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Marburg Marburgs erster Kippster hängt im Waldtal
Marburg Marburgs erster Kippster hängt im Waldtal
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08:31 16.11.2020
Für den Kippster: Britta Stadlmann-Golega (von links), Christa Winter und Angela Schmidt suchen Umwelt-Schützer. Quelle: Katja Peters
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Marburg

Zwei Röhren mit gelochten Deckeln, oben drüber die Frage: „Wohnst Du gerne im Waldtal?“ – fertig ist der ersten Kippster von Marburg. Die Frage ist allerdings nur Beiwerk beim patentierten Zigarettenstummel-Sammler. Das Wichtigste ist, dass die Kippen in ihm landen und nicht auf dem Boden der Bushaltestelle an der St. Martin-Straße.

Auch das Ergebnis der Umfrage wird mit einem lachenden Auge zur Kenntnis genommen. „Hier rauchen viele Busfahrer und Fahrgäste, die gar nicht im Waldtal wohnen“, sagt Britta Stadlmann-Golega mit einem Augenzwinkern.

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Die Quartiersmanagerin hat zusammen mit der Jury des Stadtteilbudgets Waldtal die „pfiffige Idee“ umgesetzt, „um die Umwelt zu schützen“, wie Christa Winter, ehemaliges Jury-Mitglied, sagt. Bei den Putzaktionen waren ihr die vielen Zigarettenstummel aufgefallen. „Sie liegen ja überall, vor allem hier an den Bushaltestellen“, hat sie festgestellt.

Einst mit dem Versprechen für „gesünderes Rauchen“ zu sorgen, sind die Filter heute weltweit das am häufigsten weggeworfene Abfallprodukt. Dabei sind die Kippen voller hoch konzentrierter Schadstoffe: Arsen, Blei, Chrom, Kupfer, Cadmium, Formaldehyd, das Nervengift Nikotin sowie krebserregende Verbindungen wie Benzol. Bis zu 15 Jahre kann es dauern, bis er sich zersetzt hat. So lange wollte man im Waldtal nicht warten. Zumal ein Stummel etwa 40 Liter Grundwasser vergiften kann, vom Mikroplastik will Angela Schmidt gar nicht erst anfangen. Als Jurymitglied möchte auch sie die Raucher dazu animieren, den Kippster zu nutzen. „Wenn er eigenmotiviert seine Kippe in den Aschenbecher wirft, dann ist doch allen geholfen“, ist sie sich sicher und erinnert sich zurück, als sie noch Raucherin war: „Da habe ich auch so manche Kippe auf dem Boden entsorgt. Das ist am einfachsten.“ Der spezielle Aschenbecher hängt nun zwei Wochen und es liegen merklich weniger Stummel in der Bushaltestelle.

„Klar, er funktioniert noch nicht zu 100 Prozent. Aber wir wollen noch mit Informationen und Plakaten auf den Kippster aufmerksam machen“, berichtet Britta Stadlmann-Golega. Sie hofft, dass sich die „pfiffige Idee“ in der Universitätsstadt rumspricht. „Denn wenn mehr bestellt werden gibt es Mengenrabatt und es werden sogar Farbwünsche umgesetzt.“ Der Kontakt zur Hansenhausgemeinde ist auf jeden Fall schon mal gemacht. Wer weiß, vielleicht hängen dort demnächst weitere Kippster.

von Katja Peters

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