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Marburg Kaninchen, hüpf’ einmal!
Marburg Kaninchen, hüpf’ einmal!
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18:00 23.09.2020
Beim Kaninhop-Turnier in Niederweimar führt Emmely Gabrich ihren „Flummi“ über ein Hindernis. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Wieseck

Wenn Familie Gabrich im großen Garten oder am Abendbrottisch zusammenkommt, dann drehen sich nahezu alle Gespräche um ein Thema: Kaninchen. Die agilen Tiere spielen im Leben der Familie eine große Rolle, bei Mutter Stefanie, Vater Ralf und besonders bei den Töchtern Emmely (15) und Hannah (13). Die beiden frönen seit Jahren dem Kaninhop.

Ein Hobby, das hierzulande eher selten ist und bei dem die Tiere, vom Menschen geführt, über verschiedene Hindernisse springen und im Wettbewerb gegen andere Mensch-Tier-Teams antreten. Spricht man Emmely auf ihre liebste Freizeitbeschäftigung an, gerät die 15-Jährige ins Schwärmen: „Es macht einfach mega Spaß und das Hobby hat nicht jeder, es ist etwas Besonderes, und man verbringt viel Zeit mit den Tieren.“

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Die gab es bei Gabrichs immer schon, auch vor der Geburt der Mädchen. „Ich kenne das gar nicht ohne Kaninchen“, erzählt Hannah lachend. Doch dass sich aus der Begeisterung ihrer Töchter eine eigene Kaninchenzucht im Familiengarten in Wieseck entwickeln würde, das hätte die Mutter „wirklich niemals gedacht, aber die beiden haben einfach so eine große Freude daran“, sagt Stefanie Gabrich. Die Mädchen bleiben auch nach gut acht Jahren – da sahen sie beim Hessentag in Wetzlar die erste Kaninhop-Vorführung – am Ball.

Für die Langohren hat die Familie einen großen Teil von Hof und Garten geopfert: Dort tummeln sich, neben einer kleinen Schar Rassehühner, 24 Kaninchen in Käfigen und Ausläufen. „Die meisten sind Mixe oder Bauernhof-Kaninchen, die keiner wollte“, erzählt Emmely beim Rundgang.

Zwischen Blumenbeeten und besonders hohen Zäunen – schließlich sind fast alle Tiere trainierte Springer – verläuft der etwa zehn Meter lange Kaninhop-Parcours mit verschieden hohen und breiten Hindernissen. Dort üben die Mädchen mit ihren Tieren, sofern die Lust haben: „Man merkt es ihnen schnell an, wenn sie Spaß am Springen haben, oder eben nicht“ erzählt Emmely.

Ihre Schwester hat gerade Widder „Schoko“ auf dem Schoß, einer ihrer Favoriten. „Er ist unser Weitsprungkönig“, erzählt die 13-Jährige stolz. 1,8 Meter hat er schon geschafft, der Weitsprungrekord liege bei 2,6 Meter. Die Mädchen kennen sich aus, fahren mit den Eltern zu Turnieren quer durch Deutschland. Immer mit dabei die aktuell besten Springer. Der Traum der Schwestern: einmal zur Europameisterschaft.

Kaninhop nicht unumstritten

Kritiker dieser Sportart, die ursprünglich aus Schweden stammt, lehnen diesen Sport als nicht artgerecht ab, missbilligen, dass die Tiere im Wettkampf eingesetzt werden. Dort tragen sie zudem Geschirr und Leine – ebenfalls umstritten. Kaninhop-Befürworter betrachten das Hobby als förderlich für den natürlichen Bewegungsdrang der Tiere. „Viele denken, das ist Tierquälerei, weil die Kaninchen an der Leine sind. Aber das ist zu ihrer Sicherheit, falls sie sich mal erschrecken“, erzählt Emmely.

Die Regeln bei Kaninhop-Turnieren seien streng, laute Geräusche verboten. Auch an der Leine ziehen ist strikt untersagt. „Das Training ist viel Arbeit und man hat eine große Verantwortung, das macht das Hobby mit aus“, betont die 15-Jährige. Jene Tiere, die ohne Zwang mithüpfen, werden trainiert; wer nicht springt, verbringt ein normales Kaninchenleben im Garten. Dort laufen die Tiere auf dem Parcours auch mal frei. Emmely macht es vor: Mit Flummi neben sich saust die 15-Jährige an der Trainingsstrecke entlang, muss sich anstrengen, um Schritt zu halten – ein kurzes „Hopp“ und das Langohr hüpft mühelos über die Hindernisse. In wenigen Sekunden ist der flotte Durchgang schon wieder vorbei. Flummi hoppelt entspannt weiter in Richtung Blumenbeet und wird wieder eingesammelt.

Kaninhop ist bei weitem nicht das einzige Hobby der beiden Schwestern, doch für ihre Tiere geht wohl die meiste Zeit drauf. Füttern, Ställe ausmisten, Pflege, Training – alles fällt in ihren Zuständigkeitsbereich, „das gehört eben dazu“, sagt Hannah schulterzuckend.

Turniersieg in Niederweimar

Die Eltern sind mittlerweile Kaninhop-Wettkampfrichter, die ganze Familie ist Mitglied im Kaninchenzuchtverein Niederweimar (KZV). „Das ist einer von ganz wenigen Vereinen in Hessen, der diesen Sport überhaupt anbietet. Jedes Turnier ist immer etwas Besonderes und man trifft Kaninhopper aus dem ganzen Land“, lobt die Mutter.

Emmely sicherte sich zuletzt Anfang September den Turniersieg beim Kaninhop-Wettbewerb in Niederweimar, der im Rahmen der 6. Weimarer Open und 43. Kreisverbandsjugendjungtierschau des KZV stattfand. Der Verein kann sich über eine aktive Jugendgruppe freuen: „Mit 18 Jugendlichen in der Rassekaninchenzucht und dem Kaninhop stellen wir fast 70 Prozent der Jugend im Kreisverband Marburg“, berichtet Vereinsvorsitzender Heiko Findt.

Nachwuchsprobleme gibt es also nicht, keine Selbstverständlichkeit für Zuchtvereine. Der Nischensport Kaninhop macht’s möglich, der besonders junge Tierfreunde anspricht, die ihre Begeisterung fürs Langohr noch mit einer sportlichen Note würzen.

Von Ina Tannert

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