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Marburg Leni starb an Rechtsherzversagen
Marburg Leni starb an Rechtsherzversagen
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00:17 31.03.2019
Die Angeklagte sitzt neben einem ihrer Verteidiger.  Quelle: Weigel
Marburg

Während der zuerst vernommene, mittlerweile pensionierte Kriminalkommissar nur noch sehr begrenzt Angaben zu seiner Ermittlungstätigkeit machen konnte, lieferte sein 52 Jahre alter Kollege Aussagen zu der Vernehmung des Freundes der Angeklagten.

Diese waren gespannt erwartet worden, weil der Mann, der mittlerweile mit Elena W. verlobt ist, von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht hat.

In seiner polizeilichen Vernehmung habe er gefasst, aber überrascht gewirkt. Er habe ­anscheinend „keine Ahnung“ gehabt, dass so etwas passieren könnte, so der Eindruck des Vernehmungsbeamten. Thema der Vernehmung war vor allem die Arbeit seiner Lebensgefährtin als Kinderkrankenschwester auf der neonatologischen Intensivstation.

Besondere Verantwortung

Der heute 31-Jährige hatte vor drei Jahren ausgesagt, dass Elena W. häufig „besondere Verantwortung“ übernommen habe. Auf der Station sei wohl regelmäßig besprochen worden, wer diese in besonders schwierigen Fällen tragen „müsse“, berichtete der Polizeibeamte aus dem Gedächtnis. Viel Neues ergab sich aus der polizeilichen Vernehmung des Lebensgefährten jedoch nicht.

Ganz anders verhielt es sich da mit den Aussagen der beiden Mediziner. Der am späten Vormittag geladene Kinderkardiologe war zuvor nicht polizeilich vernommen worden und lieferte einige brisante Einblicke in die Vorgänge rund um die kleine Leni.

Der 65-Jährige ist sich ­sicher, dass die Todesursache des im Dezember 2015 ­verstorbenen Frühchens Rechtsherzversagen war. Die Intoxikationen mit den Mitteln Midazolam und Ketamin seien dabei nicht ausschlaggebend gewesen. Diese Entwicklung ist deswegen brisant, weil die Nebenklage zu Beginn des Prozesses eine Anklage wegen Mordes in den Raum gestellt hatte. Leni habe an einer „erheblichen pulmonalen Hypertonie“ gelitten, erklärte der Mediziner im Zeugenstand.

Er untermauerte seine Diagnose mithilfe einer PowerPoint-Präsentation im ­Gerichtssaal, in der er die von ihm angefertigten Ultraschallbilder und Echo­kardio­gramme darlegte. Auch die Krampfanfälle bei dem Frühgeborenen führt der Kardiologe auf den Lungenhochdruck des Kindes zurück.

Neurologische Ursache wahrscheinlicher 

Seine später vernommene Kollegin trat dem entgegen: Sie sah – als behandelnde Ärztin – eine neurologische Ursache als wahrscheinlicher an: „Aus meiner Sicht war es eine klar neurologische Problematik“, ­erklärte die Kinderärztin. Daher habe sie den Kardiologen auch nicht zu Rate gezogen.

Das Vorgehen der Klinik und mögliche Fehler in der Behandlung von Leni kamen im Laufe der Zeugenaussage noch mehrmals zur Sprache.

Der Kardiologe hatte den behandelnden Ärzten vorgeworfen, seine Empfehlung nicht beachtet zu haben.

Bericht folgt

von Melchior Bonacker

   

Hier können Sie die bisherigen Berichte zu den vergangenen Verhandlungstagen im Frühchen-Prozess lesen.

31. Januar 2019: So war der erste Prozesstag.

6. Februar 2019: Am zweiten Prozesstag erklärte ein Gutachter die Wirkung der Medikamente.

7. Februar 2019: Gutachter ringen mit Unklarheiten

9. Februar: Bedrohliche Dosis Narkosemittel in Blutproben der Frühchen

14. Februar: Das sagen die Eltern des toten Frühchens

20. Februar: Mia lag da "wie eine Puppe"

21. Februar: "Als wäre kein Leben in ihr drin“

28. Februar: Kind wirkte wie narkotisiert

1. März: Chefarzt sagt aus: Rätsel um Narkosemittel für Babys

4. März: Angeklagte bricht in Tränen aus

5. März: Pflegedienstleitung sagt aus: "Es hat immer ein bisschen geknirscht"

7. März: Leitende Ermittlerin sagt aus: "DNA der Angeklagten gefunden"

13. März: Erstmals kamen Aussagen der Angeklagten zur Sprache.

15. März: Kooperativ gegenüber Kripo

17. März: Elena W. reagierte mit Tränen auf Haar-Analyse

27. März: Verdacht erhärtet sich