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Marburg Kleine Revue mit viel Musik und Witz
Marburg Kleine Revue mit viel Musik und Witz
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19:55 15.06.2020
Das Hessische Landestheater Marburg zeigt in Corona-Zeiten auf der Schlossparkbühne die Open-Air-Revue „Wenn ich mir was wünschen dürfte". Das Foto zeigt eine Szene mit Camil Morariu (von links), Mechthild Grabner und Victoria Schmidt. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

„Endlich wieder Theater!“, jubelt das Hessische Landestheater Marburg. Und auch die vielen Theaterfans dürfte es freuen: Am Freitag hatte auf der Freilichtbühne im Schlosspark „Wenn ich mir was wünschen dürfte... Eine sommerlich-lichte Revue, die versucht, mit Abstand das Beste draus zu machen“ Premiere. Die in der Regie von Intendantin Carola Unser und Romy Lehmann, der Landestheater-Botschafterin für Kollaboration und Unsinniges, inszenierte Revue bietet viel Musik, viele Anspielungen auf den Corona-Lockdown und ein Ensemble, das sich sichtlich freut, endlich wieder auf der Bühne zu stehen.

Die Corona-Pandemie hat die deutschen Theater schwer getroffen. Das Hessische Landestheater Marburg etwa musste wegen des Lockdowns vier Premieren und zahlreiche Vorstellungen absagen. Vorstellungen im Theater am Schwanhof oder im Erwin-Piscator-Haus sind unter den geltenden Bedingungen derzeit nicht zu realisieren. Stattdessen meldet sich das Landestheater nun auf der Freilichtbühne im Schlosspark zurück mit einer etwa einstündigen Open-Air-Revue. Eigentlich wäre dort jetzt das Kultmusical „Hair“ zu sehen.

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Carola Unser und Romy Lehmann hatten nicht viel Zeit für ihr Open-Air-Projekt, mussten bei den Proben zudem Rücksicht nehmen auf die Abstandsregeln. Das Ergebnis zeigt, welch enormes kreatives Potenzial in dem kleinen Ensemble steckt. Mechthild Grabner, Zenzi Huber, Franziska Knetsch, Ben Knop, Camil Morariu, Anna Rausch, Victoria Schmidt und Valentina Schüler greifen locker-leicht auf Bewährtes zurück, präsentieren mit Songs von Adele, Whitney Houston, Nina Simone oder aus „Hair“ einen bunten Streifzug durch die Popmusik, in dem auch Platz ist für einen Schuhplattler, Schlager und einen Song der Berliner Hip-Hop-Formation „K.I.Z.“, der auch als Kommentar zu Corona gedeutet werden kann: „Und wir singen im Atomschutzbunker: Hurra, diese Welt geht unter.“

Jederzeit souverän begleitet werden sie von den drei Marburger Musikern Sven Demandt, Christian Keul und Burkhard Mayer, die auf dem Bandpodest von „Leonce und Lena“ Jazz, Swing, Pop oder HipHop einfach gekonnt aus dem Handgelenk schütteln. Auch die Kostüme, die Jörn Fröhlich für die Produktion zusammengestellt hat, hat man am Landestheater in unterschiedlichsten Produktionen schon gesehen – in „Cabaret“, in „Leonce und Lena“ oder in „Der Kirschgarten“. Doch es passt einfach wunderbar zusammen.

Viel Abstand für Publikum und Darsteller

Die Vorstellung beginnt eigentlich schon beim Einzug der Zuschauer: Die Darsteller gönnen dem Publikum einen Einblick in ihren wochenlangen Lockdown. Sie wälzen sich gähnend und gelangweilt auf Sesseln herum, selbst Texte für die nächste Premiere zu lernen will nicht recht gelingen. Wozu auch? Wird überhaupt mal wieder gespielt? Hat das jemals ein Ende? So lungern sie eben herum, jede/r auf ihre oder seine Art – bis sie das Publikum entdecken: Schau mal, die gibt’s noch. Flugs fliegt der Morgenmantel in die Ecke, werden Pumps angezogen, wird gewunken und das Publikum angestrahlt: „Wir haben Sie vermisst“, sagen sie – und man möchte antworten: „Wir euch auch.“

Corona spielt immer wieder eine Rolle. Etwa bei einem Bühnenkuss. Undenkbar? Nein! „Wir sind eine Infektionsgemeinschaft“, teilen Camil Morariu und Victoria Schmidt dem Publikum strahlend mit. Prompt meldet sich eine Kollegin mit einem Plakat: „Suche eine Infektionsgemeinschaft.“

Es gibt großartige Szenen wie Mechthild Grabers Bla-bla-Nonsense-Lied, weil sie im langen Lockdown den Text vergessen hat, Ben Knops Versuch, Whitney Houstons „I will allways love you“ trotz Widerstand zu Ende zu bringen, Zenzi Hubers Ausflug zu „Hair“, Franziska Ketschs Adele-Hit „Hello (from the other side)“ oder Camil Morarius und Victoria Schmidts Karl-Valentin-Sketch „Der Theaterbesuch“: „Soll sie doch gefälligst selber ins Theater gehen, statt uns damit zu behelligen“ heißt es da – oder: „Die Frau hat immer recht.“ „Und das nächste Mal machen wir wieder Schiller – oder Jelinek“, verspricht Ben Knop.

Die Zuschauer müssen sich wie die Darsteller übrigens keine Sorgen wegen der Abstandsregeln machen. Die einen spielen, die anderen sitzen wahrlich weit auseinander. Maximal 98 Besucher sind auf der riesigen Fläche zugelassen – „da kann man jeden einzeln begrüßen“, meinte etwa Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, der sich die Premiere ebenso wie Landrätin Kirsten Fründt nicht entgehen ließ.

Weitere Vorstellungen sind am 17., 19., 20., 21., 24., 26., 27. und 28. Juni sowie am 1. und 3. Juli jeweils ab 21 Uhr (Einlass ab 20.30 Uhr). Karten gibt es bislang ausschließlich an der Theaterkasse in der Oberstadt (Neustadt 7).

Von Uwe Badouin

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