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Marburg Benzin im Blut
Marburg Benzin im Blut
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07:58 16.10.2020
Bagger, Schlepper, Kart: Für Motorsport-Talent Maxim Blöcher (13) alles kein Problem. Quelle: Foto: Nadine Weigel
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Marburg

Wenn der Motor röhrt, muss er grinsen. Ganz automatisch. Maxim Blöcher hat – wie sagt man so schön – Benzin im Blut. Der 13-Jährige fährt Bagger und Schlepper, als würde er seinen Lebensunterhalt damit verdienen. Er hat die letzten paar Tage 30 Hektar Ackerland gepflügt. Einfach so, um der Familie in der Landwirtschaft zu helfen. Aber eigentlich ist Schlepperfahren ja viel zu langsam für Maxim. Denn eigentlich braust der Cappeler mit 124 km/h über die Kartbahn. „Das ist schon ein gutes Gefühl, wenn man sieht, dass man so schnell ist“, sagt Maxim – und muss wieder grinsen.

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Maxim Blöcher ist ein aufstrebendes Motorsport-Talent. Er fährt in seiner zweiten Saison in der Kart-Rennserie „Rotax Max Challenge“ für den Rennstall „Nees Racing“ aus Alzenau ganz vorne mit. Erst kürzlich konnte er sich über einen tollen zweiten Platz in der diesjährigen Meisterschaftswertung freuen. Sein Ziel: Im nächsten Jahr will er RMC fahren. „Vergleichbar ist das, als würde er dann in der Bundesliga Fußball spielen“, so erklärt sein Vater Markus Blöcher diese Kart-Eingruppierung einem Rennsport-Laien. Maxims Vater ist sehr stolz auf seinen Sohn und unterstützt ihn, wo er kann. Er begleitet ihn durch ganz Deutschland zu den Rennwochenenden, die meist von Freitag bis Sonntag dauern. Angst um seinen Sprössling hat er nicht. „In der ersten Saison hatte man schon ein mulmiges Gefühl, aber mittlerweile weiß er, was er macht und da vertrau ich ihm“, betont Blöcher lächelnd.

Mit sechs Jahren saß Maxim das erste Mal hinter einem Lenkrad. Seither ist seine Begeisterung für den Motorsport ungebrochen. „Früher“ ist der 13-Jährige auch Motocross gefahren. Doch lieber noch als Motorrad ist ihm sein Flitzer mit der Nummer 253, seine Startnummer, die ihm stets viel Glück bringen soll.

Wo das noch hinführen wird, wissen weder Maxim noch sein Vater. Schließlich kommen die besten Formel-1-Fahrer aus dem Kartsport. Michael Schuhmacher, Sebastian Vettel und viele weitere aus dem großen Rennzirkus der Formel 1 haben ihre Karriere im Kartsport begründet. „Das ist ein weiter Weg“, wiegelt Markus Blöcher ab, „wir fahren von Rennen zu Rennen und schauen einfach mal, wie es sich entwickelt.“ Blöchers wissen: Um im Kartsport erfolgreich zu sein, braucht es neben Talent noch einiges mehr. Hinter Maxim steht ein ganzes Team: Sein Trainer Nils Jung war selbst schon Deutscher Meister im Kart und fährt nun PS-starke Boliden beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring. Christian „Chris“ Köller vom Team HPT ist nicht nur Fitnesscoach bei den Marburger Football- sowie Basketballspielern, sondern jetzt auch Maxims Personaltrainer. Mit ihm trainiert Maxim Mobilität, Ausdauer und Neuroathletik. „Kart fahren ist schon anstrengend, wenn es richtig heiß ist und du um die Kurven fährst, voll Grip da ist und man einlenken muss“, weiß der Achtklässler der Gesamtschule Ebsdorfergrund. Er betont: „Kart fahren ist schon richtiger Sport.“

Doch zum Erfolg im Kart-Sport gehört auch Netzwerken und ein gutes Sponsoring. Da hofft Maxim, dass jemand sein Talent erkennt und ihn in den kommenden Jahren auch finanziell fördert. Denn wenn das dann alles stimmt und Maxim richtig Gas gibt, wer weiß, vielleicht kommt dann irgendwann der nächste Formel-1-Weltmeister ja aus Marburg. Zu wünschen wäre es Maxim.

Von Nadine Weigel

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