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Marburg Drängen auf Wiedereröffnung „spätestens im Juli“
Marburg Drängen auf Wiedereröffnung „spätestens im Juli“
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12:59 26.04.2020
Seit mehreren Wochen ist das Cineplex Marburg wegen der Corona-Pandemie zu. Quelle: Thorsten Richter/Archiv
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Berlin/Marburg

Abstand halten in Zeiten von Corona kann man auch im Kino, finden die Betreiber und drängen auf einen Fahrplan zur Wiedereröffnung der Filmtheater. Sie fürchten ein Kinosterben.

Kinoverbände haben mit einem Hygieneplan dafür geworben, dass auch ihre Häuser demnächst wieder öffnen dürfen. „Wir brauchen einen Fahrplan zur Wiedereröffnung“, sagte Christian Bräuer von der AG Kino – Gilde deutscher Filmkunsttheater gestern in Berlin. Kinos könnten Hygienekonzepte mit am besten umsetzen.

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Abstandsregeln könnten zum Beispiel eingehalten werden, indem Säle nicht voll besetzt würden. Im Kassenbereich könnten Markierungen und Schutzwände helfen, schlugen AG Kino und HDF Kino vor. Tickets könnten verstärkt online verkauft werden und Besucher den Saal am Ende über Notausgänge verlassen.

„Wir sind systemrelevant“

Bundesweit sind Kinos seit mehreren Wochen geschlossen, um die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus einzudämmen. Verbände haben vor einem Kinosterben gewarnt, sollte der Zustand länger dauern. Seit Längerem fordern sie ein Hilfsprogramm.

Die Marburger Kinobetreiberin Marion Closmann betonte gestern gegenüber der OP: „Wir sind systemrelevant. Wenn die Kinos pleite gehen, ist die ganze deutsche Filmbranche im Eimer.“ Wenn Kinos verschwänden, gehe „ein großer kultureller Wert verloren“. Insbesondere in ländlichen Regionen seien Kinos auch ein „Sammelpunkt für kulturelle Angebote“.

Closmann: koordiniert wieder öffnen

Die AG Kino, die die deutschen Programmkinos vertritt, forderte neben Soforthilfen einen Fahrplan zur Wiedereröffnung - „mit dem Ziel, dass Kinos spätestens im Juli“ wieder aufmachen könnten. Außerdem brauche die Kinobranche finanzielle Starthilfe für die Phase der Wiedereröffnung mit begrenzten Kapazitäten.

Auch Marion Closmann fordert einen abgestimmten Fahrplan zur Wiedereröffnung der Kinos. „Für die Kinos ist es ganz wichtig, dass wir koordiniert wieder öffnen können. Wir sind davon abhängig, dass uns die Verleiher attraktive Filme zur Verfügung stellen. Das geht nicht, wenn in jedem Landkreis Kinos nach und nach öffnen.“

„Einige Kinos werden es nicht schaffen“

Es gebe inzwischen positive Signale auch von großen US-amerikanischen Filmverleihern, dass sie sich vorstellen könnten, dass ihre Filme unabhängig von der Situation in anderen Ländern in Deutschland starten könnten. Normalerweise werden große Filme weltweit gestartet.

Auch der Kinounternehmer Hans-Joachim Flebbe befürchtet langfristige negative Auswirkungen der Coronakrise auf die Filmtheater in Deutschland. „Einige Kinos werden es nicht schaffen, und die kleineren wird es eher treffen“, sagte der 68-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Flebbe betreibt unter anderem den Berliner Zoo Palast sowie Premium-Kinos in Hannover, Hamburg, München, Köln und Frankfurt am Main.

Ausfall: 17 Millionen Euro pro Woche

„Es gibt null Einnahmen, wir sind total lahmgelegt“, sagte der Gründer der Cinemaxx-Kette, aus der er vor gut zehn Jahren ausstieg. Sein Unternehmen mit Sitz in Hamburg mache derzeit zwei Millionen Euro Verlust im Monat.

Nach Angaben des Branchenverbandes HDF Kino belaufen sich die Ertragsverluste in den deutschen Filmtheatern während der durch das Coronavirus bedingten Schließungen auf 17 Millionen Euro pro Woche. „Die Kosten laufen weiter bei null Umsätzen“, sagt auch Marion Closmann.

Die Marburgerin betonte: Die Kinobranche habe im Jahr 2020 mit 110 Millionen Besuchern kalkuliert. Am Ende würden es vielleicht 40 Millionen werden. „Da stellt sich die Frage: Wer überlebt?“

Von unserer Agentur und Uwe Badouin

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