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Marburg Kirchen arbeiten an Alternativen
Marburg Kirchen arbeiten an Alternativen
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10:00 01.12.2020
Voll besetzte Kirchen, wie hier bei einem früheren Orchesterkonzert in der Stadtkirche in Stadtallendorf, wird es in diesem Jahr nicht geben. Stattdessen werden die Kirchengemeinden kreativ, um den Advent Corona-gerecht zu gestalten.
Voll besetzte Kirchen, wie hier bei einem früheren Orchesterkonzert in der Stadtkirche in Stadtallendorf, wird es in diesem Jahr nicht geben. Stattdessen werden die Kirchengemeinden kreativ, um den Advent Corona-gerecht zu gestalten. Quelle: Tobias Hirsch
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Ein besinnlicher Adventsweg, ein Krippenspiel per Video-Sampler oder einfach ein Licht am Fenster – Kirchengemeinden stehen derzeit vor nie dagewesenen Herausforderung, die Adventstage trotz Pandemiezeiten besinnlich als Gemeinschaft zu gestalten. Und dabei werden viele besonders kreativ, um die Menschen bei aller Abstandspflicht dennoch zu erreichen. Der eigene Glaube, der Zusammenhalt, klar terminierte Feste – das kann für religiöse Menschen ein fester Halt im Leben sein. Erst recht gilt das in Krisenzeiten, wo es ganz besonders um Fürsprache im Alltag geht.

Lebendige Adventsabende oder brechend volle Kirchen darf es dieses Jahr nicht geben, die Kirchengemeinden haben sich daher einiges überlegt und klassische Weihnachtsangebote Corona-gerecht angepasst, dabei oft eigene Akzente gesetzt. So gibt es etwa in Ebsdorfergrund und Umgebung gleich zwei Adventswege, die kontaktlos und fast alle durchgehend in der Adventszeit vorweihnachtliche Stimmung verbreiten.

Einen davon haben die Kirchengemeinden im Kooperationsraum „Ebsdorfer Grund+“ des Kirchenkreises Marburg auf den Weg gebracht: An verschiedenen Kirchen von Marburg bis Winnen wurden Themen-Angebote installiert, vom Adventslicht in Ebsdorf an jedem Adventssonntag bis zur Krippe am Pfarrhof der SELK-Gemeinde, die von Besuchern mit geschmückt werden kann. In Wittelsberg gibt es außerdem Engelsspuren oder Weihnachtswünsche zu erkunden, in Rauischholzhausen wird der Weihnachtsbaum geschmückt. „Uns war es wichtig, Angebote zu schaffen, die ein Gefühl für Weihnachten aufkommen lassen, ein Gefühl für diese besondere Zeit“, berichtet Pfarrerin Jennifer Lackmann von der Evangelischen Kirchengemeinde Ebsdorf. Durch den Angebots-Mix können sich die Besucher auf den Weg machen, sich durch die Adventszeit zu bewegen, Weihnachten „auf die Spur“ kommen.

Das kann man auch bei Leidenhofen: Entlang des Kreuzweges – Start ist am Feuerwehrhaus – gibt es, federführend von der Christusgemeinde gestaltet, einen besonderen Adventsweg zum Motto „Ein Spaziergang auf dem Weg zur Krippe“: Alle paar Meter stehen mit Lichterketten, weihnachtlicher Dekoration und Sternen geschmückte Pfähle, die etwas zu erzählen haben. Ob vom Werdegang von Maria und Joseph, den Weisen oder den Hirten – an deren Station lässt sogar eine kleine Schafherde die Geschichte lebendig werden.

Und an der Strecke kommen regelmäßig Spaziergänger vorbei, die neugierig stehen bleiben und die abgedruckten Texte studieren. „Eine gute Sache, das bringt einen dazu, sich noch einmal ganz neu mit diesem Thema zu befassen“, lobt ein Passant.

An der Hirten-Station auf dem Adventsweg bei Leidenhofen machen Figuren und eine kleine Schafherde die Weihnachtsgeschichte lebendig. Quelle: Ina Tannert

Im Nachbarort Ebsdorf hat sich ein Team von Kirchengemeinde und Kita eine kreative Alternative zum Krippenspiel ausgedacht: Denn ein klassisches Präsenz-Krippenspiel wird es dort nicht geben, stattdessen gehen Kinder, Eltern und Kirche online, berichtet Pfarrer Eric Weidner.

