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Marburg „Was brauche ich wirklich?“
Marburg „Was brauche ich wirklich?“
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00:18 21.04.2019
Suchen, finden, tauschen: Bei der Kleidertausch-Party im KFZ herrschte reger Andrang. Die Besucher konnten am vergangenen Sonntag Hosen, Pullis oder Jacken loswerden oder sich mit angebotenen Stoffen eindecken. Quelle: Julia Carp
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Marburg

Der Frühling hält Einzug in Marburg. Die Blumen sprießen, die Sonne scheint und die Tage werden langsam länger. Während eine Jahreszeit ­einen nun so richtig startet, hatten interessierte Frühlingsmarkt-Besucher am Sonntag einen Grund für einen Frühlingsputz in ihrem Kleiderschrank. Die Kleidertauschparty wurde im KFZ von Chrissi Groß, Jenny Sonnenschein und Giovanni Schulze privat organisiert. Die alte Jacke, die langsam schon Staub ansetzt, gegen eine Jeans tauschen – klingt nach einem guten Geschäft.

Das fanden auch 700 Interessierte, die sich bereits zuvor über Facebook ankündigten. „Das ist das erste Mal, dass wir so etwas in Marburg organisieren. Es ist eine Art Testballon und wenn es gut ankommt, möchten wir das öfters veranstalten. Wir rechnen heute mit 500 bis 1 000 Leuten“, sagt Giovanni Schulze. Diese Annahme schien sich wenig später zu bestätigen. Bereits nach der ersten Stunde war die Halle gefüllt.

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Ziel: Nachhaltigkeit, die den Konsumenten Spaß macht

Auch die Tische und Kleiderstangen waren schnell bestückt. Bei der Veranstaltung konnten Interessierte kostenfrei Kleidungsstücke abgeben und beliebig viele Teile von anderen wieder mitnehmen. „Jeder darf so viel mitbringen und heim nehmen, wie er tragen kann“, erklärte Jenny Sonnenschein.

Den Organisatoren zufolge ist der Sinn der Aktion, dem Konsumwahn entgegenzuwirken. Die Besucher sollen sich mit folgender Frage befassen: „Was brauche ich wirklich im Kleiderschrank?“ Das Stöbern durch die verschiedenen Kleidungstische und -ständer bereitete den meisten sichtlich Freude.

„Unser Ziel ist es auch, hier zu zeigen, dass Nachhaltigkeit Spaß machen kann“, betont Chrissi Groß. Sie und Giovanni Schulze arbeiten ehrenamtlich für die Kampagne für saubere Kleidung. Diese leistet Aufklärungsarbeit und setzt sich für die Verbesserung der Menschenrechte der Arbeiter in den Textilfirmen ein. „Wir wollen mit solchen Aktionen die Wertschätzung für produzierte Kleidung steigern und uns freut, dass das sichtlich auf hohen Zuspruch trifft“, erklärt Schulze. So wirkten die Teilnehmer an diesem Sonntag auch begeistert von der Aktion. „Ich finde das ist eine tolle Möglichkeit, meinen Kleiderschrank etwas auszumisten und noch an jemanden abgeben zu können, der sich vermutlich darüber freut. Ich selbst habe eben schon ein paar Schätze gefunden“, erzählt Amelie Ritter, Besucherin des Kleidertausches.

Was übrig bleibt, wird gespendet

Auch wenn sich die Tische immer leerten, füllten sie sich ebenfalls schnell wieder. Für Kleidung, die keinen Interessenten findet, hat Chrissi Groß auch eine Verwendung: „Alles was heute Abend übrig bleibt und unversehrt ist, wird an das Jugendhilfswerk, die Diakonie und das Rote Kreuz gespendet.

Wenn etwas keine so gute Qualität mehr hat, bringen wir es zu Kleidung mit Herz, dort wird es wiederverwendet. Wir hoffen aber natürlich, dass so wenig wie möglich übrig bleibt.“
Wann eine Wiederholung dieser Aktion stattfinden wird, ist bislang noch nicht geklärt. Interessierte sollten aber die Augen offen halten. Denn die Organisatoren werden rechtzeitig über die eigene Facebook-Seite und an den Infotheken des KFZ über eine bevorstehende Veranstaltung informieren.

von Julia Carp