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Marburg Scholz verspricht „mehr Respekt für jede Arbeit“
Marburg Scholz verspricht „mehr Respekt für jede Arbeit“
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23:19 02.09.2021
Nahbar: SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz ließ sich nach seiner Rede von seinen Anhängern feiern.
Nahbar: SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz ließ sich nach seiner Rede von seinen Anhängern feiern. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Rund 1 500 Menschen auf dem Marburger Marktplatz – so voll wie an diesem Abend war er seit Beginn der Corona-Pandemie nicht mehr. Jubelnde SPD-Anhängerinnen und -Anhänger schwenken Parteiflaggen, aber auch Gruppen aus der Corona-Leugner-Szene und dem radikalen linken Spektrum sind gekommen, um die Kundgebung zu stören. Der Grund heißt Olaf Scholz – Kanzlerkandidat der SPD, die in den Wahlumfragen gerade einen Höhenflug erlebt.

Als „zukünftigen Bundeskanzler“ begrüßt ihn sein Parteifreund, Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. Jubel brandet auf – und im Hintergrund Pfiffe. Scholz winkt mit einer Hand präsidial in die Menge. Für den Vizekanzler ist es der Abschluss eines langen, eng getakteten Wahlkampftages, an dem er quer durch Nordhessen gefahren ist. Das merkt man ihm aber nicht an, als er mit einer fast halbstündigen freien Rede die sozialdemokratische Parteiseele streichelt. „Wir werden das wieder hinbekommen“, ruft er den Menschen mit Blick auf die Folgen der Corona-Krise zu. Der Sozialdemokrat, früher für sein Talent zum Herunterrattern von Parteipositionen als „Scholzomat“ verspottet, tritt im Bundestagswahlkampf als Mutmacher auf und schafft es, sein Publikum mitzureißen.

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz spricht in Marburg vor 1.500 Menschen. Quelle: Nadine Weigel

Solidarität, Zusammenhalt, Respekt und eine gute Zukunft – diese Werte stellt Scholz ins Zentrum seiner Rede und verspricht vor allem eine bessere Sozialpolitik. „Dass ein Land wie Deutschland Kinderarmut hat, das können wir uns nicht leisten“, sagt er. Und: „In diesem Land müssen mehr Wohnungen gebaut werden – es gibt zu wenige Wohnungen und sie sind zu teuer!“ Scholz fordert mehr Sozialwohnungen und eine Begrenzung der Mietpreise, einen Mindestlohn von 12 Euro und stabile Renten – und zwar auch für Menschen, die jetzt mit 17 Jahren die Schule verlassen.

Es müsse mehr Tariflöhne geben, zum Beispiel in der Altenpflege. „Wofür ich mich einsetzen werde, ist, dass in der Gesellschaft wieder mehr Respekt herrscht für jede Arbeit und jede Lebensleistung“, verspricht er.

Scholz: Jetzt solltet ihr euch auch impfen lassen

Mit Blick auf den Klimawandel bekräftigt er den Plan der Bundesregierung, bis 2045 die Treibhausgas-Emissionen auf null zu senken. Das sei ein „ehrgeiziges Ziel“, sagt Scholz, schließlich seien 250 Jahre lang Öl, Gas und Kohle verbrannt worden. Von Leugnern des Klimawandels grenzt er sich scharf ab, auch beim Thema Corona lässt er keinen Zweifel über seine Haltung aufkommen: 50 Millionen Menschen in Deutschland seien bereits geimpft, „jetzt solltet ihr euch auch impfen lassen“, ruft er denen zu, die bisher gezögert haben.

Und noch eines stellt der Kanzlerkandidat klar: Steuerentlastungen „für die Leute mit den besten Einkommen“, wie sie laut Scholz Union und FDP planen, „das ist aus der Zeit gefallen, das ist unsolidarisch, das wird es nicht geben“. Die eigene Partei ruft er angesichts der guten Umfragewerte zur Demut auf – Umfragen sind eben kein Wahlergebnis, das weiß Scholz.

„Wählt die SPD!“, rät er zum Schluss allen, die wollen, dass er Kanzler wird. Noch einmal brandet Jubel auf, Scholz winkt der applaudierenden Menge, und auch seine etwa 30 bis 40 Gegner erheben noch einmal ihre Stimmen – dann verlässt Scholz die Bühne und der Marktplatz leert sich allmählich wieder.

Von Stefan Dietrich

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