Denn die Kinder hatten für ihren Auftritt schon fleißig geübt, und das soll nicht umsonst gewesen sein. Daher werden viele Familien kleine Videos von eben jenen Szenen drehen, bei denen ihre Kinder mitgespielt hätten. Außerdem wird das Spiel angereichert durch verschiedene Aufnahmen, über die die Kinder ihre Sicht auf Weihnachten beschreiben können, zudem wird hier und da gesungen. Alle Clips werden am Ende zu einem kleinen Film zusammengesetzt. An Heiligabend wird das gesamte Stück dann über die Webseite der Kirchengemeinde (www.kirche-ebsdorf.de) veröffentlicht.

Telefon-Andacht beliebt

Der Kirchenkreis Kirchhain befindet sich noch in der Endabstimmung für das weitere Adventsprogramm. Dabei gilt es, die Corona-Verordnungen samt Teilnahmebeschränkung für Gottesdienste und andere Veranstaltungen einzuhalten, „es ist eine völlig neue Erfahrung, die wir jetzt machen, es gibt strenge Vorschriften und wir nehmen die Hygieneregeln sehr ernst“, berichtet Dekan Hermann Köhler. Er sei sehr froh, überhaupt Gottesdienste feuern zu können, wenn auch begrenzt.

Nicht jede Kirche sei geeignet, alle Gläubigen aufzunehmen, die im Advent kommen würden. Daher dürften Gottesdienste in vielen Gemeinden künftig über ein neues Buchungssystem laufen, das die Landeskirche initiiert hat.

Weitere Angebote an der frischen Luft könnten noch dazukommen. Für die Gläubigen gebe es außerdem weiterhin Telefon-Andachten auf Abruf zu hören, „ein gutes Wort am Telefon“ heißt die Aktion: Mit einem Anruf (unter 0 64 21 / 175 07 75) kann täglich eine fünfminütige Andacht von einem der Pfarrer des Kirchenkreises abgerufen werden, die Mut und Hoffnung spenden soll, „gerade für Menschen, die sich nicht trauen, irgendwohin zu gehen“, erklärt Köhler. Das Angebot werde immer stärker nachgefragt, „es wird am Tag 100 bis 150 Mal abgerufen, es kommt unheimlich gut an“.

Gerade im Advent und zu Corona-Zeiten sei die Ansprache der Gläubigen wichtig. Der Begriff „Adventus“ bedeutet übrigens Ankunft, also das Warten auf die Ankunft Jesu. Für Christen sei dies „eine Zeit des Wartens auf Weihnachten, ähnlich wie bei der Passionszeit, man bereitet sich vor, man geht ab dem 11. November in eine geruhsame, stille Zeit“. Durch den Teil-Lockdown rücken Besinnlichkeit und Ruhe sogar noch mehr in den Fokus.

Digitale Adventskalender

Zugleich steige auch die Nachfrage nach kirchlichen Angeboten im Internet, vom Gottesdienst-Stream auf Youtube bis zum virtuellen Gruß vom eigenen Pfarrer. Digitale Angebote liegen überall zwangsläufig im Trend. Besonders beliebt sind virtuelle Adventskalender; ein solcher findet sich unter anderem auf der Webseite der katholischen Pfarrgemeinde St. Johannes Evangelist in Marburg (www.st-johannes-marburg.de), mit einer ganzen Bildersammlung an dekorativen Eingangstüren. Hinter jedem „Türchen“ verbergen sich kleine Impulse, Grußbotschaften oder Bastelanleitungen. So hält es auch das Bistum Fulda mit seinem digitalen Adventskalender, jeden Tag kann eine neue Botschaft für den Tag abgeholt werden.

Das Dekanat Biedenkopf-Gladenbach (www.dekanat-big.de) gibt außerdem „Ein paar Minuten Zuversicht“, so heißt der dortige Adventskalender, der die Weihnachtszeit mit Videoandachten, Vorlesegeschichten oder Krippenfotos begleitet. Zudem gibt es auf der Homepage Adventsgeschichten für Kinder, außerdem und auch in den sozialen Medien eine tägliche Videoandacht als „Mutmacher“, teilt Klaus Kordesch von der Öffentlichkeitsarbeit des Dekanats mit. Darüber hinaus sei die virtuelle Krippenausstellung „Krippen aus aller Welt“ zu sehen mit Fotografien von knapp 40 besonderen Exemplaren.

von Ina Tannert

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