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Marburg Kinderärzte stehen in den Startlöchern
Marburg Kinderärzte stehen in den Startlöchern
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14:00 14.12.2021
Ein Kinderarzt impft ein 7-jähriges Mädchen gegen das Covid-19-Virus. Die U-12-Impfungen gehen nun bundesweit langsam los.
Ein Kinderarzt impft ein 7-jähriges Mädchen gegen das Covid-19-Virus. Die U-12-Impfungen gehen nun bundesweit langsam los. Quelle: Foto: Jan Woitas/dpa
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Marburg

Die Kinderimpfungen mit einem Corona-Impfstoff ab fünf Jahren laufen ab dieser Woche bundesweit an – auch Kinderärzte im Landkreis stehen in den Startlöchern. Akut bremst weniger der Zeitfaktor als vielmehr die verfügbare Impfstoffmenge den zügigen Impf-Start.

Seit Donnerstag empfiehlt die ständige Impfkommission (Stiko) die Impfung von Kindern zwischen fünf und elf Jahren mit Vorerkrankungen. Das richtet sich vor allem an chronisch kranke Kinder mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf. Zudem an Kinder, in deren Umfeld sich ungeschützte Kontaktpersonen mit hohem Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf befinden. Darüber hinaus können auch Kinder ohne Vorerkrankungen gegen Corona geimpft werden, wenn das Kinder und Eltern/Sorgeberechtigte wünschen und im Vorfeld eine ärztliche Aufklärung stattgefunden hat.

Die Kinderärzte im Kreis sind auf die jungen Impflinge und einen erhöhten Aufklärungsbedarf vorbereitet, sagt Dr. Fikret Yüzgülen vom Vorstand der Ärztegenossenschaft „Prima“ und Obmann der Kinderärzte im Landkreis. Bisher seien alle rund zwei Dutzend Praxen dabei, er wisse von keiner Kollegin oder keinem Kollegen, die oder der sich nicht an den Kinderimpfungen beteiligen will. Die Kinderärzte begrüßen den Schritt der Stiko, auch wenn das für die bereits ausgelasteten Praxen einen weiteren Mehraufwand bedeute. Die Impfungen von Kindern, die zudem oft Angst vor der Nadel haben, seien nicht eins zu eins vergleichbar mit denen von Jugendlichen und Erwachsenen und erforderten einen sensiblen Umgang. Auch die Gespräche mit den Eltern kosten deutlich mehr Zeit.

„Die Eltern sind vorsichtiger und fragen schon seit Wochen nach, der Aufklärungsbedarf ist hier viel höher, denn sie entscheiden ja nicht für sich selber, sondern für andere“, weiß der Mediziner. Da gehe es unter anderem um die Themen Sicherheit. Yüzgülen stellt klar: „Der Impfstoff wirkt und ist sicher.“

Ärzte warten auf Kinder-Impfstoff

Viele fragten sich auch, wie sinnvoll die Impfung ab fünf Jahren sei, da Kinder kaum schwer an Corona erkranken und in der Regel keine Symptome haben. Dennoch gibt es auch unter jungen Patienten schwere Fälle, auch hier gehe es um mehr Sicherheit wie um den Schutz aller. Auch sich hartnäckig haltende Gerüchte landen immer wieder im Aufklärungsgespräch, etwa, dass die Impfung angeblich unfruchtbar machen könne. Der Mediziner betont dazu: „Es gibt keinen einzigen Fall, der Hinweise auf Unfruchtbarkeit durch die Impfung gibt – das gilt auch für Krebserkrankungen.“ Die Resonanz für den Start der Kinderimpfungen sei bei Eltern in der Regel positiv, „natürlich werden wir die Leute aber nicht zur Impfung drängen, aber alle werden ein Angebot erhalten“, verspricht Yüzgülen. Dabei werde es aber wohl zu Wartezeiten kommen, denn es mangelt derzeit noch an ausreichendem Impfstoff, „der Flaschenhals ist im Moment die Lieferung, weniger die Terminlage“.

Der Bund sagt ab dieser Woche umfangreiche Impfstoff-Lieferungen zu. Die Arztpraxen bestellen über die Apotheken, laut Apothekern sei das Kinder-Vakzin, das verdünnt und in eigenen Phiolen abgefüllt wird, nun unbegrenzt bestellbar – andere Lieferungen, etwa für Jugendliche, sind weiterhin reglementiert, berichtet Yüzgülen. Noch sei aber nicht genau absehbar, wann welche Kinderarztpraxis mit den Impfungen starten kann, er geht bei seiner eigenen von kommender Woche aus.

Die Dosis besteht aus etwa einem Drittel des Impfstoffs für Erwachsene, bislang für Kinder ausschließlich zugelassen ist das Vakzin Comirnaty von Biontech/Pfizer. Die Grundimmunisierung besteht aus der ersten Spritze und einer weiteren nach vier Wochen – eine Stiko-Empfehlung für eine Auffrischungsimpfung für Kinder oder Jugendliche gibt es noch nicht. Mögliche Nebenwirkungen sind wie auch bei anderen Impfungen Schmerzen, Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle, eventuell Mattigkeit oder vorübergehendes Fieber. Impfreaktionen wie Schüttelfrost sollen bei Kindern seltener auftreten als bei Erwachsenen.

Das Thema Kinderimpfung beschäftigt auch das Gesundheitsamt mit seinen mobilen Impfteams. Wie der Landkreis mitteilt, sind mögliche Impfaktionen für Kinder derzeit im Gespräch und in Vorbereitung, konkrete Aussagen können auch hier mangels ausreichendem Impfstoff noch nicht getroffen werden.

Von Ina Tannert