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Marburg So zieht Marburgs SPD in den Wahlkampf
Marburg So zieht Marburgs SPD in den Wahlkampf
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08:00 01.10.2020
Das Spitzen-Quartett für die Kommunalwahl 2021 in Marburg: Anna-Lena Stenzel (vorne von rechts) und Thorsten Büchner sowie Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies und Stadträtin Kirsten Dinnebier Quelle: Björn Wisker
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Marburg

Die Marburger SPD ist auf Erneuerungskurs – zumindest teilweise: Die Sozialdemokraten gehen mit Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies und Stadträtin Kirsten Dinnebier und dem Parteivorsitzenden-Duo Thorsten Büchner und Anna-Lena Stenzel an der Spitze der Liste in die Kommunalwahl 2021. Neben diesen absehbaren Personalentscheidungen finden sich einige Überraschungen – wegen prominenter Namen, die fehlen oder weit hinten stehen.

„Es ist eine Kandidatenliste, so vielfältig wie die Stadt selbst", sagt Büchner. Es sei ein Mix aus erfahrenen Kommunalpolitikern und jüngeren Leuten mit einem „frischen Blick“ auf anstehende Themen. Tatsächlich finden sich neben Stenzel zumindest außerhalb der Top-Ten, aber immer noch auf aussichtsreichen Plätzen, zwei neue Gesichter: Fatma Aydin (Platz 14) aus Cappel und Liban Farah (17) von den Jusos.

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Überraschend: SPD-Schlachtross Egon Vaupel, der 2016 von den Marburgern vom letzten Listenplatz auf Rang drei hochgewählt wurde und seiner Partei als Wahlkämpfer tausende Stimmen bescherte, hat sich diesmal nicht aufstellen lassen. Ebenso wenig seine Frau, die Tafel-Vorsitzende Rita Vaupel. Ebenfalls nicht mehr im Rennen: Sonja Sell, seit fast 20 Jahren Stadtverordnete und in den zentralen Verkehrs- und Baubereichen profiliert. Auch die hinteren Plätze von Dr. Fabio Longo (43), den viele lange gar als möglichen perspektivischen Fraktionschef sahen, und dem Schröcker Feuerwehrmann Dominic Dehmel (31) fallen auf.

Während bei Longo private Gründe das zeitraubende Ehrenamt erschweren und Sell freiwillig auf eine weitere Legislaturperiode verzichtet, versuchte Dehmel via Kampfkandidatur gegen Kulturpolitiker Gerald Weidemann vorzurücken. Vergeblich, die Delegierten votieren auf Position 11 für Erfahrung statt Jugend. Einen Vertrauensbeweis des Vorstands und der Delegierten gibt es mit Platz 5 für Fraktionschef Matthias Simon.

Coup der Marburger Jusos: Sozialexperte Severin ist raus

Ein Drama gibt es um Sozial-Guru Ulrich Severin: In einem Abstimmungs-Duell verlor das „sozialpolitische Gesicht der SPD“, wie Parteimitglieder ihn nennen, gegen den unbekannten 24-jährigen Juso Felix Burghardt. Der sichtlich geschockte Severin, der 2016 hinter Heinrich Löwer die meisten Wählerstimmen aller späteren Fraktionsmitglieder bekam und vor allem im Norden der Stadt beliebt und vernetzt ist, verzichtete so dann gänzlich auf einen Listenplatz. Damit könnte auch die SPD intern offenbar nach der Wahl geplante Entsendung Severins in den ehrenamtlichen Magistrat in Gefahr sein.

Ulrich Severin, SPD Marburg Quelle: Archiv

Seit 2016 hat die SPD 18 Stadtverordneten-Mandate. Heißt, dass sich bei einem ähnlichen Wahlergebnis wie damals jeder Kandidat bis etwa Listenplatz 20 berechtigte Hoffnungen auf ein Mandat machen kann. Vor allem dann, wenn sich viele Wähler für das Kumulieren – also das Ankreuzen einer ganzen Liste entscheiden.

Durch das sogenannte Panaschieren, die ebenfalls mögliche Wahl einzelner Kandidaten von verschiedenen Parteilisten, können sich aber Rangfolgen verschieben. Heißt: Wen viele kennen oder mögen, der kann durch die Wähler auch von hinteren Plätzen an vielen von der Parteispitze vor ihm platzierten Parteifreunden vorbeiziehen –wie eben Vaupel einst, der dann auf den Sitz verzichtete.

„Wir schlucken keine christdemokratische Kröte“

Ändern dürfte sich für die SPD 2021 vor allem die Zusammensetzung des nächsten ehrenamtlichen Magistrats: Nach vielen Jahren in Ämtern deuten ihre hinteren Listenplätze darauf hin, dass die SPD-Granden Jürgen Hertlein, Marlis Sewering-Wollanek und Ursula Schulze-Stampe sich aus dem Entscheidungsgremium verabschieden. Eine Verjüngung von der Spitze weg.

OB Spies nutzt den Parteitag indes für eine Darstellung seiner Erfolgsbilanz: „Wohnungsbau, Kita-Ausbau und Verkehrswende, das sind wir. Nahverkehr-Ausbau samt CO2-Neutralität, das sind wir – und zwar ohne, dass Klimapolitik die neue soziale Frage wird. Das soziale Marburg haben wir geschaffen, wir tun der Stadt gut“, sagt er und erhält 98 Prozent der Stimmen als Listenspitzenkandidat; ein Fingerzeig für Spies’ innerparteiliche Unterstützung im Vorfeld seiner OB-Kandidaten-Kür Anfang November.

Büchner betont indes den Regierungsanspruch: „Wir haben in dieser Wahlperiode nicht eine christdemokratische Kröte geschluckt und werden das auch nicht tun. Die CDU stört uns nicht beim Regieren und die BfM sind an unserer Seite, wenn wir unsere Inhalte umsetzen“, sagt er. Egal ob mit schwarz oder grün, „Politik in Marburg war, ist und bleibt SPD-Politik“.

Beschlossen wurde von den Delegierten auf dem Parteitag zudem ein Zusammenarbeitsverbot mit der AfD in Marburg.

von Björn Wisker

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