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Marburg Mehr und öfter gehört werden
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15:00 20.09.2020
Luna (7), Alia (4), Thies (3) und Thores (5) haben sich Gedanken über den Weltkindertag gemacht. Quelle: Nadine Weigel
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Landkreis

Das Recht auf Gleichbehandlung und Schutz vor Diskriminierung unabhängig von Religion, Herkunft und Geschlecht; das Recht auf einen Namen und eine Staatszugehörigkeit; das Recht auf Bildung und Ausbildung; das Recht auf Freizeit, Spiel und Erholung; das Recht auf eine Familie, elterliche Fürsorge und ein sicheres Zuhause – das sind nur einige der von Unicef, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, festgelegten Rechte von Kindern. Manches davon mag für einen Europäer banal klingen, ist es aber nicht überall auf der Welt – und gerade hier ist zum Beispiel das Recht auf sofortige Hilfe in Katastrophen und Notlagen und auf Schutz vor Grausamkeit, Vernachlässigung, Ausnutzung und Verfolgung aktuell.

Wahlalter herabsetzen

Und doch bedürfen die Kinderrechte in Deutschland noch einer Verstärkung. Noch sind sie zum Beispiel nicht im Grundgesetz verankert, was den Staat mehr verpflichten würde, kindgerechte Lebensverhältnisse zu schaffen. Es gibt zwar einen Entwurf des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz, der aber noch nicht im Parlament angekommen ist.

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Dieser Entwurf liegt aber nach Ansicht von Kritikern wie zum Beispiel des Deutschen Kinderhilfswerks noch hinter der UN-Kinderrechtskonvention zurück.

Dennoch gibt es Lichtblicke, zum Beispiel wenn es um das Recht geht, sich zu informieren, sich mitzuteilen, gehört zu werden und sich zu versammeln. Da sind wir im Landkreis schon relativ weit, meint Leon Löffler. Der 19-jährige Dautphetaler ist Vorsitzender des Kinder- und Jugendparlamentes des Landkreises und findet aber auch, dass „Kinder und Jugendliche noch mehr gehört werden müssen“. Da es bisher Nachwuchsvertretungen nur noch in Amöneburg, Bad Endbach und Marburg gibt, was „zu wenige ist“, müsste sich jede Gemeinde Gedanken machen, wie Kinder und Jugendliche an Entscheidungen zu beteiligen wären. Das könnte über Ausschüsse oder das Rederecht in Parlamenten geschehen. So wünscht sich Löffler, dass das Kinder- und Jugendparlament vom Kreistag „öfter einbezogen wird“.

Die Senioren in den Entscheidungsgremien seien einfach zu weit weg von Themen, die Kinder und Jugendliche bewegen, findet Löffler. Dies zeige sich auch daran, dass im bald beginnenden Kommunalwahlkampf Themen dieser Altersgruppe fehlen.

Das sind zum Beispiel gut ausgestattete Spielplätze nicht nur für die Kleinsten, auch Bolzplätze oder andere Treffpunkte für Jugendliche wie zum Beispiel Schwimmbäder, die es zu erhalten gilt.

Eine Tischtennisplatte im Kurpark Bad Endbach wäre zum Beispiel etwas, was sich Jason Dissel als Treffpunkt in seiner Heimatgemeinde wünscht. Oder eine Holzspäne-Toilette am Flowtrail wäre etwas, was Jugendliche dort vermissen, meint der Vorsitzende des gemeindlichen Kinder- und Jugendparlamentes. Auch das Erleichtern der Übernahme von kleinen Jobs, um das Taschengeld aufzubessern, hält der 14-Jährige für wünschenswert. Um etwas zu bewegen, müsste aber das Wahlalter auf 16 oder 14 Jahre herabgesetzt werden, meint der Bad Endbacher.

Hintergrund: Weltkindertag

Kinder in manchen Gegenden Deutschlands können ihn sogar zweimal im Jahr, am 1. Juni und am 20. September feiern, den Weltkindertag. Diesen gibt es in mehr als 145 Ländern. Jeder Staat darf das Datum der Feier selbst wählen. Das legte die Vollversammlung der Vereinten Nationen (UN) am 21. September 1954 fest. Der Grund war, dass es in manchen sozialistischen Ländern, wie zum Beispiel der ehemaligen DDR, schon zuvor Kindertage gefeiert wurden. Im wiedervereinten Deutschland behielten einige Bundesländer des ehemaligen DDR-Staatsgebiets den 1. Juni als Kindertag bei.  Ob nun 1. Juni oder 20. September: Am Weltkindertag sollen die UN-Mitgliedstaaten die Rechte von Kindern stärken, die Freundschaft unter Kindern und Jugendlichen auf der Welt fördern und die Regierungen der Länder sich verpflichten, die Arbeit von Unicef, dem Kinderhilfswerk der UN, zu unterstützen. Die Bundesrepublik stimmte dem „Übereinkommen über die Rechte des Kindes der Vereinten Nationen“, auch UN-Kinderrechtskonvention genannt, erstmals 1992 uneingeschränkt zu. Die Kinderrechtskonvention führt die zentralen, weltweit geltenden Kinderrechte auf, darunter das Recht auf Schutz vor Gewalt, auf Bildung, auf Beteiligung, auf Gleichbehandlung sowie das Recht auf Freizeit, Spiel und Erholung. 

Von Gianfranco Fain, Nadine Weigel und Katharina Kaufmann-Hirsch

20.09.2020
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