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Marburg Gründer-Paar erfüllt sich Traum
Marburg Gründer-Paar erfüllt sich Traum
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19:00 11.08.2019
Die Geschäftsführer Sascha Fritz (von links) und Sonja Krause sowie Mitarbeiter Martin Kroek sind mit den ersten Tagen von „Kauf‘s lose“ zufrieden. Quelle: Tobias Kunz
Marburg

Sonja Krause ist stolz. „Wir haben den Kampf gegen die Bausubstanz gewonnen“, sagt sie. Gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Sascha Fritz hat sie an der Ecke Biegenstraße/Savignystraße am vergangenen Samstag, 3. August, „Kauf‘s lose“, Marburgs zweiten Unverpackt-Laden, eröffnet. Eigentlich hatten die beiden gehofft, ihr Geschäft schon etwas früher zu starten. Letztlich kam es zu einer kleinen Verspätung, auch weil die beiden Geschäftsführer fast alles selbst gemacht haben: von Holzarbeiten übers Verputzen bis hin zur Elektrik. Nur den Fußboden hat eine Firma gelegt, sagt Sascha Fritz.

Den Entschluss, einen gemeinsamen Unverpackt-Laden zu gründen, hat das Paar Anfang 2018 gefasst. Im Jahr zuvor haben sie während eines Urlaubs in der Schweiz das erste Mal von dem Konzept gehört. Im Winterthurner Unverpackt-Laden „bare Ware“ hatte man ihnen ein Kilo Zimt geschenkt, da das Haltbarkeitsdatum abgelaufen war. Das Gewürz gehörte zu den Produkten, die sie schon immer ohne Verpackung gesucht hatten, erzählen sie.

Danach entschieden sich die beiden dazu, ein eigenes Geschäft zu eröffnen, auch weil es den nächsten Unverpackt-Laden zu der Zeit erst in Frankfurt gab, sagt Fritz. Bis vor acht Wochen wohnte das Paar noch in Butzbach. Nun sind Sascha Fritz und Sonja Krause nach Marburg gezogen. Das Klima in der Stadt habe ihnen immer gut gefallen, sagt Krause.

Laden soll zu einem "Ort der Begegnung" werden

Beide sind Quereinsteiger, haben aber auch schon Erfahrungen im Einzelhandel gesammelt. Sascha Fritz arbeitete zuletzt als IT-Kaufmann, Sonja Krause ist gelernte Erzieherin. Ein Unverpackt-Laden habe in Marburg noch gefehlt, sagen die Gründer. Um sich ihren Traum zu erfüllen, starteten sie eine Crowdfunding-Kampagne, bei der etwa 500 Unterstützer rund 29.000 Euro spendeten.

Dass sie mittlerweile nicht mehr der erste Unverpackt-Laden in der Universitätsstadt sind, stört die Inhaber nicht. „Ich denke, dass die Läden auch nebeneinander funktionieren können“, sagt Sascha Fritz hinsichtlich des alternativen Supermarkts „Mudda Natur“. Der Unverpackt-Laden, der vor wenigen Wochen im Steinweg eröffnet hat, ist zwar nicht einmal 500 Meter Luftlinie entfernt, aber dennoch „räumlich getrennt“ von „Kauf‘s lose“, sagt Fritz.

Die Gründer wollen auch Kunden ansprechen, die mit dem Auto kommen oder körperlich beeinträchtigt sind. Deshalb soll vor die Eingangstür noch eine Rampe für Rollstuhlfahrer kommen, sagt Krause. Auch im Geschäft will sich das Paar nach den Wünschen seiner Kunden richten. In ihrem Laden gibt es zwar schon eine große Auswahl vom Müsli bis zum Waschmittel.

Das Sortiment wollen die Inhaber aber noch erweitern. Kunden können ihre Wünsche dazu auf eine Tafel schreiben. Zudem soll ihr Unverpackt-Laden ein „Ort der Begegnung“ werden, sagt Krause. Dafür bieten die Inhaber auch frischen Kaffee an. Später sollen Kuchen und Backwaren dazukommen.

Online-Versand soll kommen

Ansonsten ist das Konzept von „Kauf‘s lose“ ähnlich dem anderer Unverpackt-Läden: Kunden bringen ihre eigenen Gefäße mit, in die sie die Ware selbst nach ihrem Geschmack abfüllen können. Ihre Behälter lassen sie vorher und nachher wiegen – die Differenz müssen sie dann bezahlen. Wer sein Gefäß vergisst, kann einfache Papiertüten nehmen oder Gläser nutzen, die andere Kunden gespendet und die Inhaber zur Weitergabe sauber gemacht haben.

Eine größere Besonderheit gibt es aber dennoch: In ein paar Wochen wollen die Gründer noch ihren Online-Versand startklar machen. Dann können Kunden „Zero Waste“-Artikel auch bestellen. Dadurch entsteht zwar Müll, aber immer noch weniger als beim herkömmlichen Verkauf, sagen die Gründer. Jedes Paket sei aus zweiter Hand und vor dem Müll gerettet worden. Der Versand erfolge klimaneutral.

Bis dahin müssen Sonja Krause und Sascha Fritz gemeinsam mit ihrem Mitarbeiter Martin Kroek erst noch den Alltag bewältigen. Die ersten Tage waren „spannend“, sagt Krause. Vor allem am Samstag seien viele Besucher durch den Laden geschlendert. Durch die Aufregung hat das Gründer-Paar aber tagsüber nichts gegessen. Das soll sich mit der Zeit ändern.

von Tobias Kunz