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Marburg Ja zum „Freifahrtschein“
Marburg Ja zum „Freifahrtschein“
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19:09 04.05.2022
Jobticket für das RMV-Gebiet.
Jobticket für das RMV-Gebiet. Quelle: Michael Agricola
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Marburg

Freie Fahrt für die Beschäftigten mit dem Jobticket. Das ist heute schon fast ein Muss – vor allem in Branchen, in denen Fachkräfte Mangelware sind. Und es ist günstiger, als man denken könnte. In der Regel kostet ein Jobticket den Arbeitgeber deutlich unter 20 Euro pro Beschäftigtem im Monat, sagte Birgit Stey, Geschäftsführerin der Stadtwerke Marburg Consult, bei der Vorstellung der neuen Kooperation mit dem Jugendheim Marbach am Montag.

„Wir wollten das eigentlich schon vor zwei Jahren machen“, berichtet Erwin Schnell, der Geschäftsführer des Jugendheims Marbach. Doch dann kam Corona, und mit den Einschränkungen stellte man das Projekt zunächst zurück. Nun aber sei es soweit, freut sich Schnell. Mehr als 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der gemeinnützigen Gesellschaft können seit dem 1. Mai das gesamte RMV-Netzgebiet nutzen, zunächst für die nächsten 12 Monate kostenlos. Wie es danach weitergeht, werde man auch anhand der Nutzung bewerten. Das „Premium-Ticket“, für das sich der Jugendhilfeträger entschieden hat, gilt nicht nur für den Weg zur und von der Arbeit, sondern auch in der Freizeit. Man darf zudem abends und am Wochenende einen Erwachsenen und beliebig viele Kinder unter 15 Jahren mitnehmen.

Flexibel und mobil

Ein sehr attraktives Angebot, findet auch Kim Steinmann vom „Kinderhaus Bienenweg“ des Trägers. Sie sieht in der erweiterten Mobilität gerade auch für die Betreuung der Kinder und Jugendlichen einen Riesenvorteil. Da die Schützlinge selbst meist über Schülertickets verfügten, sei es durch das Jobticket nun auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einfacher, Erledigungen und Ausflüge mit den Kindern und Jugendlichen – ohne Auto – zu machen. Für Schnell ist die Entscheidung für das Jobticket heute schon fast ein „Muss“ für Arbeitgeber, die ihren Beschäftigten ein attraktives Angebot machen wollen – und auch müssen. Schließlich gibt es in vielen Berufen Fachkräftemangel und einen entsprechenden Wettbewerb um die besten Kräfte.

Auch die Stadtwerke Marburg sind zufrieden. Mit dem Jugendheim Marbach bieten zehn Unternehmen und Organisationen aus Marburg das Jobticket an, so Stey. Sie versorgen damit rund 7000 Beschäftigte mit einem kostenlosen oder günstigen ÖPNV-Angebot. Darunter sind sehr große Arbeitgeber wie das Universitätsklinikum (UKGM), die Blindenstudienanstalt (Blista) sowie Stadt und Stadtwerke, aber eben auch kleinere wie das Jugendheim Marbach. Und das Interesse steige. Für Stey kein Wunder, denn das Ticket sei gerade auch für Arbeitgeber mit mehreren Standorten interessant, die ihren Beschäftigten mehr mobile Flexibilität ermöglichen wollen.

Veränderte Straßenräume

Und dann ist da ja auch noch der Umwelt-Faktor. „Ich bin sehr froh über das Angebot“, sagt auch Marburgs Bürgermeisterin Nadine Bernshausen, die zugleich Aufsichtsratsvorsitzende der Stadtwerke Marburg ist. Jeder Betrieb, der seinen Beschäftigten Jobtickets anbiete, helfe aktiv beim Erreichen des Ziels Klimaneutralität. Es sei jeweils nur ein kleiner Baustein zum Erfolg, aber jeder, der das Angebot des Öffentlichen Nahverkehrs nutze, helfe auch dabei, Verkehr zu verändern, Straßenräume in der Stadt freizubekommen und anders aufzuteilen – und die Stadt so lebenswerter zu gestalten. Und jeder Arbeitgeber, der sich für das Jobticket entscheide, trage „den Funken“ weiter. Denn ohne Unterstützung der Menschen könne die Stadt die Klimaneutralität nicht erreichen.

Auch das Jugendheim Marbach geht den Schritt zum Jobticket aus Überzeugung, wie Erwin Schnell betont. Das Jobticket ergänzt andere Vorhaben wie die schrittweise Umstellung des Pkw-Fuhrparks auf E-Mobilität oder die Nutzung von Carsharing. Schnell: „Hier sind auch kleinere Unternehmen wie die Jugendheim Marbach gGmbH gefragt, ihren Teil beizutragen.“

Wie funktioniert das Jobticket?

Unternehmen oder Organisationen im Gebiet des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) mit mindestens 51 Beschäftigten können Jobtickets anbieten. Dazu schließt der Arbeitgeber eine Vereinbarung über zunächst zwölf Monate mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund ab.
Abgewickelt wird der Vertrag über die lokale Verkehrsgesellschaft – in der Stadt Marburg also die Stadtwerke Marburg.
Die Kosten richten sich zum einen nach der Art des Tickets – es gibt welche, die nur den Weg zur Arbeit und zurück abdecken, aber auch die, laut Birgit Stey, nur wenig teurere Variante „Premium“ für das gesamte RMV-Gebiet plus Mitnahmemöglichkeiten.

Interessant: Für die Beschäftigten ist das Jobticket steuerlich unwirksam, es kann komplett als Bonus zum Gehalt gewährt werden.

Von Michael Agricola

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