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Marburg Ein Hauch von Paris in Weidenhausen
Marburg Ein Hauch von Paris in Weidenhausen
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16:59 26.09.2020
Der Künstler Janis Mengel zeigt in der Marburger JPG-Galerie in der Weidenhäuser Straße Plastiken. Quelle: privat
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Marburg

Vor dem Eingang steht ein Bistrotisch mit Desinfektionsmittel und Sparschwein. Gesammelt werden keine Münzen, sondern die Telefonnummern der Gäste.

In der Ausstellung „copy paste“ des in Marburg geborenen und in Kiel lebenden Bildhauers Janis Mengel ist die Zulassung zur JPG-Galerie Corona-bedingt im Einbahnstraßensystem auf 12 Personen beschränkt.

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Zur Vernissage erblickten rund 70 Gäste die kleinen Bronzefiguren erst durch die geöffneten Schaufenster, traten dann ein und verweilten anschließend gemütlich vor der Galerie in der Weidenhäuser Straße.

„Die Atmosphäre erinnert mich sehr an die Straßen von Paris, wenn die Leute sich draußen über Kultur unterhalten“, sagte eine Besucherin. Pastellgrüne Podeste laden dazu ein, die Bronzefiguren von allen Seiten und auch das Schattenspektakel an den Wänden zu betrachten. Überall arbeitet der Künstler mit Übertragungsprozessen, natürlich auch im Ausstellungstitel „copy paste“.

Jesus und Maria in 3D-Druck

Mengels Motive sind menschliche Körper, die der junge Bildhauer nach dem Gießvorgang nicht von ihrem bronzenen „Beiwerk“ befreit; deutlich wird dadurch das übergeordnete Thema seiner Arbeiten: Freiheit und Möglichkeiten in der Bildhauerei. Alle Exponate sind Einzelstücke, einzig die erste Version der frisch gebrannten „madonna_and_child (2)“ ist aktuell im nahe gelegenen Marburger Kunstverein in der Ausstellung „Kunst in Marburg“ zu sehen.

Das Modell dieser Maria mit Christuskind ist unter Verwendung eines 3D-Druck-Verfahrens entstanden. Alle anderen Figuren zeugen von einer bildhauerischen Routine, die sich Mengel seit seiner Ausbildung zum Steinmetzen und Steinbildhauer angeeignet hat. Seit seinem Abschluss mit Auszeichnung im Jahre 2015 studiert er Freie Kunst in Ingo Vetters Klasse „Bildhauerei mit klassischen Werkstoffen“ an der Hochschule für Künste Bremen.

Ein Gast sprach von morbiden Formen, es fehlten Gliedmaßen, die Schädeldecke sei offen, die Farbigkeit düster und verrußt. Janis Mengel betont in seinen Plastiken die Zufallsprodukte des Schmelzprozesses der Bronze. Damit setzt er die originäre Vervielfältigungsmöglichkeit der Bronzefiguren außer Kraft und verwandelt diese in Unikate.

Bis zum 6. November ist „copy paste“ in der Galerie JPG durch die Schaufenster zu besichtigen, nach vorheriger Anfrage auch im Raum: Telefonnummer 0176/61731093.

Von unseren Redakteuren