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Marburg Doppel-Event kommt an
Marburg Doppel-Event kommt an
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11:53 26.08.2020
Saisonstart unter besonderen Vorzeichen: Das Klavierduo Yaara Tal und Andreas Groethuysen gastierte in Marburg. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Es war ein Experiment für alle: für die Künstler, das Publikum und insbesondere für den Konzertverein. In Vor-Corona-Zeiten hätten sich mindestens 600 Freunde klassischer Musik auf den Weg ins Erwin-Piscator-Haus gemacht, wenn sie die Chance gehabt hätten, ein so renommiertes Klavierduo wie Yaara Tal und Andreas Groethuysen in Marburg erleben zu können.

Dass es nicht diesen Publikumszuspruch gab, ist „der Situation geschuldet“, wie die Vorsitzende des Konzertvereins Dr. Kathrin Hensel im Gespräch mit der OP sagte.

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Coronabedingt spielte das Klavierduo sein den Rahmenbedingungen angepasstes Programm mit Werken von Beethoven und Febel zwar sogar zweimal, doch mehr als 140 Zuhörerinnen und Zuhörer pro Vorstellung hatten die beiden Virtuosen nicht.

Trotzdem bilanziert die Konzertvereinschefin: „Wir sind sehr dankbar, dass das Duo sich auf dieses Experiment eingelassen hat.“ Zudem sei das Hygienekonzept vor Ort so gut umgesetzt gewesen, dass „man sich wirklich sicher fühlen“ konnte.

Programm wurde gekürzt

Kathrin Hensel berichtete von ausschließlich positiven Rückmeldungen des Publikums: „Alle hatten das schöne Gefühl: Es geht wieder los.“ Für die Künstler selbst sei die doppelte Vorstellung zwar anstrengend gewesen – zwischen einem Termin um 17 Uhr und dem nächsten um 20 Uhr Körperspannung und Konzentration zu halten, sei nicht eben einfach: „Doch die beiden sind absolute Vollprofis und ihre Leistung wurde entsprechend positiv aufgenommen.“

Ursprünglich war ein längeres Programm mit einer Pause vorgesehen, doch das hätte sich nicht mit dem geltenden Hygienekonzept in Einklang bringen lassen. Experiment gelungen? Erst einmal ja, doch schon beim nächsten geplanten Termin Ende Oktober könnte es noch einmal komplizierter werden als am zurückliegenden Wochenende.

„Es bleibt eine finanzielle Gratwanderung“

Dann nämlich ist eigentlich ein Orchesterkonzert geplant. Ist es noch vergleichsweise einfach, zwei Pianisten auf der Bühne unterzubringen, dürften bei größeren Musikensembles die aktuell geltenden Abstandsregelungen ein gewichtiges Problem darstellen. Deshalb sei der Konzertverein hinsichtlich dieses Termins noch in Verhandlungen, und auch für den Rest der Saison weiß die Vorsitzende, dass der Konzertverein „sehr flexibel“ sein muss:

„Wir hoffen natürlich, dass wir das Angebot von zehn Spielzeit-Terminen halten können – aber wir müssen auch rechnen, es bleibt eine finanzielle Gratwanderung.“ Der Marburger Konzertverein sei bemüht, dem Publikum trotz der Pandemie ein anspruchsvolles Programm zu bieten: „Wir müssen aber sehen, was geht.“

Auf jeden Fall habe das Konzert mit dem Klavierduo Tal & Groethuysen bewiesen, dass das Stammpublikum seinem Konzertverein auch in schwierigen Zeiten die Treue hält: „Es war schön, alle wiederzusehen“, resümiert die Vorsitzende.

Von Carsten Beckmann

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