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Marburg Junge Pflanzpaten pflegen Eichen
Marburg Junge Pflanzpaten pflegen Eichen
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00:17 01.04.2019
Ran an die Heckenscheren und los geht‘s: Viertklässler der Brüder-Grimm-Schule Marburg pflegen seit zwei Jahren eine Eichen- und Kastanienschonung im Wald an den Hansenhäusern, um einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Quelle: Carina Becker-Werner
Marburg

 Grundschüler der Brüder-Grimm-Schule in Marburg sind seit zwei Jahren gemeinsam mit dem Forstamt Kirchhain und dem Jugendwaldheim Roßberg im Marburger Forst aktiv. In dem Gebiet am Trimm-Dich-Pfad bei den Hansenhäusern haben sie an mehreren Projekttagen Bäume gepflanzt – Eichen und Esskastanien.

Nachahmer werden dringend gesucht, denn es geht um kein geringeres Ziel als den Klimaschutz. Alle Schulen im Kreis könnten mitmachen, betonen Florian Zilm, Forstamt Kirchhain, und Silka Guternacht, Mitarbeiterin des außerschulischen Lernorts Jugendwaldheim Roßberg.

Die beiden Waldpädagogen können sich überall im Landkreis Aktionen vorstellen, bei denen Schüler leergeräumte Flächen aufforsten und helfen, solche Bäume wie Eichen zu hegen und zu pflegen.

Anders als Fichten, die durch den Klimawandel stärker vom Borkenkäfer befallen und zerstört würden, seien Eichen echte Bäume für die Zukunft, „Bäume, die Bestand haben und dauerhaft helfen können, das Klima zu schützen“, sagt Florian Zilm.

Kein Wunder, dass Hessen Forst da gern die Kosten übernimmt. Rund 300 Euro stellte das Forstamt für die Anschaffung der jungen Bäumchen bereit. Waldpädagoge Zilm betont, dass Schulen aus dem gesamten Kreisgebiet auf ihn zukommen könnten, um gemeinsame Waldprojekte zu starten.

Auch das Jugendwaldheim Roßberg steht den heimischen Schulen dafür zur Verfügung. Neben Projekten im Wald in Zusammenarbeit mit dem Forstamt könnten Filme zum Klimawandel gezeigt und beispielsweise Solar-Fahrzeuge gebaut werden, nennt Silka Guternacht weitere Beispiele, um mit Schülern das Thema Klimawandel zu bearbeiten.

„Ich habe Angst, dass
 unsere Welt zerstört wird“

Die 15 Viertklässler der Brüder-Grimm-Schule Marburg waren in der vergangenen Woche dankbar dafür, im Wald etwas Praktisches für den Klimaschutz tun zu können. Einige von ihnen waren in den vergangenen Wochen schon bei den „Fridays for Future“-Demonstrationen dabei.

Nun arbeiteten sich die Mädchen und Jungen mit Ast- und Strauchscheren durch wuchernde Himbeer- und Brombeerranken, um den jungen Bäumen Luft und Licht zu verschaffen. Das soll dem weiteren Wachstum der noch zarten Eichen und Kastanien dienen.

„Ich find‘s total gut, dass wir hier mithelfen können, etwas für den Klimaschutz zu tun“, sagt der Zehnjährige Simon Glowacz, dem der Einsatz im Wald viel besser gefiel als „normaler Unterricht“. „In der Schule haben wir gelernt, wie das mit CO2 und Klimawandel zusammenhängt. Ich versuche jetzt weniger Strom zu verbrauchen, indem ich auch mal darauf verzichte, Musik zu hören.“

„Es macht viel Spaß, Bäume zu pflanzen“, sagt Maria Schul und greift beherzt zur Hacke. Seit die Neunjährige im Sachkunde-Unterricht gelernt hat, dass der hohe CO2-Ausstoß ein großes Problem fürs Klima darstellt, versucht sie, zu Fuß oder mit dem Rad zur Schule zu gelangen, wann immer es geht.

„Ich habe Angst, dass unsere Welt irgendwann zerstört wird – wir Menschen sind daran schuld. Deshalb fühlt es sich gut an, etwas fürs Klima zu tun.“ Juliane Pflüger, zehn Jahre, sagt: „Ich finde es ganz witzig, die Bäume hier zu pflegen. Es ist auch anstrengend, aber wir geben alles, um etwas fürs Klima zu tun.“

Dazu gehöre es für sie auch, mit dem Fahrrad zur Schule zu fahren, statt sich mit dem Auto bringen zu lassen. Oder mit der Mutter joggen zu gehen, statt einen Ausflug mit dem Auto zu machen, erklärt die 10-Jährige.

Schüler befreien die Schonung von Strauchwerk

Die Grundschüler, die gemeinsam mit ihrer Lehrerin Christiane Kral-Zimmermann im Wald im Einsatz waren, hatten schon nach wenigen Stunden Waldarbeit einen Großteil der Eichen- und Kastanien-Schonung von Strauchwerk befreit. Aufgrund von Borkenkäfer-Befall hatte das Forstamt Kirchhain die Fläche vor einigen Jahren abgeräumt. So war der Platz für neue junge und gesunde Bäume entstanden.

von Carina Becker-Werner