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Marburg Wie mobil müssen wir sein?
Marburg Wie mobil müssen wir sein?
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09:58 22.03.2021
Vor dem nächsten Wochenendausflug werden die Räder aufgepumpt – und das Auto bleibt in der Garage (Themenfoto).
Vor dem nächsten Wochenendausflug werden die Räder aufgepumpt – und das Auto bleibt in der Garage (Themenfoto). Quelle: Hauke-Christian Dittrich
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Marburg

Die Fastenzeit 2021 geht in die sechste und damit vorletzte Woche vor Ostern. Bei der Aktion „So viel du brauchst ...“ der evangelischen Kirchen dreht sich in den kommenden Tagen alles um das Thema Mobilität. Wie mobil müssen wir sein? Wie viel Auto brauche ich, um mobil zu sein?

Wie kann ich meinen Alltag so umorganisieren, dass das Auto möglichst viel in der Garage steht und nicht im Stau zwischen Friedberg und Bad Homburg oder an der roten Ampel in der Marburger Schwanallee? Mehr oder weniger gute Gründe, sich schnell mal hinters Steuer zu setzen, um von A nach B zu gelangen, gibt es viele. Und wer im ländlichen Raum zuhause ist, sagt erst recht: Wie sollen meine Familie und ich denn bitteschön unseren Alltag bewältigen, wenn wir nicht mindestens ein Auto haben?

Zahllose kleine Schritte führen zum Ziel

Vor zwei Jahren hatte die Marburger Gruppe „Einstieg in den Umstieg“ bereits einmal den Versuch unternommen, zwei Monate lang ohne Auto auszukommen – die OP begleitete seinerzeit das Experiment und dokumentierte das Gelingen ebenso wie das Scheitern. Und das genau ist der Punkt: Niemand sollte mit dem Anspruch „Ganz oder gar nicht“ an die Frage herangehen, wie sich Mobilität umorganisieren lässt.

Es sind vielmehr zahllose kleine Schritte, die zum Ziel führen können. Wer etwa morgens vor der Arbeit noch Zeit für einen Spaziergang zum Wachwerden hat, nimmt gleich die zu verschickende Post mit und holt die fehlenden Zutaten fürs Abendessen beim nächstgelegenen Supermarkt.

Empfehlungen der Organisatoren

Das ist dann vielleicht nicht so idyllisch wie der Spaziergang durch den Wald oder den Stadtpark, ersetzt aber vielleicht schon eine Autofahrt zu einem späteren Zeitpunkt im Tagesverlauf. Steht am Wochenende ein Ausflug auf dem Programm? Vielleicht wird es ja mal ein Kurztrip, der nicht erst eine zweistündige Anfahrt mit dem Auto mit sich bringt. Wann haben Sie denn zum letzten Mal eine Fahrradtour unternommen?

Was empfehlen die Organisatoren von „So viel du brauchst ...“ für diese Woche?

Ich gehe täglich einen Weg zu Fuß.

Ich höre mir den Podcast „Stadtradeln“ an, bei dem man alles rund um die Aktion erfährt.

Ich unternehme eine Fahrradtour und entdecke Orte, die ich mit dem Auto nicht zu Gesicht bekommen würde.

Ich „übe“ Bus- und Bahnfahren mit meinen Kindern und befasse mich mit Apps oder Webseiten, die mir stets die schnellste Verbindung sowie Verspätungen anzeigen, zum Beispiel mit der App der Deutschen Bahn.

Ich bilde Fahrgemeinschaften, zum Beispiel mit Arbeitskolleginnen und -kollegen oder mit Nachbarinnen und Nachbarn für den Wocheneinkauf.

Ich initiiere eine Mitfahr-Bank in meinem Ort.

Ich verzichte endgültig auf eine Flugreise im Sommerurlaub.

Ist gesund, hält fit und macht gute Laune

Eine lange Liste von Vorschlägen – eine Liste indes auch, die sich in Coronazeiten bestimmt nicht komplett abarbeiten lässt. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben, und spätestens, wenn alle geimpft sind, dürfte die Pandemie nicht mehr als besonders gutes Argument dafür herhalten, mit dem Auto statt mit Bus und Bahn in die Stadt zu fahren oder zumindest Fahrgemeinschaften zu bilden. Und bis es soweit ist: So viel wie möglich zu Fuß gehen oder radeln – ist gesund, hält fit und macht gute Laune.

Von Carsten Beckmann