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Marburg Kleine Lichtblicke am Arbeitsmarkt
Marburg Kleine Lichtblicke am Arbeitsmarkt
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15:55 01.10.2020
Die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis ist binnen Jahresfrist um fast 25 Prozent angestiegen. Quelle: Sonja Wurtscheid/dpa
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Marburg

Die Corona-Pandemie hinterlässt weiterhin ihre Spuren auch auf dem heimischen Arbeitsmarkt: 6 052 Menschen waren im September arbeitslos gemeldet – 1 205 oder knapp ein Viertel mehr, als noch im Jahr zuvor. Doch trotz dieser Zahlen sagt Volker Breustedt, Leiter der Marburger Arbeitsagentur: „Auf dem Arbeitsmarkt geht noch was“ – denn: „Die übliche Saisonbelebung wird durch Corona nicht komplett überdeckt, denn im Vergleich zum Vormonat haben sich 375 Menschen aus der Arbeitslosigkeit abgemeldet.“ Ja, das sei weniger, als um diese Jahreszeit üblich. „Aber es ist zumindest ein leichter Lichtstreif am Horizont“, sagt Breustedt.

Die Arbeitslosenquote stieg im Vergleich zum Vorjahr um 0,9 Zähler auf 4,5 Prozent. Am stärksten ist die Zahl der Arbeitslosen im Hinterland gestiegen – mit einem Zuwachs von 32,6 Prozent auf 1 388 Menschen ohne Arbeit. Im Ostkreis stieg die Zahl auf 1 317 Arbeitslose – ein Plus von 17,5 Prozent. Und in Marburg waren 3 347 Menschen arbeitslos gemeldet, was ein Plus von 24,9 Prozent entspricht.

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Vor allem in den Produktionsbetrieben laufe das Geschäft noch nicht wieder richtig rund, und auch die Automotive-Krise gebe es weiterhin. „Daher ist der Markt in diesen Bereichen in der Aufnahmefähigkeit sehr begrenzt“, erläutert der Agentur-Chef.

Vor allem bei den Arbeitslosen, für die die Arbeitsagentur zuständig ist (Rechtskreis SGB III) gab es einen immensen Anstieg – um 1 016 Personen oder 55,2 Prozent auf 2 857 Arbeitslose. Entsprechend hoch liege mit 2 763 die Zahl der Empfänger von Arbeitslosengeld I – ebenfalls ein Anstieg um gut 50 Prozent. Laut Breustedt sei es gut, dass der Anspruch auf Arbeitslosengeld um drei Monate verlängert worden sei, „das hilft dem ein- oder anderen, dass er nicht sofort eine – wenn auch eingeschränkte – Bedürftigkeitsprüfung über sich ergehen lassen muss“.

Zahl der Betriebe in Kurzarbeit leicht rückläufig

Die gestiegenen Zahlen stellen auch die Arbeitsagenturen vor Herausforderungen, denn sie müsse nicht nur die zusätzlichen Arbeitslosen betreuen. Viel Personal sei auch mit der Auszahlung von Kurzarbeitergeld beschäftigt.

Die Zahl der Kurzarbeit sinkt übrigens auch schon wieder langsam: Im September zeigten 15 Betriebe Kurzarbeit für 159 Mitarbeiter an. Für den Landkreis insgesamt liegen seit Beginn der Corona-Krise 2 061 Kurzarbeit-Anzeigen von Betrieben vor – mit potenziell 25 166 betroffenen Arbeitnehmern, die in Kurzarbeit gegangen sind.

Im April habe es 1 396 Betriebe in Kurzarbeit gegeben. „Im Mai waren es noch 1 160“, sagt Breustedt – 13 613 Menschen seien davon betroffen. Das waren im April noch 14 068. „Wir hoffen, dass diese Tendenz in den kommenden Wochen mindestens so hält.“

1 090 Personen meldeten sich neu arbeitslos, 168 oder 13,4 Prozent weniger als vor einem Jahr und 138 oder rund 11 Prozent weniger als im August. 1 459 Personen meldeten sich aus der Arbeitslosigkeit ab, das waren 153 oder knapp 10 Prozent weniger als vor einem Jahr. Im Vergleich zum August waren es 312 Personen oder 27,2 Prozent mehr.

Im September wurden der Arbeitsagentur 437 neue Stellen gemeldet, das waren 262 oder 37,5 Prozent weniger als vor einem Jahr – gegenüber August aber immerhin 72 oder rund 20 Prozent mehr. „Würde auf dem Markt nichts mehr gehen, kämen auch keine neuen Stellen herein“, kommentiert Breustedt.

Zachow sieht „leichte Konjunkturerholung“

Und der Ausblick? „Bei einem gleichbleibenden Infektionsverlauf werden wir auf dem Arbeitsmarkt zwar heftige Einschläge haben – aber keine absolute Katastrophe“, so Breustedt. „Alles hängt davon ab, ob die Leute Maske tragen und Abstand halten oder nicht.“

Die Zahl der Arbeitslosen in der Zuständigkeit des Kreisjobcenters (KJC) des Landkreises ist im Vergleich zum Vormonat leicht gesunken: 3 195 erwerbsfähige Leistungsberechtigte waren arbeitslos – ein Minus von 168 Personen oder 5,0 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl der Arbeitslosen jedoch um 189 Personen oder 6,3 Prozent angestiegen. Die Quote der arbeitslosen Grundsicherungsempfänger an den zivilen Erwerbspersonen liegt aktuell bei 2,4 Prozent. Im Vorjahresmonat lag die Quote bei 2,2 Prozent.

„Nach dem Schlag der vergangenen Monate zeichnet sich wieder eine leichte Konjunkturerholung ab“, so der Erste Kreisbeigeordnete und zuständige Sozialdezernent Marian Zachow. Der Weg zurück zur Normalität sei nach Auffassung von Zachow aber noch weit: „Die von der Bundesregierung beschlossene Verlängerung des Kurzarbeitergeldes auf insgesamt zwei Jahre ist ein wichtiges Signal für unsere von der Corona-Krise angeschlagenen Betriebe“, betont er. Kurzarbeit halte die Belegschaften zusammen und ermögliche bei einem nachhaltigen Aufschwung einen kraftvollen Start.

Im Vergleich zum Vormonat sank die Zahl der Bedarfsgemeinschaften um 179 oder 2,8 Prozent auf 6 126. Verglichen mit dem Vorjahresmonat bedeutet dies einen Rückgang um 113 oder 1,8 Prozent.

Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten hat sich im Vergleich zum Vormonat um 247 oder 2,9 Prozent auf 8 161 Personen reduziert. Im langfristigen Vergleich liegt die Zahl um 2,4 Prozent unter dem Wert des Vorjahres.

von Andreas Schmidt

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