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Marburg Neue Windräder-Planungen in Marburg
Marburg Neue Windräder-Planungen in Marburg
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21:28 10.11.2020
Windräder-Planungen, speziell in Wäldern, sorgen immer wieder für Diskussionen. Nun rückt auch die Vorrangfläche in Görzhausen wieder verstärkt in den Blick. Quelle: Archivfoto
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Michelbach

Neuer Anlauf für den Bau von Windkraftanlagen in Marburg: Nahe Michelbach, für Flächen in Görzhausen gibt es einen neuen Interessenten. Der norddeutsche Investor „Energiequelle“ bestätigt OP-Informationen, wonach es erste Gespräche zum möglichen Bau von Windrädern in dem Vorranggebiet gibt. „Einen konkreten Zeitplan können wir noch nicht darstellen. Im nächsten Jahr folgen weitere Gespräche mit Eigentümern. Nach positivem Abschluss folgen dann alle notwendigen Gutachten sowie das Genehmigungsverfahren“, heißt es auf OP-Anfrage. Vorbehaltlich aller nötigen Untersuchungen sei ein Baubeginn, wenn überhaupt, vor dem Jahr 2023 unrealistisch.

Aktuell gibt es einen Austausch mit Flächeneigentümern, aber auch ein Vor-Ort-Treffen – unter anderem zum Kennenlernen der genauen Lage nahe des Pharmastandorts – fand bereits statt. Die Michelbacher Bürgerinitiative hat bereits Widerstand angekündigt. Neben ihren grundsätzlichen Kritikpunkten, Windräder im Wald zu errichten und angesichts der hohen Räder auf dem Bergrücken um das Stadtbild zu fürchten, verweisen Thomas Riedel und Co. auf die kurz bevorstehenden Veränderungen in Michelbach selbst: vor allem die Ausdehnung der Behringwerke. Für Riedel und die BI zentral: Windmessungen samt Bürgerbeteiligung.

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Der neue Investor ist im Kreis kein Unbekannter

Nach eigenen Angaben setzt Energiequelle Anlagen „grundsätzlich nur in solchen Wäldern um, die einen geringen Naturschutzwert haben“. Bei Wäldern mit besonderen Funktionen, wie etwa der Naherholung, werde „sogar mehr neue Waldfläche angelegt als zur Nutzung umgewandelt wurde.“ Eine Aufforstung geschieht aber nicht zwingend vor Ort.

Energiequelle ist in Marburg-Biedenkopf keine Unbekannte: Das Unternehmen plant seit längerem die Errichtung und den Betrieb eines Windparks mit bis zu sechs Anlagen bei Wetter. Die dort geplanten Anlagen haben nach Firmenangaben einen Durchmesser von etwa 160 Meter, eine Nabenhöhe von 165 m und einer Leistung von jeweils 5,5 Megawatt. Die Anlagen seien „speziell für windschwächere Standorte entwickelt“. Mit Energiequelle gibt es nun neben der Firma UKA Meißen einen zweiten überregionalen Investor für das Görzhausen-Gebiet. Die heimische Firma Krug Energie scheiterte vor genau drei Jahren vor allem am BI-Widerstand. Da man bei Energiequelle noch am Anfang der Planungen sei, ist die tatsächliche Umsetzung offen.

Das Investoren-Interesse kommt jedenfalls zu einer Zeit, in der die Windkraft-Diskussion in der Universitätsstadt wieder Fahrt aufgenommen hat. Im Sommer dieses Jahres wurde – von einem Regierungs- und Oppositionsbündnis aus SPD, Grünen und Linken – überraschend die Tür für eine Wiederaufnahme der Windräder-Planung am „Lichter Küppel“ zwischen Moischt und Schröck geöffnet. Das 2015 von den Stadtwerken nach anhaltendem Widerstand verworfene Projekt solle demnach abermals auf die politische Agenda. Grund: Der nach dem Klimanotstand 2019 erstellte Klimaaktionsplan. Für das Küppel-Vorhaben, für die Energieerzeugungs-Form generell soll demnach gezielt – und mit Einbindung von Windkraft-Gegnern – auf und mit Info-Veranstaltungen geworben werden (die OP berichtete).

Von Björn Wisker