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Marburg KFZ verabschiedet seine Gründer
Marburg KFZ verabschiedet seine Gründer
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18:39 26.04.2022
Gerti Diermaier und Gero Braach freuen sich über Blumen, Goldene Ehrennadeln der Stadt Marburg und lebenslang gültige Eintrittskarten für ihr KFZ. 
Gerti Diermaier und Gero Braach freuen sich über Blumen, Goldene Ehrennadeln der Stadt Marburg und lebenslang gültige Eintrittskarten für ihr KFZ.  Quelle: Uwe Badouin
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Marburg

Wie die Zeiten sich ändern: In den 70er- und 80er-Jahren wurde das Kulturzentrum KFZ – damals in der Schulstraße beheimatet – von den Stadtoberen noch argwöhnisch beobachtet. Im Rathaus und in den Parteigremien von SPD, FDP und CDU wusste man nicht so recht, wie man mit den langhaarigen Kulturrevoluzzern in der Schulstraße umgehen sollte.

Inzwischen gehören die einstigen „Schmuddelkinder“ zum unverzichtbaren städtischen Establishment, wie sich am Montagabend im neuen, schmucken KFZ im Untergeschoss des Erwin-Pis-cator-Hauses zeigte: Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies verlieh dem langjährigen Geschäftsführer Gero Braach und der langjährigen Mitarbeiterin Gerti Diermaier für ihre Verdienste um die Marburger Kulturlandschaft die Goldene Ehrennadel der Stadt Marburg.

In den 80ern und selbst in den 90ern und frühen 2000er-Jahren wäre dies undenkbar gewesen. „Ihr habt Unvergleichliches geleistet für die kulturpolitische Landschaft der Stadt“, sagte Spies, der als Jugendlicher selbst das KFZ besuchte, das sich stets als Gegenentwurf zur bürgerlichen Kultur der 70er- und 80er-Jahre betrachtete.

Anlass für die Ehrung war die offizielle Verabschiedung von Gero Braach und Gerti Diermaier, die die Entwicklung und das Programm des ältesten Marburger soziokulturellen Zentrums jahrzehntelang mitgeprägt haben. Zu der Feier gekommen waren neben Spies (SPD) auch Ex-OB Egon Vaupel (SPD), Bürgermeisterin Nadine Bernshausen (Grüne) sowie zahlreiche Wegbegleiter aus der Marburger Kulturszene. Es gab Häppchen, Sekt und später noch eine Comedy-Abenteuer-Show des spanischen Anarcho-Clowns Leo Bassi, bei der so mancher aus Erfahrung nicht recht wusste, ob er sich in die erste Reihe trauen sollte.

36 Jahre lang als Geschäftsführer

Verabschiedung, das Wort wurde am Montagabend gemieden, so gut es ging: „Wir wollen nicht von Verabschiedung sprechen. Schön, dass du immer noch ans Telefon gehst, wenn wir anrufen“, sagte etwa Christian Corth an Gero Braach gerichtet. Anfang Dezember hat Corth gemeinsam mit Anna-Lena Rothenpieler die Geschäftsführung des KFZ übernommen. Die beiden sind die Nachfolger von Gero Braach, der 36 Jahre lang im und für das KFZ und in weiteren Funktionen für die freie Kulturszene in Hessen arbeitete. Er sagt entspannt: „Ich bin froh, dass ich jetzt nicht mehr im Hamsterrad der Finanzen und im Gruppenwahnsinn stecke. Ich freue mich darüber, dass ich viel mehr Freizeit habe.“ „Gruppenwahnsinn“ – dieses Wort kennen nur KFZ-Eingeweihte. Alles wird dort in Teams und Gruppen diskutiert. Das kann bisweilen dauern.

Gerti Diermaier, die im KFZ unter anderem Reihen wie Ladies in Culture, die Kinderkultur, den Kabarettherbst oder 55-Grad-Nord etablierte und betreute, sagte der OP: „Es ist eine schöne Feier. Ich bin ein bisschen überwältigt. Ich freue mich jetzt auf die Zukunft, ich muss nichts mehr organisieren. Das ist ein sehr gutes Gefühl.“

Dass die beiden dem KFZ auch in Zukunft verbunden bleiben, dafür sorgte das KFZ-Team: Beide bekamen neben Blumen, schönen Worten lebenslange Eintrittskarten für alle Veranstaltungen.

Von Uwe Badouin