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Marburg Klimaliste stellt sich zur Wahl
Marburg Klimaliste stellt sich zur Wahl
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21:00 28.11.2020
Maik Schöniger ist Spitzenkandidat der Klimaliste für die Marburger Stadtverordnetenversammlung. Quelle: Privatfoto
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Marburg

Die mittlerweile bundesweit organisierte Klimaliste macht sich nun auch im heimischen Landkreis bemerkbar und will mit Klimaschutz-Themen politisch als überparteiliche Wählerliste durchstarten. Die heimischen Mitglieder streben sowohl in den Kreistag wie ins Marburger Stadtparlament, sammeln derzeit Unterschriften, um für die Kommunalwahl zugelassen zu werden, und stellen Kandidaten auf.

Zu den Gesichtern der noch jungen Gruppierung zählt etwa Chemiker Maik Schöniger. Was wollen er und seine Mitstreiter erreichen? Umweltschutz, Klimagerechtigkeit, ein nachhaltiges Leben – das seien Kernpunkte der Klimaliste: „Wir sehen uns als Sprachrohr der gesamten Klimabewegung und der Wissenschaft“, sagt der Doktorand. Die aktuelle Klimapolitik geht ihm nicht weit genug, das will die Gruppe ändern und selbst politisch mitmischen. Die hiesige Klimaliste bestehe derzeit aus rund 50 Mitgliedern, Tendenz steigend. Im letzten Plenum verständigten sie sich auf eine vorläufige Liste für die Kommunalwahl: Soziologin Jana Groth (33) wurde als Spitzenkandidatin für den Kreistag bestimmt, Maik Schöniger (35) für das Marburger Stadtparlament. Studentin Mariele Diehl (20) soll zudem als Kandidatin für das Oberbürgermeisteramt antreten.

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Die Gruppe sieht sich bundesweit als überparteilicher, dezentraler Zusammenschluss von Klimaschützern, hat sich auf einen Zehn-Punkte-Grundkonsens verständigt: „Uns vereinigt die Sorge um das Leben auf unserem Planeten“, heißt es im ersten Satz. Prioritäten setzt die Organisation auf die Reduzierung des CO2-Ausstoßes, die Einhaltung des 1,5 Grad Zieles, wendet sich zudem gegen jede Form der Diskriminierung. Welche genauen Vorhaben auf kommunaler Ebene umgesetzt werden sollten, darin wollen sich die lokalen Akteure noch nicht genau festlegen, haben noch kein konkretes Wahlprogramm: „Wir befinden uns noch in der Findungsphase“, sagt Schöniger.

Ein Punkt, den sie kritisch begleiten wollen, sei etwa der Marburger Klimaaktionsplan. Der sei im Grunde ein guter Fixpunkt, nur hapere es an konkreten Handlungsmaßnahmen, diesen auch umzusetzen; „es gibt keine Zielmarken, man muss das konkretisieren“, sagt Groth. Etwa indem eine aktuelle CO2-Bilanz veröffentlicht wird. Bei der Verkehrspolitik sucht die Gruppe nach einem Abbau des Individualverkehrs, wendet sich zudem gegen den Weiterbau der A 49.

Diehl will „mit wirklichen Umweltthemen“ auch in die Marburger Oberbürgermeisterwahl ziehen, als „Stimme der Klimabewegung“. Sie sei dabei realistisch, rechnet sich keine großen Chancen aus; dennoch soll die Klimaliste sichtbar werden, auf den Wahlzetteln stehen, „um die Menschen daran zu erinnern, dass es um die Zukunft geht“, betont Diehl.

Mit ihrem Einstieg in den Wahlkampf erhoffen sich die Mitglieder nun Stimmen aus Stadt und Kreis, sehen sich trotz aller Kürze der Zeit gut aufgestellt und erwarten Zuspruch: Ihre Themen kommen an, sind sie sich sicher, auch wenn es zeitlich noch nicht für ein ausgefeiltes Wahlprogramm gereicht hat. Sie setzen auf einen „Vertrauensvorschuss, dass wir es auch ernst meinen“, betont Kaveh Omaraie-Hamedani von der Klimagruppe.

Grüne Partei kein „Hauptgegner“

Häufig wird die Organisation als „die neuen Grünen“ bezeichnet – das sieht die Gruppe nicht so, man wolle keine Konkurrenz zu Bündnis 90/Die Grünen sein. Aber: „Momentan ist es für viele schwer, die Grünen zu wählen“, sagt Schöniger. Die Klimaliste wolle aber „keine anderen Parteien bashen, die Grünen sind nicht die Hauptgegner“, man setze eher auf Kooperation, betont Groth. Sie sehen die Partei auch nicht in der alleinigen Verantwortung, Klima-Themen zu übernehmen. „Wir wollen keinen Krawall im Parlament machen, sondern mit anderen Parteien zusammenarbeiten, die für den richtigen Klimaschutz sind“, betont Diehl. Die einzige Abgrenzung sei nach rechts.

Sehen denn die Grünen eine aufkeimende Konkurrenzsituation? „Schon, ich bin mir sicher, dass sie Stimmen kriegen werden“, sagt Hans-Werner Seitz, Sprecher des Kreisvorstands der Grünen und stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Stadtparlament. Eine neue Gruppe im Parlament könne aber „eine Bereicherung“ sein. Den Fokus auf Klima-Themen zu setzen könne er „gut verstehen“. Für die Wahl habe er hingegen „keine so großen Befürchtungen“, die Marburger brächten den bekannten Parteien Vertrauen entgegen, wissen bei diesen, woran sie auch bei anderen Themen sind, denn die Politik sei nicht nur auf den Klimaschutz begrenzt.

Von Ina Tannert

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