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Marburg Jede Barriere, die fällt, verbessert Lebensqualität
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18:00 08.03.2022
Marian Zachow (von links), Peter Blonien, Katharina Erbeck und Dr. Jens Ried stellten den Abschlussbericht zum Altenhilfekonzept der Gemeinde Cölbe vor.
Marian Zachow (von links), Peter Blonien, Katharina Erbeck und Dr. Jens Ried stellten den Abschlussbericht zum Altenhilfekonzept der Gemeinde Cölbe vor. Quelle: Götz Schaub
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Cölbe

Es hat ein bisschen länger gedauert, doch jetzt liegt er auf dem Tisch: der Abschlussbericht zum Altenhilfekonzept der Gemeinde Cölbe. Der Bericht umfasst 50 Seiten, die als Leitfaden für die künftige Arbeit in der Altenhilfe verstanden werden sollen. Hier sind keine Hochglanzfotos zu finden, sondern Texte, Daten, Tabellen und Grafiken.

„Das alles basiert auf einem Beteiligungsformat“, sagt Cölbes Bürgermeister Dr. Jens Ried. Da die Corona-Pandemie über längere Zeiten Treffen unmöglich machte, zog sich die Erstellung etwas hin. „Wir mussten nicht bei null anfangen, weil wir ja schon seit mehr als zehn Jahren das Seniorennetzwerk und nun auch noch die Bürgerhilfe am Start haben“, so Ried.

Jetzt habe man den richtigen Baukasten, älteren Menschen dabei zu helfen, möglichst lange im gewohnten Lebensumfeld leben zu können. Der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow findet den Ansatz aus Cölbe genau richtig. Ein großer Vorteil für das Leben auf dem Lande sei schon der, dass Menschen in der Regel ihre Nachbarn kennen, sich gegenseitig helfen und aufeinander aufpassen. Doch gelte es darüber hinaus Möglichkeiten zu schaffen, dass ältere Menschen nicht langsam aus der Gesellschaft herausgleiten, sondern so lange wie möglich in der Gesellschaft gehalten werden, etwa durch mehr Barrierefreiheit und neue Wohnformen.

„Neue Wohnformen stellen auch Möglichkeiten dar, Menschen aus ihrer Einsamkeit zu holen, indem sie beispielsweise Wohngemeinschaften bilden.“ Das gelte auch für Menschen mit Demenz, die unter Betreuung in Demenz-WGs noch Teilhabe erfahren können.

Das Konzept erstellte die Gemeinde Cölbe nicht alleine, sondern zusammen mit dem Landkreis. Der beauftragte das Institut InWIS aus Nordrhein-Westfalen mit der Entwicklung des Konzepts und übernahm von den Gesamtkosten von 10 000 Euro dann 7 000 Euro. 3 000 Euro steuerte die Gemeinde Cölbe bei.

Das Institut arbeitete vor Ort in Cölbe und befragte in Workshops eingehend zahlreiche ältere Menschen nach ihren Wünschen und Bedürfnissen. Es wurden aber auch Menschen interviewt, die in ihrem Alltag oder auch beruflich viel mit älteren Menschen aus Cölbe zu tun haben. So ergab sich ein großes Bild, das dann passgenau auf Cölbe zugeschnitten wurde.

Zudem arbeiteten in dieser Sache die Gemeinde und der Fachdienst Gesundheits- und Altenplanung des Landkreises eng zusammen. Mit Vorliegen des Konzeptes ist diese Zusammenarbeit keineswegs erschöpft. Cölbe und der genannte Fachdienst des Kreises wollen weiterhin in einem engen Austausch bleiben.

Informationen müssen transparent fließen

Gerade die Themenfelder Wohnen, Gesundheit und Mobilität, so Dr. Ried, seien Aufgaben, die jetzt weiter vorangebracht werden müssen. Mit konkreten Umsetzungen und Projekten. Dabei sollen auch weiterhin die Bürgerinnen und Bürger eingebunden bleiben.

Damit dies auch passiert, so Katharina Erbeck vom Fachdienst beim Landkreis, müssen die Informationen transparent fließen, damit jeder mitbekommt, was gerade in Bearbeitung ist und man auch immer einen Ansprechpartner findet.

Da hakt auch Peter Blonien vom Seniorennetzwerk Cölbe ein, der wiederum mit der Seniorenbeauftragten der Gemeinde, Beatrix Parsons, in einem engen Austausch steht. Für Blonien ist es wichtig, dass ältere Menschen niederschwellige Angebote erhalten, sich mit den digitalen Endgeräten vertraut zu machen, um sie in ihrem Sinne auch gewinnbringend nutzen zu können.

Zur Teilhabe älterer Menschen gehöre aber nicht nur eine entsprechende Infrastruktur mit guten Versorgungsangeboten, sondern auch Angebote aus den Ortsteilen heraus, etwa von Vereinen. Cölbe arbeite deshalb ganz bewusst daran, das Sport- und Bewegungsangebot am Sportpark auch so auszurichten, dass ältere Menschen dort Angebote finden werden.

Dann gehe es darum, die Tücken des Alltags zu beseitigen, etwa zu hohe Bordsteine für gehbehinderte Menschen oder Menschen, die sich mit Rollator fortbewegen. Auch müsse man immer mal wieder genauer hingucken, um Versäumnisse zu sehen, die einem im jungen Alter einfach nicht auffallen. Ried nennt als Beispiel den Zugang des Außengeländes hinter der Gemeindehalle. Für ältere Menschen mitunter schon ein Problem, weil es an einem Geländer zum Festhalten fehle.

Einzelne Handlungsfelder des Konzepts werden in dieser Zeitung noch mal detailliert vorgestellt.

Hintergrund

Das Förderprogramm des Landkreises geht aus den Seniorenpolitischen Leitlinien für den Landkreis hervor. Mit dem Modul „Partizipative Entwicklung lokaler Altenhilfekonzepte“ wird die Erarbeitung von nachhaltigen Altenhilfekonzepten in Städten und Gemeinden auf Grundlage fundierter Informationen, eines breiten Diskussionsprozesses und gemeinsam erarbeiteter Strategien unterstützt.

Von Götz Schaub

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