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Marburg Kita-Betrieb: So geht es in Marburg weiter
Marburg Kita-Betrieb: So geht es in Marburg weiter
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11:58 31.05.2020
Taschen von Kindern hängen im Flur einer Marburger Kindertagesstätte. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Die Kinderbetreuung in Marburg wird auf bis zu 100 Prozent der Kapazitäten hochgefahren. Ab Dienstag sollen die Krippen – also Einrichtungen für Unter-Dreijährige –wieder alle Kinder aufnehmen, die Kindergärten zwischen 50 und 80 Prozent.

Das teilte das Jugendamt in der Universitätsstadt mit. Die Regelung gilt sowohl für die städtischen als auch die Kitas freier Träger. Aktuell sind nach Angaben von Stadträtin Kirsten Dinnebier (SPD) 36 Prozent der Kinderbetreuungs-Plätze belegt, das entspricht 1.134 Jungen und Mädchen.

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Somit ist zwar klar, dass ab 2. Juni hunderte Marburger Familien ihre Kinder wieder in die Einrichtungen bringen dürfen. Aber zumindest für den Bereich der Über-Dreijährigen bedeutet das: Nicht alle Familien, nicht alle Kinder werden angesichts der nun bestehenden 50- bis 80-Prozent-Festlegung einen Platz bekommen.

„Wir wollen Kontinuität für die Kinder“, sagt Dinnebier und lehnt damit ein Tages- oder Wochenwechsel-Modell in Marburg ab. So sieht die Anspruchsberechtigung in Marburg ab nächstem Dienstag konkret aus: Wer bisher schon unter die vom Land Hessen erstellte Kategorie der „systemrelevanten Berufe“ fällt und somit Notbetreuungs-Anspruch hat, behält diesen.

„Schulis“ kommen zuerst dran

Priorisiert behandelt werden auch Kinder berufstätiger oder studierender Alleinerziehender sowie Kinder von Fachschul-Besuchern. Das gleiche gilt für Kinder, die eine Behinderung haben oder deren Wohl gefährdet ist. Jugendamt, freie Träger und Gesamtelternbeirat haben sich für Marburg dazu entschieden, nun als erstes den Ältesten, die also nach dem Sommer den Kindergarten verlassen und in die Schule kommen, die Rückkehr zu gewähren.

Danach folgen – sofern nicht die laut Dinnebier große Gruppe der Anspruchsberechtigten, die ihre Kinder bislang noch Zuhause lassen, diese nun wieder bringen – die Gruppen der Einzelkinder, Kinder aus Familien mit beengten Wohnverhältnissen, Kinder mit besonderem Förderbedarf und Kinder von Berufstätigen aus nicht-systemrelevanten Berufen.

Systemrelevant oder nicht?

„Der Druck steigt, das Arbeitgeber-Verständnis nimmt ab und die Schließzeit steht bevor: Es muss hin zu einer Regelbetreuung, und die Unterscheidung in systemrelevant und nicht-systemrelevant ist immer schwerer verständlich zu machen“, sagt Heinrych Braun, Vorsitzender des Gesamtelternbeirats.

„Arbeit und Kinderbetreuung gelingt nicht zeitgleich. Man kann weder effektiv arbeiten noch sich richtig ums Kind kümmern. Das muss ein Ende haben“, sagt Lars Witter, Elternbeirats-Mitglied. „Jede Familie ist mittlerweile ein Härtefall“, sagt Stefanie Lambrecht, Jugendamts-Leiterin.

Home-Office als Grund reicht nicht

Aber auch nach fast drei Monaten der Mehrfach-Belastung werde das Kriterium Home-Office allein für das Ja zu einem Kinderbetreuungs-Platz nicht ausreichen. Um die Auswahl so einheitlich wie möglich zu gestalten, definiere man gerade einen Kriterienkatalog.

Die Gruppengröße soll im Ü3-Bereich indes bei mindestens zehn liegen, im U3-Bereich bei acht. Eine Maximalgröße soll es nicht geben, das richte sich nach den Raumgrößen. 20 bis 25 Kinder seien aber „durchaus möglich“, sagt Kai Abraham, Geschäftsführer der Evangelischen Kindertagesstätten. Dass die Einrichtungen nun faktisch zur Auswahl der begünstigten Kinder gezwungen seien, sei „bitter und belastend“.

„Türen auf und kommt alle her“ geht nicht

Das größte Problem gibt es in den kleineren, also den zweigruppigen Kitas etwa in Außenstadtteilen. Dort geben es die Räume mitunter nicht her, dass zeitgleich Kleingruppen betreut werden können –auch deshalb prüft die Stadt, ob Bürgerhäuser für die Kinderbetreuung genutzt werden könnten.

Im Krippen-Bereich warnen Dinnebier und Abraham aber: Gerade für die Kleinsten, die nach all den Wochen mitunter den Bezug zu den Fachkräften oder anderen Kindern verloren hätten, brauche es eine neue Eingewöhnungs-Zeit.

„Türen auf und kommt alle her – das wird noch nicht sofort gehen“, sagt Abraham und rechnet mit einer schrittweisen Erhöhung der Kapazität innerhalb einer Woche. So oder so: „Der Alltag der Kinder in den Einrichtungen wird sich verändern“, sagt Dinnebier.

Von Björn Wisker

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