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Marburg Vom Praktikanten zum Geschäftsführer
Marburg Vom Praktikanten zum Geschäftsführer
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11:52 21.10.2020
Die TEC-Motors-Geschäftsführer Norbert Pfeil (vorne, von links), Sebastian Bunzeck und Winfried Horn nahmen die Jubiläumsurkunde von Kfz-Obermeister Ralf Funke (hinten) entgegen. Quelle: Andreas Schmidt
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Gisselberg

Vom Tellerwäscher zum Millionär – ganz so ist die Geschichte von Sebastian Bunzeck nicht gelaufen. Aber immerhin vom Praktikanten zum Geschäftsführer bei TEC Motors – und das ist ebenfalls eine bemerkenswerte Karriere.

Seit einem Vierteljahrhundert gibt es TEC Motors nun. Die Anfänge des Motorrad- und Autohauses lagen in Wolfshausen, seit 13 Jahren befindet sich die Firma jedoch bereits direkt am Ortseingang von Gisselberg.

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Hervorgegangen ist TEC Motors aus dem Ende der Firma Stöcker in Wolfshausen, wie Winfried Horn erzählt. „Ich war damals mit der Meisterschule fertig und hatte Interesse, die Firma zu übernehmen“, sagt er. Gesagt – getan: Gemeinsam mit Norbert Pfeil, der bei Stöcker in der Autowerkstatt gearbeitet hatte, und Volker Döringer entstand die neue Firma. „Das Trio hat sich sofort super verstanden, und TEC Motors sollte für Technologie stehen“, so Horn.

Schon während der Schulzeit Motorräder gewaschen

Döringer zog sich 2002 aus dem Unternehmen zurück, Sebastian Bunzeck rückte vergangenes Jahr in die Geschäftsführung nach. „Er hat uns schon immer irgendwie begleitet als Langzeit-Praktikant“, sagt Horn lachend.

Bunzeck erzählt, wie es dazu kam: „Schon während der Schulzeit bin ich mit dem Fahrrad von Wetter nach Wolfshausen gefahren, um nach der Schule die Mopeds zu waschen – eben so Kleinigkeiten, die man als Schüler so machen kann“, sagt er. Denn Bunzecks Vater hatte bei TEC Motors ein Motorrad gekauft – der junge Sebastian war als Sozius dabei. Er freundete sich mit Winfried Horn an – „und dann bin ich hier hängen geblieben. Was ein Glück. Denn Motorräder sind meine absolute Leidenschaft“, sagt Sebastian Bunzeck. Er ist mittlerweile Meister und Werkstattleiter in dem Unternehmen – und nun auch Geschäftsführer.

Die Leidenschaft für Motorräder eint alle drei Geschäftsführer. „Ohne 150 Prozent geht es nicht“, sagen sie unisono. Und fügen hinzu: „Du musst auch selbst Motorrad fahren, sonst nehmen dir die Leute das Thema nicht ab.“

Neue B3 hätte Unternehmen quasi abgeschnitten

Doch warum zog TEC Motors von Wolfshausen nach Gisselberg? „Ein Kunde hatte uns berichtet, wie die neue B 3 verlaufen sollte“, sagt Norbert Pfeil. Wolfshausen hat ja keinen eigenen Anschluss an die Bundesstraße mehr – das war ein Schreckensszenario für das TEC-Team. „Dabei wollten wir das ehemalige Stöcker-Gebäude, das wir nur gepachtet hatten, schon kaufen“, erinnert sich Pfeil. Schnell stand fest: Der Standort hätte „für Motorräder vielleicht noch eine Zukunft gehabt – aber nicht für den Autoverkauf“. Zunächst interessierte sich das Team für ein Grundstück am Afföller, letztlich entschied es sich dann für den heutigen Standort Gisselberg – 2006 erfolgte dort der Spatenstich. Auf 4.000 Quadratmetern gibt es Autos und Zweiräder von Suzuki, Yamaha und Miu. Die Größe sei „genau richtig, denn mit immer weiterem Wachstum schneidet man sich mitunter ins eigene Fleisch“, so Pfeil.

Was hat sich in den vergangenen 25 Jahren verändert? „Zum Einen muss man heute eine viel größere Auswahl bieten und viele Modelle vorrätig haben“, weiß Winfried Horn. Diesem Umstand trage TEC Motors schon lange Rechnung. Und Norbert Pfeil sagt: „Früher hatten die Kunden, die ein Motorrad kaufen wollten, schon ziemlich genaue Vorstellungen. Das Gespräch drehte sich um das Motorrad – und nicht primär um Rabatte.“ Heute sei es manchmal schon so, „dass Leute voller Euphorie reinkommen, sich informieren – und dann doch lieber einen Wohnwagen kaufen“, formuliert er überspitzt. Das Geschäft sei wesentlich unverbindlicher geworden.

Elektromobilität wird Top-Thema

Und was ist der Mega-Trend, den das TEC-Team absehen kann? „Die Elektromobilität – und zwar bei Auto und Motorrad“, ist sich Pfeil sicher. Beim Motorrad gehörten jedoch Power, Optik und auch Sound zusammen. „Ich weiß nicht, ob man die jetzige Motorradfahrer-Generation beispielsweise für Motorräder ohne Sound begeistern könnte. Aber das wird sich ändern.“

Für Ralf Funke, Obermeister der Kfz-Innung Marburg, steht fest: „Wer sich in diesen Zeiten seit 25 Jahren auf dem Markt behaupten und auch noch optimistisch mit Nachwuchs in die Zukunft blicken kann, das sagt eigentlich alles. Dass sich ein Dreigestirn in der Geschäftsführung so gut versteht, ist keine Selbstverständlichkeit.“

Von Andreas Schmidt

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