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Marburg Nach neun Jahren wieder vereint
Marburg Nach neun Jahren wieder vereint
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10:00 06.01.2022
Endlich wieder zusammen: Lena Schmeltzer und ihre Katze Pebbles.
Endlich wieder zusammen: Lena Schmeltzer und ihre Katze Pebbles. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Mit einem wohligen Schnurren kuschelt sich Pebbles in die Arme ihrer Besitzerin. Ihre Augen sind geschlossen, sie genießt die Streicheleinheiten sichtlich.

Kein Wunder, ganze neun lange Jahre war die weiße Katze mit den grauen Flecken von Lena Schmeltzer getrennt. „Niemals hätte ich gedacht, dass ich sie nochmal wiedersehe“, sagt die 33-jährige Marburgerin und schaut lächelnd ihre lang vermisste Pebbles an.

Es war ein kleines Weihnachtswunder, dass sich vor wenigen Wochen ereignete. „Das Telefon klingelte und jemand sagte mir, dass meine Katze gefunden worden sei“, erinnert sich Lena. „Ich war mega überrascht, konnte es gar nicht glauben.“

Lena macht sich sofort auf den Weg ins Cappeler Tierheim – und tatsächlich: Es ist Pebbles. Nach neun Jahren endlich wieder da. „Unglaublich war das“, lacht Lena und Pebbles schnurrt wie zur Bestätigung.

Sie war in Hermershausen umhergestreunt. Seit Oktober sei sie dort immer wieder aufgefallen. Eine Katzenbesitzerin fütterte die etwas mitgenommene Katze schließlich an und informierte eine bekannte Tierschützerin. Beide wollten mittels Chip-Lesegerät herausfinden, ob die streunende Katze vermisst wird. Das gelang erst, nachdem Pebbles eingefangen und ins Tierheim gebracht wurde. Resultat: Die Katze war registriert und beim Internetregister Tasso gab es eine Suchmeldung, die besagte, dass sie seit neun Jahren vermisst wird.

Als Pebbles 2012 verschwand, wohnte Lena Schmeltzer noch mit einer weiteren Katze in Cappel. Beide Tiere waren Freigänger. Eines Tages kam Pebbles nicht mehr heim. „Das war sehr seltsam, weil sie eigentlich nie weit weggelaufen und meistens nur im Garten herumgestreunt ist“, sagt Lena.

Sie hatte Pebbles von klein auf. Als wenige Wochen altes Kätzchen war sie bei Lena eingezogen. Die beiden waren ein Herz und eine Seele. Als Pebbles 2012 nicht mehr nach Hause zurückkehrte, war deshalb die Verzweiflung groß. Lena verteilte Flyer in Cappel und auch in der Oberstadt, wo sie mit ihren beiden Katzen zuvor gelebt hatte. Sie schaltete Suchmeldungen im Internet. Alles vergeblich. Pebbles blieb verschwunden. Wenige Zeit später kehrte plötzlich auch ihre andere Katze nicht mehr nach Hause zurück.

Pebbles hat sich wieder eingelebt

„Das war schon alles mega seltsam“, erinnert sich Lena. Denn zudem sei auch noch die Katze ihres Bruders, mit dem sie damals zusammen wohnte, vergiftet worden. Vielleicht gab es einen Katzenhasser in der Nachbarschaft? Lena weiß es nicht, wünscht sich aber, ihre Katze könnte ihr berichten, was sie die letzten neun Jahre erlebt hat. „Aber leider können Katzen ja nicht reden“, bedauert sie. Was auch immer die Ursache für diese schrecklichen „Zufälle“ damals war, für die junge Marburgerin war es eine schmerzhafte Zeit.

„Von da an wollte ich keine Katze mehr haben“, sagt die Pädagogin und schaut dabei zu, wie ihre wie durch ein Wunder wieder aufgetauchte Katze mit der Pfote gegen die Leckerli-Schachtel stupst, bis sie vom Sofa auf den Boden fällt. „Und jetzt habe ich sie wieder“, sagt die 33-Jährige lachend.

Sie ist sich auch sicher, dass Pebbles sie wiedererkannt hat. Im Tierheim habe sie die Mitarbeiterinnen angeknurrt, sich ihr aber nach kurzem Beschnuppern genähert und sich streicheln lassen. „Und auch hier in der Wohnung hat sie von Anfang an meine Nähe gesucht, während sie bei meinem Freund sehr zurückhaltend war.“

In den ersten Wochen in ihrem neuen Zuhause im Südviertel hat sich Pebbles nach einer überstandenen Erkältung gut eingelebt. „Sie macht auch nicht den Eindruck, als wolle sie jemals wieder nach draußen“, sagt Lena lachend und streichelt ihrer schnurrenden Katze übers Fell. Wahrscheinlich hat Pebbles erst einmal genug Abenteuer erlebt.

Tipps für den Notfall

Maresi Wagner, Leiterin des Marburger Tierheims, hat solch eine Geschichte wie mit Pebbles noch nicht erlebt. „Wir hatten mal eine Katze, die nach anderthalb Jahren wiedergefunden wurde und das war schon sehr besonders, aber die Rückkehr von Pebbles ist wirklich berührend“, sagt Wagner. Sie hat wichtige Tipps für Katzenbesitzer, deren Tiere plötzlich nicht zurückkehren:

1. Das Allerwichtigste sei generell, die Katze mit einem Chip oder einer Tätowierung registrieren zu lassen. „Dann hat man sehr gute Chancen, informiert zu werden, falls die Katze irgendwo gefunden wird“, betont die Tierheimleiterin.

2. Wenn es sich bei der verschwundenen Katze um einen Freigänger handelt, sei es wichtig, die gesamte „Nachbarschaft zu nerven“, so Wagner. Denn meistens seien Katzen aus Versehen irgendwo in der Nähe eingesperrt, beispielsweise in Kellern oder Abstellkammern. Natürlich sei es wichtig, Zettel und Flyer aufzuhängen, aber vor allem helfe, aktiv das Gespräch zu den Nachbarn zu suchen. „Gerade bei Witterungsveränderungen kommt es immer wieder vor, dass man eigentlich offenstehende Fenster schließt und die Katze dann versehentlich in dem Raum gefangen ist.“

3. Wenn es sich um eine Katze handelt, die aus der Wohnung gehuscht ist oder sich im neuen Zuhause noch nicht so eingelebt hat, helfe es, eine Art Fährte ums Haus zu legen. Das bedeute, zum Beispiel eine Decke auszuschütteln, in der die Katze gern schlafe, oder auch die Katzentoilette rauszustellen. „Am besten das benutzte Streu in verschiedene Schüsseln füllen und ums Haus verteilen“, so Wagner. Katzen empfänden den Geruch als vertraut.

4. Das Lieblingsessen der Katze oder stark riechendes Futter wie Thunfisch vor die Tür stellen, um die Katze anzulocken.

5. Falls die Katze nicht gekennzeichnet ist, rät Wagner, einen Steckbrief mit Foto auszudrucken und aufzuhängen sowie Tierarzt, Tierheim zu informieren und die Vermisstensuche in sozialen Medien zu streuen.

6. Wenn man selbst eine fremde Katze draußen entdeckt, solle man sie erst einmal beobachten und nicht gleich einfangen. „Auch da gilt, erst einmal in der Nachbarschaft zu fragen, ob vielleicht eine neue Katze irgendwo eingezogen ist. Eine wohlgenährte Katze ist meistens jemandem zuzuordnen“, betont Wagner.

Von Nadine Weigel