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Marburg Kaum Corona-Gefahr durch Sport im Freien
Marburg Kaum Corona-Gefahr durch Sport im Freien
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21:48 07.05.2021
Dr. Gerhard Scheuch ist einer der führenden Aerosol-Experten Deutschlands. Er entwickelt ein Gerät, das Corona-Superspreader erkennt.
Dr. Gerhard Scheuch ist einer der führenden Aerosol-Experten Deutschlands. Er entwickelt ein Gerät, das Corona-Superspreader erkennt. Quelle: Nadine Weigel
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Gemünden

Der Bio-Physiker Gerhard Scheuch ist ein weithin anerkannter Aerosolforscher. Seine Meinung wird in der aktuellen Corona-Epidemie stark nachgefragt. Inzwischen hat er aus Facebook ein Podcast eingerichtet, in dem er über die Infizierung mit dem Corona-Virus per Aerosolen informiert, weil er seine Sicht der Dinge in den Handlungsweisen der politisch Verantwortlichen nicht genügend berücksichtigt sieht.

„Im Augenblick werden die Erkenntnisse der Aerolsolforschung zwar wahrgenommen“ sagt Dr. Scheuch auf Nachfrage dieser Zeitung, „aber die Handlungen gehen an den wissenschaftlichen Erkenntnissen vorbei.“ Es sei erwiesen, dass die große Mehrzahl der Infizierung mit dem Corona-Virus in geschlossenen Räumen und nicht unter freiem Himmel stattfinde.

Das bestätigten auch die Ergebnisse einer Studie in Irland. Laut einem Bericht der Irish Times waren bei 232.000 Infektionsfällen nur 260 im Freien aufgetreten. „Wenn man der weiteren Verbreitung des Virus gegensteuern will, muss man sich auf die Innenräume konzentrieren“, betont der Experte.

Lüftungsmöglichkeiten schaffen

Im Hinblick auf sportliche Aktivitäten hält er eine entsprechende Betätigung im Freien für ziemlich unbedenklich. „Man sollte die Menschen unbedingt motivieren, an die frische Luft zu gehen. Wandern etwa ist eine der Aktionen, bei der kaum etwas passieren kann, sofern man ein paar Regeln beachtet.“

So rät Dr. Scheuch dringend, von Feiern in geschlossenen Räumen im Anschluss an eine Wanderung abzusehen. „Es spricht aber nichts dagegen, sich im Freien mit gebührendem Abstand eine Stunde auf ein Getränk zusammenzusetzen.“

Überhaupt sieht der Wissenschaftler in Open-Air-Veranstaltungen weniger Probleme. Diese treten nach seiner Ansicht eher während der jeweiligen Anreise mit Bussen, Autos oder Bahn, auf den Toiletten oder in sogenannten VIP-Bereichen auf. Dort mangele es an ausreichender Lüftung und Hygienemaßnahmen (z.B. Tragen von Masken). Dr. Scheuch hält Fußball im Freien für unbedenklich. Ansteckungen durch Kontakte schließt er aus, und die Aerosole verflüchtigen sich laut Scheuch an der frischen Luft so schnell, dass eine hohe Konzentration, die eine Infizierung bewirken könnte, erst gar nicht entstehe.

Eine Altersbegrenzung für den Sport im Freien hält er für unsinnig, weil eben dort so gut wie keine Ansteckungen erfolgten. Selbst Sport in größeren Hallen könne ausgeübt werden, wenn nicht zu viele Menschen darin versammelt seien. Es komme auf die Lüftung an. Messungen des Kohlendioxidwertes (CO2) seien problemlos zu bewerkstelligen. Bei zu hoher CO2-Konzentration müsse gehandelt werden.

Solange der Wert stabil bleibe, sei der Sport in der Halle unbedenklich. Allgemein sollte sich alle Beteiligten darüber klar werden, wo eine hohe Konzentration von Aerosolen auftreten könne. Dort müssten ausreichende Lüftungsmöglichkeiten geschaffen werden. Dr. Scheuch, der als selbstständiger Forscher in der Beratung von Firmen tätig ist und die Geschäfte der Firma Bio-Inhalation in Gemünden führt, räumt ein, dass in der Öffentlichkeit und gar bei etlichen Wissenschaftlern das Verständnis von der Aerosolübertragung kaum oder gar nicht vorhanden sei.

In einem regelmäßigen Podcast auf der Plattform Facebook versucht er, in die Problematik des Themas einzuführen. Gleichwohl rechnet Dr. Scheuch damit, „dass wir mit dem Virus leben müssen, aber wir können damit leben“.

Von Bodo Ganswindt

06.05.2021
06.05.2021