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Marburg Keine „Ärzteflucht“ am UKGM
Marburg Keine „Ärzteflucht“ am UKGM
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16:00 20.01.2022
Laut Marburger Bund haben Kliniken in Hessen in der Pandemie Arztstellen abgebaut.
Laut Marburger Bund haben Kliniken in Hessen in der Pandemie Arztstellen abgebaut. Quelle: Foto: Patrick Seeger
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Frankfurt

Der Marburger Bund (MB) hat eine Umfrage vorgenommen, an der sich nach eigenen Angaben etwas mehr als 1 000 hessische Krankenhausärztinnen und -ärzte beteiligt haben. Ungefähr die Hälfte der Befragten habe angegeben, dass im vergangenen Jahr an ihrer Klinik Stellen abgebaut wurden oder dies angekündigt sei. Überwiegend würden offene Stellen nicht wieder besetzt. Als Folge habe sich die enorme Arbeitsbelastung weiter erhöht. Rund 80 Prozent der Befragten halten demnach die ärztliche Personalausstattung für nicht ausreichend, um eine gute Patientenversorgung zu gewährleisten.

Schon jetzt würden laut Marburger Bund sowohl Patienten als auch Ärzte beklagen, dass zu wenig Zeit für die individuelle Behandlung und Betreuung zu Verfügung stehe. Mit Stellenabbau und unattraktiven Arbeitsbedingungen würden Hessens Krankenhäuser im ärztlichen Bereich demnach die Fehler wiederholen, die zum aktuellen Pflegemangel geführt hätten. So planen mehr als 36 Prozent der Befragten die sogenannte Flucht in die Teilzeit, 33 Prozent planen sogar, den Arbeitsplatz Krankenhaus ganz zu verlassen – und zwar hauptsächlich wegen zu hoher Arbeitsbelastung.

Wirtschaftliche Situation im Vordergrund

„Das sind für uns alarmierende Zahlen, denn der Stellenabbau und die Flucht der Ärztinnen und Ärzte aus dem Krankenhaus bedrohen nicht nur akut, sondern auch langfristig die Patientenversorgung“, sagt Dr. Christian Schwark, Landesverbandsvorsitzender des MB Hessen. Hessens Krankenhäuser kämen bei ihren Ärzten aber nicht nur deshalb schlecht weg. Denn laut MB gab der weit überwiegende Teil der Befragten an, dass ihre Krankenhausleitung am meisten Wert auf die wirtschaftliche Situation des Krankenhauses lege – nur rund 16 Prozent sehen dies bei der guten medizinischen Versorgung der Patienten. Und lediglich fünf Prozent seien der Meinung, dass sich ihre Krankenhausleitung ausreichend um die Attraktivität des ärztlichen Arbeitsplatzes im Krankenhaus bemühe.

Gibt es auch am UKGM eine „Ärzteflucht“? Dazu erläutert Pressesprecher Frank Steibli, dass im Zeitraum 12/2019 zu 12/2021 an beiden Standorten insgesamt vier Stellen im ärztlichen Dienst aufgebaut worden seien – von 1 374 Vollkräften im Dezember 2019 zu 1 378 Vollkräften im Dezember 2021. „Diese Zahlen enthalten keine angerechneten Arbeitszeiten aus Bereitschaftsdiensten und entsprechen damit der Struktur der auf unserer Homepage seit Jahren veröffentlichten Daten“, so Steibli.

Von Andreas Schmidt

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