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Marburg Kandidat für Impfstoff wird in Dessau produziert
Marburg Kandidat für Impfstoff wird in Dessau produziert
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19:58 14.05.2020
Viele Forscher arbeiten an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa/Themenfoto
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Marburg

„Ganz so schnell geht es dann doch nicht“, sagt Professor Stephan Becker, der Leiter des Instituts für Virologie an der Philipps-Universität Marburg.

Becker reagierte auf Anfragen von OP-Leserinnen, die sich als Testpersonen für eine klinische Studie zur Verfügung stellen wollen, um die Verträglichkeit eines Corona-Medikaments zu untersuchen.

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Becker hatte gesagt, die Virologen seien bei der Entwicklung eines Impfstoffs „weiter als gedacht“. Auf Nachfrage der OP ergänzte der Virologe, ein „Impfstoff-Kandidat“ werde derzeit produziert, und zwar in Dessau bei der IDT Biologika in Dessau-Roßlau. IDT ist ein laut Selbstdarstellung globaler Auftragsentwickler und -hersteller für Virusimpfstoffe, Gen- und Immuntherapeutika und Biologika.

Auswertung dauert mehrere Wochen

Bevor ein Impfstoff aber zugelassen wird, und das gilt im Prinzip für alle Medikamente, muss er eine dreistufige klinische Studie durchlaufen. In der ersten Phase wird die Verträglichkeit des Medikaments getestet, in der zweiten ihre Wirksamkeit an einer relativ kleinen Gruppe und in der dritten Phase an einer großen Gruppe. Erst nach Phase drei wird in der Regel ein Medikament für den Markt zugelassen.

Sobald eine ausreichende Menge der Substanz hergestellt ist, kann die erste Phase der klinischen Studie starten. Dabei geht es um die Fragestellung, ob und wenn ja welche Nebenwirkung die Substanz haben kann, die als Impfstoff vorgesehen ist. Sie dauert in diesem dringenden Fall einschließlich Auswertung sechs bis acht Wochen, wird von Virologen aus Marburg, Hamburg und München ausgewertet.

Drei Phasen bis zur Zulassung nötig

Die Tests werden in Hamburg durchgeführt, die freiwilligen Probanden werden stationär aufgenommen und stehen unter engmaschiger klinischer Beobachtung. Becker zeigte sich im Gespräch mit der OP zuversichtlich, dass die Verträglichkeits-Prüfung positiv ausfällt. Der Impfstoff gegen das verwandte MERS-Coronavirus jedenfalls sei dies.

Im Anschluss an die erste Phase folgen die zweite und dritte Phase der klinischen Prüfung. Hier wird getestet, ob der Impfstoff eine Antwort des Immunsystems hervorruft und wirksam ist. Diese Phasen, so Professor Stephan Becker, könnten in der ersten Jahreshälfte 2021 abgeschlossen sein. Hat sich die Wirksamkeit des Impfstoffs erwiesen, kann die Zulassung beantragt werden.

Von Till Conrad

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