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Marburg Durch Teamwork ans Ziel
Marburg Durch Teamwork ans Ziel
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09:58 18.09.2021
Die Bedienung des Vollernters bedarf der Zusammenarbeit aller.
Die Bedienung des Vollernters bedarf der Zusammenarbeit aller. Quelle: Yann Ruppersberg
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Seelbach

Gemeinsam auf den orange überdeckten Anhänger des Vollernters aufsteigen, in die Träger einhängen, die während der holprigen Fahrt über den Acker die nötige Standfestigkeit bieten, dann die geernteten Kartoffeln, die mit dem Unkraut über das mittige Laufband geschickt werden, rausfischen und in den Kisten ansammeln. Eine Aufgabe, die Abstimmung und Koordination zwischen allen Beteiligten erfordert und sich so als optimale Teambuilding-Maßnahme herausstellt.

Dieser Herausforderung stellten sich Kinder der Julie-Spannagel-Schule in Zusammenarbeit mit dem Hof der Ziegenkäserei in Seelbach. In den Augen der Schulsozialarbeiterin Tine Kaletsch habe sich diese Möglichkeit für die Kinder angeboten. „Auf der Schule kommen Kinder mit unterschiedlichstem Förderbedarf zusammen, die meistens auch auf anderen Schulen waren und oftmals schlechte Erfahrungen gemacht haben.“ Zu den Förderschwerpunkten gehören emotionale und soziale Entwicklung, die insbesondere durch Aktivierung der Kinder und das Arbeiten in Gruppen gelingen soll.

Vermittlung einer reale Wahrnehmungen

Dass dieses Vorhaben nicht immer einfach umzusetzen ist, bestätigt Klassenlehrer Andreas Hofmann: „Es ist wichtig, den Kindern zu vermitteln, dass sie reale Wahrnehmungen haben, die sich aber in vielen Fällen nicht mit den Wahrnehmungen ihrer Umwelt decken. Das geht nur, wenn ich sie als Mensch wertschätze und erkenne, aber sie sich vor allem auch erstmal selbst.“

Kartoffelernte in Lohra-Seelbach Quelle: Yann Ruppersberg

Solche Aktionstage, die gemeinsames Handeln erfordern und durch die der Leistungsdruck entfällt, sollen dabei helfen. „Aus meiner Sicht ist Schule in erster Linie ein sozialer Ort. Das ist das, was die Kinder vor allem lernen müssen, um im Leben klarzukommen. Soziale Kompetenzen, das Miteinander, eine Strukturierung der eigenen Taten vorzunehmen und das in eine Gruppe wieder einzubringen“, ergänzt Kaletsch.

Teamwork ist entscheidend

Für die neun Kinder ging es bei dem Schülertag in erster Linie um Teamwork, allerdings auch um den Bezug zur Umwelt und der regionalen Lebensmittelherstellung. Nach einem kurzen Fußweg von dem Mischbetrieb von Claudia Smolka und Manuel Schwenzfeier ging es auf den Kartoffelacker. Dort angekommen erfolgte eine Einteilung in zwei Gruppen, da nicht alle zeitgleich den Traktoranhänger mit dem Vollernter besteigen konnten.

Kartoffelernte in Lohra-Seelbach Quelle: Yann Ruppersberg

Alle Schülerinnen und Schüler, die nicht an der Kartoffelernte beteiligt waren, machten sich mithilfe eines Spiels, das Claudia Smolka vorbereitet hatte, Eindrücke von der Natur um sie herum. „Was wir hier an Impulsen mitnehmen, wird im Unterricht aufgegriffen: Themen wie die Erhaltung der Natur, wo unser Essen überhaupt herkommt und wie wir auf unsere Umwelt einwirken“, schildert Kaletsch.

Einfluss auf den Rest der Welt

Themen, die auch ganz im Interesse der Hofbesitzer Smolka und Schwenzfeier sind. „Es geht darum, dass wir uns bewusst machen, dass wir mit unserem Handeln vor Ort Einfluss haben auf den Rest der Welt. Ich finde, dass wir schon darauf achten sollten, die Dinge zu nutzen, die wir hier haben, damit wir nicht anderen Menschen ihre Lebensgrundlage wegnehmen“, betont Smolka, während Schwenzfeier ergänzt: „Es herrscht ein Mangel an Betrieben, die für ihren Grund produzieren. Davon würden wir uns mehr wünschen.“

Kartoffelernte in Lohra-Seelbach Quelle: Yann Ruppersberg

Auch damit dieser Wunsch in Erfüllung geht, geht der Betrieb die Kooperation mit der Julie-Spannagel-Schule ein. „Die Schüler können im Laufe des Jahres in alle Bereiche reingucken, je nachdem, was gerade ansteht“, sagt Smolka. So bot sich die Kartoffelernte an, ansonsten sei beispielsweise auch schon die Käseherstellung geplant.

Das gute Verhältnis habe sich im Laufe der Zeit zur Schule aufgebaut. „Die kommen jetzt seit ungefähr zwei Jahren regelmäßig hier hin. Man merkt ganz stark, dass das was bei den Schülern bewirkt. Das kommt durch diese sinnlichen Erfahrungen, weil die Kinder hier selber anpacken dürfen. Das ist viel mehr Wert als alle kognitiven Lernerfahrungen, wenn man selbst ins Handeln kommt“, meint Smolka.

Von Yann Ruppersberg

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