Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Weihnachten wird anders
Marburg Weihnachten wird anders
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:56 18.12.2020
Dekan Burkhard zur Nieden (von links), Propst Helmut Wöllenstein und Dekan Hermann Köhler am Adventskranz in der Elisabethkirche. Sie wollen, dass Kirchenvorstände ohne Druck Entscheidungen über Gottesdienste an den Feiertagen fällen dürfen. Quelle: Götz Schaub
Anzeige
Marburg

Der Lockdown läuft. Was ist nun mit den Gottesdiensten rund um Heiligabend, die Weihnachtsfeiertage und überhaupt? Nun, Gottesdienste können stattfinden, hatte der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier am Mittwoch, 16. Dezember, verkündet. Sie müssen aber nicht. Wenn sie stattfinden, gelten strikte Regeln.

Die Wichtigsten: Sofern die Zusammenkunft eine Auslastung der räumlichen Kapazitäten erwarten lässt, soll die Teilnahme nur nach vorheriger Anmeldung erfolgen. Vor Ort ist Mundschutz zu tragen, der Mindestabstand ist stets zu wahren.

Anzeige

Okay, aber was heißt jetzt kann, muss aber nicht stattfinden? Dazu beziehen für die evangelischen Gläubigen Propst Helmut Wöllenstein, Dekan Hermann Köhler (Kirchenkreis Kirchhain) und Dekan Burkhard zur Nieden (Kirchenkreis Marburg) Stellung.

Ihnen ist es wichtig, dass jeder Kirchenvorstand weiß, dass jede Entscheidung gebilligt und akzeptiert wird. „Es kann keine Frage zwischen richtig und falsch sein, sondern, was die Bedingungen vor Ort sind, was dort Sinn macht“, sagt Dekan Köhler.

Meinungen von „auf keinen Fall“ bis „auf jeden Fall“

Niemand solle sich Bange machen lassen, falls andere Meinungen zur Entscheidung aus der Kirchengemeinde laut werden. Man könne unmöglich alle mitnehmen. Dekan zur Nieden präzisiert, wie das gemeint ist: „Ich bekomme beispielsweise Anrufe von Menschen, die nicht verstehen können, warum ein Gottesdienst ausfällt. Ich bekomme aber auch Anrufe von Menschen, die es unverantwortlich finden, dass irgendwo was stattfindet. Das ist das Meinungsfeld, in dem wir Entscheidungen treffen müssen.“

Probst Helmut Wöllenstein betont: „Die Kirchenvorstände haben die Freiheit, so zu entscheiden, wie sie es nach Abwägung der Bedingungen vor Ort für das Beste halten. Es darf und soll kein Druck auf ihnen lasten.“ Und ja, die Bedingungen vor Ort können sehr unterschiedlich sein.

Das fängt mit der Größe der Kirche an und hört mit der Anzahl von Menschen, die sich an einer Planung und Ausgestaltung beteiligen, auf. Nicht überall könne man auch einfach Familien-Gottesdienste nach draußen verlegen. Denn auch da müsse beispielsweise der Zugang und Abgang geregelt werden, um Gruppen- oder Schlangenbildungen zu vermeiden.

Kreative Formen ausdrücklich erlaubt

„Generell finden wir es gut, dass Gottesdienste, an den Feiertagen auch die am späteren Abend stattfinden können, aber wir wollen auch im Hinblick der Einschränkungen durch den Lockdown nicht alles Machbare ausreizen“, sagt zur Nieden. Das sei auch die Haltung der katholischen Kirche, die auch traditionell Spätgottesdienste anbietet. Doch bei aller Entscheidungsfreiheit haben sie auch einen Appell: Liegt die Kirchengemeinde in einer Region, die eine Inzidenzzahl von 200 aufweist, sollte eine Absage ernsthaft geprüft werden.

Volle Unterstützung erhalten die Pfarrerinnen und Pfarrer beziehungsweise Kirchenvorstände, wenn sie kreativ werden und andere Formen wählen, wie sie Gläubige erreichen können, um die Weihnachtsbotschaft zu transportieren und allen Menschen, insbesondere den Alleinstehenden eine Gemeinschaft im Herzen und Glauben zu bieten.

In Fronhausen zum Beispiel, wo der Gottesdienst abgesagt wurde, wird gewichtelt. „Jeder konnte mitmachen und Geschenke vorbeibringen, die wir dann am 23. verteilen“, erklärt Pfarrerin Anna Elisabeth Scholz. Hunderte Geschenke seien eingetroffen, was sie als „schönes Zeichen der Verbundenheit“ bewertet. Zusätzlich wird in Fronhausen ein Weihnachtsbrief an alle Haushalte verteilt. Scholz ist zuversichtlich, dass auch so die weihnachtliche Botschaft die Menschen erreicht.

Einige bieten digitale Botschaften an

Ein anderer Weg zu den Gläubigen ist digital. Und der wird in den heimischen Gemeinden immer öfter gewählt. Video-Botschaften aus der eigenen Kirchengemeinde, sind jederzeit abrufbar im heimischen Wohnzimmer, aber auch Telefon-Andachten gehören dazu. Wöllenstein bestätigt, dass dieser Weg auch nachgefragt werde. Fernseh-Gottesdienste und Beiträge im Radio, zu denen er selbst in Hessen beiträgt, hätten wegen Corona in diesem Jahr eine höhere Zuschauer- beziehungsweise Zuhörerzahl erreicht.

Was vor Ort stattfindet beziehungsweise nicht, lässt sich unter anderem auf den Homepages der Kirchengemeinden nachlesen oder in den aktuellen Mitteilungsblättern der Kommunen. Auch die OP druckt gerne aktuelle Änderungen zur Information ab, wie auf dieser Seite in der Randspalte zu lesen. Viele Kirchengemeinden verständigen sich jetzt auf außerkirchliche Treffpunkte und lassen die Gottesdienste zeitlich verkürzt bis zu dreimal hintereinander stattfinden. Zum Abendmahl sind eigene Becher mitzubringen.

Von Götz Schaub und Nadine Weigel

Marburg Corona-Fallzahlen - Fünf weitere Todesfälle
18.12.2020
17.12.2020