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Marburg Neun Autos droht die Stilllegung
Marburg Neun Autos droht die Stilllegung
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18:06 19.06.2018
AdBlue-Technik macht Diesel sauberer. Ältere Modelle sollten damit nachgerüstet werden, fordert der ADAC. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

In München und Hamburg ist es schon passiert: Die Behörden zogen Diesel-Autos aus dem Verkehr, die mit einer verbotenen Abschalteinrichtung für die Abgasreinigung unterwegs waren. Die Halter hatten jeweils 18 Monate Zeit, ihre Autos in die Werkstatt zu bringen und dort umrüsten zu lassen, wobei Start und Ende der Frist von Modell zu Modell variieren.

Wie der Kreis auf OP-Nachfrage mitteilt, haben sich im Landkreis 35 Dieselfahrer der verbindlichen Rückrufaktion verweigert. Es geht um Halter von VW- und Audi-Modellen, die zwischen 2009 und 2014 gebaut worden sind. Das Kraftfahrt-Bundesamt hatte die Daten der säumigen Dieselbesitzer an die Kfz-Zulassungsstelle weitergeleitet, die die Betreffenden per Post zum Umrüsten aufforderte und ihnen eine letzte Frist von vier Wochen gewährte.

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26 der 35 Dieselfahrer haben laut Kreis inzwischen die geforderten Updates aufspielen lassen. Zwei haben gegen den Bescheid Klage eingereicht. Sieben haben noch gar nicht reagiert. Ihnen bleiben nur noch wenige Tage. Die letzte Frist endet am 4. Juli. Dann heißt es: kein Update, keine Fahrerlaubnis.

15 000 Besitzer haben Frist verstreichen lassen

Konkret werden die Halter dann aufgefordert, die Zulassungsplakette von ihrem Nummernschild zu kratzen. Wer das versäumt, bekommt Besuch von Mitarbeitern des Kreises.

Deutschlandweit haben laut Bundesverkehrsministerium rund 15 000 Besitzer von VW- und Audi-Dieseln die 18-Monats-Frist verstreichen lassen. Das sind weniger als ein Prozent der insgesamt 2,46 Millionen Autos mit illegaler Motor-Software, die zum Nachrüsten verpflichtet sind.

Der Autofahrerclub ADAC rät Dieselfahrern grundsätzlich zum Software-Update. Einerseits, um zu verhindern, dass das Auto stillgelegt wird. Andererseits, weil Tests gezeigt hätten, dass die Updates die Abgaswerte wirksam verbesserten, wie ADAC-Sprecher Christian Buric erläutert. „Die umgerüsteten Autos stoßen deutlich weniger Stickoxide aus“, sagt er.

Noch besser für die Umwelt wäre es aus Sicht des ADAC gleichwohl, die Hardware der betroffenen Autos nachzurüsten, also nachträglich moderne Stickoxid-Katalysatoren einzubauen. Laut Buric fordert der ADAC, dass die Autokonzerne die Kosten dafür übernehmen. „Aber letztlich ist das eine politische Entscheidung“, sagt er.

ADAC: Fahrer befürchten höheren Spritverbrauch

Bleibt die Frage, warum einige Dieselfahrer zögern, ihre Autos fürs Software-Update in die Werkstatt zu bringen? Über die Gründe kann Buric nur spekulieren. Einige Fahrzeughalter befürchteten, dass der Motor anschließend schlechter läuft und mehr Sprit verbraucht, sagt er. Andere rechneten wohl mit technischen Schwierigkeiten. Wieder andere wollten ihre Fahrzeuge nicht verändern, um mögliche Ansprüche auf Schadenersatz nicht zu verlieren.

Zumindest einen Teil der Befürchtungen in Bezug auf das Software-Update will der ADAC entkräften. Bei Vorher-Nachher-Tests hat der Verein nach eigenen Angaben keine relevanten Änderungen bei Leistung oder Verbrauch entdeckt. „Aber wir haben nicht alle Modelle getestet“, schränkt Buric ein. Und langfristige Schäden durch das Update könnten zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ausgeschlossen werden.

von Friederike Heitz