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Marburg Mit dem „großen BMW“ sechsmal um die Welt
Marburg Mit dem „großen BMW“ sechsmal um die Welt
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19:03 28.09.2021
Drei Generationen Begeisterung für die E3-Limousine von BMW: Rainer (von links), David und Dirk Helland.
Drei Generationen Begeisterung für die E3-Limousine von BMW: Rainer (von links), David und Dirk Helland. Quelle: Foto: Andreas Schmidt
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Kirchhain

Es war Ende der 60er-Jahre nicht nur ein spannender Modellwechsel, der bei BMW stattfand – sondern auch gleichzeitig ein Angriff in der Oberklasse auf die S-Klasse von Mercedes: Die E3-Limousine, die „Große Klasse“, die von 1968 bis 1977 gebaut wurde. Seine markanten Kennzeichen: Runde Doppelscheinwerfer, die später zum Markenzeichen von BMW werden sollten, eine eher sportliche Fahrwerkabstimmung im Vergleich mit anderen Oberklasse-Fahrzeugen – und Sechszylinder-Reihenmotoren, die, leicht modifiziert und angepasst, bis in die 90er-Jahre auch in anderen Modellen zum Einsatz kamen.

Etwa 190 000 Fahrzeuge wurden vom E3 gebaut – und einige der Oldtimer sind immer noch unterwegs. Am Wochenende fand das Deutschlandtreffen des E3-Clubs in Marburg und Umgebung statt – „mit 45 Teilnehmern das bestbesuchte Treffen bisher“, betonte Reinhard Queckenberg, Vorstandsvorsitzender des „BMW E3 Limousinen Club“, am Samstagmorgen während des offiziellen Auftakts des Treffens beim Autohaus Funke in Kirchhain.

Am Wochenende fand das Jahrestreffen des BMW E3 Limousinenclubs in Mittelhessen statt

Nach Mittelhessen waren die Clubmitglieder mit ihren glänzenden Karossen vor allem auf Betreiben der „E3-Familie“ Helland aus Lahntal gekommen. Denn: Drei Generationen Hellands sind mittlerweile vom E3-Virus infiziert. Rainer Helland erzählt: „Wir sind schon lange mit dem Autohaus Funke verbunden. Denn ich habe damals nach dem Führerschein bereits einen 700er BMW gefahren und dort im Autohaus nebenher nach der normalen Arbeit gebucht“, erzählt der Steuerberater. So sei er mit den Autos in Berührung gekommen, „und ich war als junger Kerl ein Autoverrückter“. Dann kam der E3 heraus „und hat mich von Beginn an fasziniert, diese tolle Karosse“, schwärmt der Senior. „1976 konnte ich ihn mir endlich als neues Fahrzeug leisten – und so ist er in der Familie geblieben.“

Die Fahrdynamik sei bereits zu damaliger Zeit hervorragend gewesen, „heute noch genauso. Der Motor ist einzigartig – er hatte zunächst 150 und später sogar 220 PS, das waren nicht nur zur damaligen Zeit Hausnummern. Der SI war damals die schnellste Serienlimousine der Welt“, so Rainer Helland.

Doch wodurch ist die Faszination auf den Sohn übergesprungen? „Na ja, ich saß eben immer hinten drin. Und bei Urlaubsfahrten galt für meinen Vater: Es musste vorangehen – es war gerade mal drin, auf Toilette zu gehen“, sagt Dirk Helland lachend. Als sein Vater seinerzeit mit dem Gedanken gespielt habe, sich einen neuen BMW zu kaufen, habe er den E3 in Zahlung geben wollen, „aber damals gab es für die Autos nicht viel. So blieb er in der Familie, er ist restauriert worden – und ist heute noch da“, sagt Dirk Helland. Mit 240 000 Kilometern. Sein Sohn David sei neulich an der Martin-Luther-Schule eingeschult worden, „da waren wir mit diesem Auto auf dem ersten Elternabend – und es war somit derselbe Wagen, mit dem ich schon mein Abitur gefeiert habe“.

Der E3 von 1976 hat aber noch eine ganz besondere Beziehung zum Autohaus Funke, wie Inhaber Ralf Funke erzählt: „Es war der letzte BMW dieser Reihe, der von uns ausgeliefert wurde, denn danach gab es die 7er-Baureihe. Da ist es schön, dass er immer noch in der Region fährt“, sagt Funke. Für ihn sei es – als ehemaligen BMW-Händler und jetzigen Service-Partner – „eine große Ehre, dass das Treffen bei uns stattfindet. Und wenn man all diese tollen Autos sieht, die aus dem gesamten Bundesgebiet und sogar aus der Schweiz kommen, dann ist das schon ein toller Einblick in die Geschichte.“

Die Familie Helland hat übrigens noch einen zweiten E3 – aus dem September 1973, „er hatte gerade Geburtstag“, so Dirk Helland lachend. Das Modell haben sie gebraucht gekauft. Rainer Helland erzählt: „Der Wagen hat eine spannende Geschichte, denn er kommt vom Gardasee, wurde damals nach Italien ausgeliefert.“ Und auch der hat eine Verbindung zum Autohaus Funke, „er hat nämlich damals einen Austauschmotor von Funke bekommen – der stand als Ausstellungsobjekt in der Berufsschule“.

Würden sich die Hellands von ihren Autos trennen? „Nur, wenn wir es müssten“, antworten Vater und Sohn unisono. Auch der zehnjährige David ist schon in Sachen E3 aktiv, „hat zum Beispiel geholfen, die Ausfahrten am Computer zu planen“, sagt Großvater Rainer. Kommendes Jahr finde das Treffen in Konstanz am Bodensee statt, „da fahre ich natürlich mit dem E3. Denn man kann auch heute noch perfekt im Verkehr mit schwimmen“, schwärmt er. Auch wenn er zugibt: „Man kommt nicht ganz so entspannt an, wie mit einem modernen Fahrzeug.“

Von Andreas Schmidt

29.09.2021
29.09.2021