich an zu regnen. Ich habe die ganze Nacht die Plane festgehalten und den Regen ausgesessen“, erinnert sich Klamer. Sturm und Gewitter seien im Wald gefährlich. Vor den Tieren in unseren Wäldern müsse sich hingegen niemand fürchten. „Auch dort nicht, wo der Wolf wieder angesiedelt wird“, betont Klamer und berichtet von einer besonderen Begegnung mit einem Hirsch, der frühmorgens nur wenige Meter neben seinem Lager stand und röhrte. „Das waren besonders schöne Momente.“

„So eine einsame Geschichte, wie viele vielleicht glauben, war aber es nicht“, sagt Klamer. Viele Menschen hätten ihn unterwegs begleitet – manche nur ein paar Stunden, eine Frau sogar zwei Tage lang. Besuche von Forstbetrieben und Gespräche mit Fachleuten standen ebenfalls auf seinem Programm. „Jeden Abend habe ich Tagebuch geschrieben, meinen Blog betreut und E-Mails beantwortet. Langweilig wurde es nie“, sagt Klamer. Und das wird es wohl auch in Zukunft nicht werden. Im September nächsten Jahres soll sein Buch erscheinen. Ein Verlag für Abenteuer- und Reisegeschichten ist auf den „Waldbegeisterten“ aufmerksam geworden.

Von Tobias Hirsch

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