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Marburg Italienische Bohnen aus Kanada
Marburg Italienische Bohnen aus Kanada
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16:25 19.02.2021
Die Zutaten für eine fair gehandelte Arabica-Mischung stammen aus Papua-Neuguinea, Peru und Honduras.
Die Zutaten für eine fair gehandelte Arabica-Mischung stammen aus Papua-Neuguinea, Peru und Honduras. Quelle: Andrea Warnecke/dpa-tmn
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Bilanz einer kurzen, ersten Woche zum Auftakt von "Soviel du brauchst...“, der Fastenaktion der evangelischen Kirche in Deutschland: Wasserverbrauch ist so viel mehr als Duschen und Bodenpflege. Am faszinierendsten beim Check des Wasserverbrauchs ist der Themenkomplex rund um virtuelles Wasser. Brasilien, Indien, Kenia, Spanien und die Türkei haben einen negativen Wasserabdruck, was schlicht bedeutet, dass der Verbrauch die Ressourcen überschreitet. Spanien?

Mist, gerade habe ich bei Crowdfarming eine Kiste spanische Avocados bestellt, weil mir das ökologisch sinnvoller erschien, als beim Discounter Ware aus Übersee zu kaufen. Immerhin versprechen die spanischen Biobauern, ihre Avocados mit Tröpfchenbewässerung anzubauen, also so effizient wie möglich. Schauen wir mal in der Speisekammer, wo unsere Vorräte so herkommen. Im Vorbeigehen höre ich das Geräusch der Waschmaschine, die im 40-Grad-Programm läuft. Ist „Pflegeleicht Plus“ auch das Programm mit dem niedrigsten Wasserverbrauch? Jetzt bloß nicht verzetteln, das schauen wir später nach.

In der Speisekammer ist die ganze Welt zu Hause

In der Speisekammer ist die ganze Welt zu Hause. Die italienischen Borlotti-Bohnen stammen von – kanadischen Bauern. Das mag für den Wasserabdruck nicht so kritisch sein, sondern eher wegen des Transportwegs. Die Berglinsen hat ein großes deutsches Biolebensmittelunternehmen in die Supermarktregale gestellt, mit entsprechend gutem Gewissen wurden die Hülsenfrüchte gekauft.

Aber: Die Linsen stammen aus der Türkei – einem Land, das in der Top Five der Staaten mit dem negativsten Wasserabdruck mitspielt. Gründe: Nicht zeitgemäße Bewässerungsmethoden und Wasserdiebstahl. Außerdem weitet die Türkei ihre Baumwollproduktion von Jahr zu Jahr aus – für ein Kilo des Textilrohstoffs werden 3 100 Liter Wasser benötigt. Auch die leckerscharfe Ayvarpaste kommt vom Bosporus. Das Fairtrade-Siegel, das auf vielen Produkten prangt, sagt einiges über die Produktionsbedingungen, aber wenig bis nichts über Wasserverbrauch. Beispiel Kaffee: Die Zutaten für die fair gehandelte Arabica-Mischung stammt aus Papua-Neuguinea, Peru und Honduras.

Doch egal, woher: Für die Produktion von einem Kilo Röstkaffee werden exakt 18 925 Liter Wasser benötigt. Anders formuliert: Der Wasserverbrauch für eine Tasse Kaffee liegt bei 132 Litern. Viel Schatten also, doch es gibt auch Licht – zum Beispiel auf dem Tetrapak mit dem Soja-Drink: „Wir beziehen unsere Soja-Bohnen aus nachhaltigem Anbau von Bio-Landwirten in Italien. Für unsere Zutaten gilt: kurze Wege von der Ernte bis in die Tasse, für mehr Geschmack.“ Na bitte, volle Punktzahl, aber leider zu einem Preis, der deutlich über dem der Kuhmilch vom Discounter liegt.

Nun zur Waschmaschine: ein in Europa gefertigtes Markenmodell, ein richtiges Schnäppchen beim Elektrodiscounter. Bei der Energieeffizienz schnell mal weggeschaut, am Ende fiel die Kaufentscheidung über den Anschaffungspreis. Auf Seite 57 der Gebrauchsanweisung finden sich die Verbrauchswerte. Was dort in Sachen Wasserverbrauch nachzulesen ist, schwankt je nach Programm von 40 bis 88 Litern. Klar, da spielt die Beladung natürlich eine wesentliche Rolle, aber eigentlich kann man mit der Tabelle sowieso nicht viel anfangen, denn: „Die angegebenen Werte für andere Programme als Eco 40-60 sind nur Richtwerte.“ Aha, aber immerhin „in Anlehnung an die geltende Norm EN60456.“ Das beruhigt – Wasser marsch!

Von Carsten Beckmann