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Marburg Zug um Zug gegen die Klimamonster
Marburg Zug um Zug gegen die Klimamonster
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15:00 07.08.2021
Jannis Sättler hat in seinem Freiwilligen Ökologischen Jahr beim Landkreis einKlimaspiel für Kinder entworfen. Die Maskottchen „Klimamonster“ kommen auch im Spiel vor.
Jannis Sättler hat in seinem Freiwilligen Ökologischen Jahr beim Landkreis einKlimaspiel für Kinder entworfen. Die Maskottchen „Klimamonster“ kommen auch im Spiel vor. Quelle: Ina Tannert
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Marburg

Der Würfel rollt klappernd über den Tisch, bleibt liegen und zeigt die rote Fratze eines Klimamonsters. Der „Wärmeschlucker“. Mist. Das gibt Abzug bei den Klimapunkten. Die nächste Ereigniskarte macht es nicht besser, eine Abgaswolke versperrt die Sicht. Eine Runde aussetzen. Pech gehabt. Rettung gibt es über die nächste Aktionskarte, eine Tüte Bio-Äpfel vom lokalen Erzeuger kaufen – das bringt das Klimakonto wieder ein Stück weit in den grünen Bereich.

Klimaschutz spielerisch lernen und zugleich den Landkreis entdecken – darum geht es beim Klimaschutzspiel, das Jannis Sättler während seines Freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJ) entwickelt hat. Das absolviert er beim Fachdienst Klimaschutz und Erneuerbare Energien des Landkreises und wählte das Brettspiel zu seinem Jahresprojekt.

Der 19-Jährige aus Buseck ist geschickt am Zeichenbrett, entwarf neben Würfeln und Spielkarten selber das Spielbrett und fügte markante Orte einzelner Kommunen hinzu. Kreuz und quer auf der Kreis-Karte verlaufen die Spielfelder, der Startpunkt ist in Marburg, im Laufe des Spiels wandern die Figuren quer durch die Region. Vor Kurzem ist sein Projekt fertig geworden, war bereits im Einsatz in Grundschulen, wo die Kinder seine Entwicklung schon ausgiebig erprobten.

Sein Erfolg freut ihn, „es hat Spaß gemacht, ich wollte bei meinem Projekt etwas machen, das mit Klimaschutz und mit dem Landkreis zu tun hat“, erzählt Jannis Sättler. Das Ziel des Spiels: Klimapunkte sammeln und sich möglichst nicht von den „Klimamonstern“ erwischen lassen. Drei gibt es, den „Stromfresser“, den „Wärmeschlucker“ und das „Konsummonster“. Die sind auch bereits als Maskottchen in Schulen im Einsatz, vermitteln kindgerecht Wissenswertes zum Thema Klimaschutz und die Figuren hat der 19-Jährige auch ins Spiel integriert. Es sind drei Schwerpunkte beim Energieverbrauch, die der Umwelt schaden, „sie stehen für klimafeindliches Verhalten“.

Vom Bauernhof bis zum Solaracker

Konzipiert ist das Spiel für drei bis sechs Spieler und für Kinder ab der dritten Klasse. Der Spielablauf ist vielseitig, einfach mit den Figuren von Feld zu Feld ziehen, das wäre ihm zu eintönig gewesen, sagt Jannis Sättler. Daher gibt es drei Würfel, die an verschiedener Stelle zum Einsatz kommen. Außerdem Frage- und Ereigniskarten, die verschiedene Situationen erzeugen, die Spielerinnen und Spieler beim Sammeln von Klimapunkten mal voranbringen, mal zurückfallen lassen. In kindgerechter Sprache gibt es zudem Informationen rund um den Klimaschutz und Umweltprojekte im Kreisgebiet.

Das an verschiedenen Orten auf dem Spielbrett, die konkret etwas mit dem Thema zu tun haben: Darunter regionale Bauernhöfe oder Orte mit Bezug zu erneuerbaren Energien wie Solaracker. Jeder Ort kann zudem von Schulkassen als Exkursionsziel besucht werden, „dorthin kann man auch einen Klassenausflug machen, es geht ja auch darum, die Region kennenzulernen“, erklärt der 19-Jährige.

Der Landkreis förderte sein Projekt und nahm das Spiel in das Konzept für die Klima- und Umweltbildung mit auf. „Es kommt richtig gut an und ist eine tolle Ergänzung, das Thema Klimabildung wird immer wichtiger“, freut sich Energiecoach Erich Weber vom Fachdienst Klimaschutz und Erneuerbare Energien. Aktuell gibt es acht Ausgaben des Spiels, der Kreis stehe bereits im Gespräch mit Spieleherstellern, eventuell könnte der Prototyp einmal als Profi-Ausführung für Schulen herauskommen.

Das wäre für ihn ein weiterer Erfolg, aber vor allem will er das Thema Klimaschutz voranbringen, sagt Jannis Sättler. Die Umwelt ist ihm wichtig, er geht selber zu Demos von Fridays for Future, will einen Beitrag leisten, „es fühlt sich gut an, etwas zu tun“. Das möchte er auch weiterhin, im September endet sein FÖJ, der Kreis sucht bereits einen Nachfolger. Jannis Sättler beginnt dann im Herbst ein Biologie-Studium, möchte sich auch beruflich für den Umwelt- und Klimaschutz engagieren.

  • Weitere Informationen zum Spiel gibt es beim Fachdienst Klimaschutz und Erneuerbare Energien per E-Mail an klimabildung@marburg-biedenkopf.de oder über die Website www.klimaschutz.marburg-biedenkopf.de.

Von Ina Tannert

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