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Marburg Kita-Kinder: geschlossene Gruppen als Dauerlösung?
Marburg Kita-Kinder: geschlossene Gruppen als Dauerlösung?
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19:58 21.05.2021
Für Erzieherinnen ein unbefriedigendes Arbeiten, für Kinder wenig pädagogische Förderung: Die geschlossenen Betreuungsgruppen in Kitas könnten aber noch lange Realität bleiben.
Für Erzieherinnen ein unbefriedigendes Arbeiten, für Kinder wenig pädagogische Förderung: Die geschlossenen Betreuungsgruppen in Kitas könnten aber noch lange Realität bleiben. Quelle: Foto: Nadine Weigel
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Marburg

Offen, aber doch geschlossen: In allen Kindergärten und Kinderkrippen in Hessen gilt seit März 2020, dem Beginn der Corona-Pandemie, ein „Mischverbot“. Heißt: Kinder aus verschiedenen Betreuungsgruppen dürfen nicht mehr miteinander spielen, nicht gemeinsam essen und auch die Erzieherinnen sind einer Gruppe fest zugeordnet, Personalwechsel sollen vermieden werden.

Gruppenübergreifende Aktivitäten drinnen wie draußen, pädagogische Methoden wie „offene Konzepte“, in denen Kinder sich in den Einrichtungen weitgehend frei bewegen können, sind verboten. Auch eine Kinderbetreuung in sogenannten Randzeiten – meist ab dem späten Nachmittag, wenn aus allen Gruppen nur noch wenige Kinder da sind und eigentlich zu einer Gruppe zusammengelegt werden – ist in vielen Einrichtungen in Marburg und Umgebung daher nicht mehr gewährleistet. Resultat: Vielen berufstätigen Eltern fehlt seit mehr als einem Jahr täglich eine Stunde Betreuungszeit – für viele bedeutet das eine Anpassung der Arbeitszeiten.

Die geschlossenen Gruppen und deren Folgen sind ein Zustand, der offenbar dauerhaft so bleiben könnte. Denn wie die Hessische Landesregierung auf OP-Anfrage mitteilt, ist ein Ende des geltenden „Regelbetriebs unter Pandemiebedingungen“ – anders als etwa in Niedersachsen bei Inzidenz unter 50 – nicht in Sicht.

Vollständig geimpfte Personen – ob Eltern oder die mittlerweile größtenteils zumindest teil-immunisierten Erzieher –seien zwar gegen einen schweren Verlauf geschützt, aber es bestehe weiterhin die Möglichkeit, dass sie sich infizieren und das Virus übertragen, heißt es vom Land. „Daraus, und aus der Tatsache, dass die Familien der betreuten Kinder noch nicht vollständig geimpft sind und die Kinder mangels zugelassenem Impfstoff noch gar nicht, ergibt sich, dass im Bereich der Kindertagesbetreuung weiterhin Hygieneregeln und organisatorische Schutzmaßnahmen erforderlich sind, um die Covid-Übertragung zu verhindern.“

Biontech: Kinder-Vakzin wohl im Winter

Ob also nach der Kita-Schließzeit im Sommer – ab Mitte/Ende August – in Kindergärten ein Vor-Corona-Alltag samt Gruppenmischung und pädagogischer Arbeit erlaubt werde, sei eine Frage, die man „nicht beantworten“ könne. Immerhin: „Der aktuell sich positiv verstetigende Trend des Infektionsgeschehens gibt insgesamt Anlass zur Zuversicht.“ 57 aller rund 500 aktuell im Landkreis Marburg-Biedenkopf Corona-Positiven sind im Kita- und Grundschulalter.

Dank „konstanter Gruppen“ müsse bei Corona-Infektionsverdacht nur die betroffene Gruppe statt der ganzen Einrichtung geschlossen werden, erläutern die zuständigen Landes-Ministerien. Grundsätzlich sei der Landesregierung aber die „hohe Bedeutung der Kontakte zu anderen Kindern und sonstigen Bezugspersonen für die frühkindliche Entwicklung bewusst“. Dem Bedürfnis von Kindern nach vielfältigen Kontakten trage man daher über „besondere Kontaktbeschränkungs-Regeln Rechnung“. Konkret: Bei privaten Treffen zählen unter 14-Jährige nicht in die erlaubte Personenzahl.

Bis ein Impfstoff für unter 12-Jährige bereitsteht, wird es jedenfalls noch Monate dauern. Während das in Marburg produzierende Pharmaunternehmen Biontech ein Vakzin für alle Altersklassen – also auch für Kindergartenkinder – im Winter 2021/2022 einsetzen will, rechnet das Bundeskanzleramt nicht mit einem Impfstart vor Frühjahr kommenden Jahres.

Abgesehen davon rechnen Experten damit, dass Eltern von kleinen Kindern bei einem so neuen Impfstoff wesentlich zurückhaltender sein werden, als das bei der eigenen Impfbereitschaft der Fall ist.

Eine Impfpflicht wie bei Masern als Voraussetzung für den Kita-Besuch? Das lehnte die Bundesjustizministerin in dieser Woche mit dem Verweis auf die für Kinder im Vergleich zu Masern weit weniger gefährliche Corona-Erkrankung ab.

Von Björn Wisker

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