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Marburg Erst die Film-Drehs, dann das Abitur
Marburg Erst die Film-Drehs, dann das Abitur
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17:00 17.01.2021
Die Schüler Noah Dengler (rechts) und Christian Warwel haben mit „NC-Movie“ ihre eigene Filmproduktions-Firma gegründet – und sie sind nicht einmal 20 Jahre alt.
Die Schüler Noah Dengler (rechts) und Christian Warwel haben mit „NC-Movie“ ihre eigene Filmproduktions-Firma gegründet – und sie sind nicht einmal 20 Jahre alt. Quelle: Björn Wisker
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Marburg

Vögel zwitschern – ist das ein Rabe? Und eine Eule? Ängstlich blickt ein Mann in Uniform, es ist ein Soldat, um sich. Er steht tief im Wald und dreht mit den Fingern an einem Gerät, stellt die Frequenz seines Funkgeräts ein.

„Scheiße“, sagt er und spricht in das krächzende Gerät: „Ich habe mich voll verlaufen“. Noah Dengler (19) drückt auf die Pause-Taste seines Smartphones und hält damit einen der Filme an, die er mit seinem Freund Christian Warwel (18) gedreht hat.

Die beiden jungen Erwachsenen haben eine Filmproduktionsfirma gegründet, sind mit ihrer Firma NC-Movie im Landkreis Marburg-Biedenkopf und darüber hinaus – zuletzt in Kassel und Münster – unterwegs. „Ich glaube, wir haben uns mit dem Projekt nicht verlaufen. Wir sind eher genau dort, wo wir sein wollen“, sagt Dengler.

Die Jung-Gründer betreiben ihre Firma, die ihnen neben Geld für die Anschaffung neuer Technik und Ausrüstung auch Rücklagen etwa für das geplante Studium beschert, nur nebenbei. Denn eigentlich besuchen sie noch die Oberstufe des Gymnasiums Philippinum, streben im Frühjahr ihr Abitur an.

Erster Auftrag in Leidenhofen

Lange war das Filmen eher eine Spielerei, sie drehten eigene Produktionen, kurze Spielfilme mit eigens geschriebenem Drehbuch. Hobby-Schauspieler Warwel stand nicht nur hinter, sondern auch vor der Kamera.

So richtig begonnen hat der professionelle Weg für die beiden dann im Jahr 2017. Aus ihrem Hobby wurde mehr, als ihre Clips anderen auffielen und sie nach Wittelsberg gerufen wurden. Im Ebsdorfergrund bekamen sie sodann ihre erste Auftragsarbeit – und es folgten weitere, etwa in Leidenhofen oder Dreihausen beim Old- und Youngtimer-Festival. Zuletzt arbeiteten sie an einem Imagefilm für eine Marburger Partei, immerhin steht der Kommunalwahlkampf bevor.

Ihre kreative Ader haben beide früh entdeckt, schon in der Grundschule hantierten sie mit Videokameras und probierten Filmdrehs aus. Dengler erinnert sich mit einem Lächeln auf den Lippen: „Ich weiß noch, wie ich als Kind so versucht habe, Nachrichtensendungen zu produzieren. Das Interesse hat scheinbar überdauert.“ Mittlerweile schauen beide selbst bei Hollywood-Filmen genau hin, beschäftigen sich mit Ästhetik, Stimmung, Musik in den Streifen.

Zur ersten Firma dank „kindlicher Neugier“

Wie kommt man – anders als über Prägung des Elternhauses – schon im Kindesalter darauf, sich mit Videodreh, Schnitttechniken und Dramaturgie zu befassen? „Ich weiß nicht, ob das überhaupt Talent war. Ganz sicher war und ist es Neugier, die fast kindliche Selbstverständlichkeit, etwas Neues auszuprobieren und rumzutüfteln“, sagt Warwel.

Geschichten erzählen, in Rollen vor der Kamera schlüpfen, um sich so auch hinter der Kamera besser den Ablauf, die Handlung, die Perspektiven vorstellen zu können – das begeistert den 18-Jährigen. Weder seine noch Denglers Eltern hätten dieses Hobby speziell gefördert, aber eventuell etwas viel Wichtigeres getan: „Sie haben den Freiraum gelassen, uns mit dem, woran wir Spaß haben, entfalten zu können.“

Erstmal die Schule fertigmachen

Ob sie mit NC-Movie tatsächlich eine berufliche Karriere starten, eine produktive Firma an den Start gebracht haben, ist ihnen selbst noch nicht klar. „Es ist ein Standbein. Eines, das uns jetzt schon früh – neben Erfahrungssammlung – auch finanziell besser dastehen lässt und andere Sachen ermöglicht, als das sonst der Fall wäre“, sagt Dengler.

Das Risiko, sich schon jetzt beziehungsweise kurz nach dem bevorstehenden Schulabschluss darauf einzulassen, scheint noch zu groß. Preise haben sie indes bereits eingeheimst. „Was ich schon gelernt habe: Gut ist man in etwas nur, wenn man Spaß daran hat“, sagt Dengler.

Der Soldat aus dem Kurzfilm – von Warwel selbst gespielt – kann übrigens aus dem Wald fliehen, wird gerettet. Doch das Erlebte, die Szenen des Kriegs, kann er nicht vergessen und erschießt sich zum Schluss. Das Ende – doch für die beiden Jung-Gründer soll es erst der Anfang sein.

Von Björn Wisker

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