Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Turm der Moschee mit Fest eingeweiht
Marburg Turm der Moschee mit Fest eingeweiht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:05 12.09.2021
Mit einem Fest wurde am Sonntag (12. September) der Turm der neuen Marburger Moschee eingeweiht.
Mit einem Fest wurde am Sonntag (12. September) der Turm der neuen Marburger Moschee eingeweiht. Quelle: Thorsten Richter
Anzeige
Marburg

Am Sonntag (12. September) wurde mit einem Fest der Turm der neuen Marburger Moschee bei St. Jost offiziell eingeweiht. Professor Bilal Farouk El-Zayat, Vorsitzender Islamischen Gemeinde Marburg, sagte in seiner Begrüßung: „Die Moschee soll ein Ort des spirituellen Auftankens sein, ein Ort des Friedens, ein neues Zentrum für alle Marburgerinnen und Marburger, unabhängig von ihrer Religion. Wir heißen alle Marburger herzlich willkommen und wir wünschen uns, dass sie kommen und sich wohlfühlen.“ Die Islamische Gemeinde sieht die Moschee nicht nur als „Ort des Gebetes, als Ort der inneren Einkehr“ sondern auch als ein weiteres Marburger „Kultur- und Bildungszentrum“.

Rund 5000 Menschen muslimischen Glaubens aus 50 verschiedenen Ländern leben derzeit nach Angaben von El-Zayat in Marburg. Der Bau der Moschee hat eine lange Vorgeschichte. Bereits 2007 gab es erste Überlegungen für einen Neubau, nachdem klar war: Die alte Moschee im Marbacher Weg war viel zu klein.

Grundstein wurde 2013 gelegt

2013 wurde der Grundstein für die neue Moschee gelegt, in einem Mischgebiet in der Straße Bei St. Jost nahe der Autobahn. 2015 wurde Richtfest gefeiert, 2018 folgte die Inbetriebnahme, so El-Zayat, und vor ziemlich exakt einem Jahr wurde die offizielle Eröffnung gefeiert.

Doch was ist eine Moschee ohne Minarett, ohne Turm? „Die Planung des Turms hat fast fünf Jahre gedauert, es war eine Herausforderung für den Architekten“, erklärte der Vorsitzender Islamischen Gemeinde im Gespräch mit der OP. Der 25 Meter hohe Turm vollendet nun die Moschee. Verkleidet ist er mit Metallstreben, die ein orientalisches, geometrisches Muster zeigen. Gekrönt wird der Turm von arabischen Schriftzeichen für das Wort „Allah – Gott“. „Man hat das Gefühl, langsam wird es baulich fertig, gleichzeitig weiß man, jetzt fängt die Arbeit an, das Gebäude mit Leben zu füllen.“

Ein klassisches Minarett, von dem aus der Muezzin die Gläubigen zum Gebet rufe, benötige man heute eigentlich gar nicht mehr. Denn dies übernähmen Handy-Apps oder Lautsprecher. Dennoch sei der Turm als Minarett-Symbol das I-Tüpfelchen für die Moschee.

„Selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft“

Beim Festakt am Sonntag sah man nur strahlende Gesichter sowohl bei Muslimen als auch bei ihren Gästen, die sich mit der islamischen Gemeinde freuen. Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) zitierte in seiner Rede seinen Vorgänger Egon Vaupel. Der habe einmal gesagt: „Wer ein Gotteshaus baut, ist gekommen, um zu bleiben.“ Spies ergänzte: „Wer ein Gotteshaus baut, dokumentiert ein selbstbewusstes Angekommen sein, ein gleichberechtigtes Mitglied der Gesellschaft zu sein.“ Der Turm sei ein „klares Signal, dass ihr (die islamische Gemeinde, Anm. d. Red.) ein selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft seid“.

Die Marburger Stadtverordnetenvorsteherin Elke Neuwohner (Grüne) erklärte: „Multikulti funktioniert in unserem Land, in unserer Stadt sehr gut. Machen sie weiter, wir brauchen sie.“

Sowohl Spiel als auch später Landrätin Kirsten Fründt erinnerten in ihren Reden auch an islamischen Terrorismus – etwa am 9. September 2001 oder an die Attentatsserie in Paris am 13. November in Paris. Beide verwiesen aber auch auf gemeinsame Anstrengungen gegen Rassismus und Terror. „Der Bau der Moschee in der Mitte Marburgs ist ein Bekenntnis zu unserer freien Gesellschaft, zu der die freie Ausübung der Religion gehört“, sagte Fründt.

Der Marburger Dekan Burkhard zur Nieden überbrachte die Glückwünsche des Runden Tischs der Religionen zum Turmbau und erinnerte in seiner Rede an den Turmbau zu Babel. Und der Islamwissenschaftler Professor Albrecht Fuess vom „Förderverein des Marburger Kultur- und Bildungszentrums mit Moschee“ sagte, durch den Turm werde das Gebäude stärker als Moschee wahrgenommen: „Es ist ein schönes Gesamtpaket geworden.“

Moderiert wurde die Veranstaltung Greta Saiz und musikalisch umrahmt von Enis Usta auf der türkischen Laute. Usta ist ein junger, hochtalentierte Musiker aus Stadtallendorf.

Christian-Meineke Preis verliehen

Am Ende der Veranstaltung verlieh Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies den mit 1500 Euro dotierten Christian-Meineke-Preis für kulturelle Interaktion an den deutsch-schwedischen Freundschaftsverein Marburg. Der Preis wurde zum dritten Mal seit 2018 vergeben. „Wir ehren mit diesem Preis einen Verein, der großen Wert auf das Zusammenwirken von Kulturen und Religionen legt“, erklärte Spies (einen ausführlichen Bericht lesen Sie in der morgigen Ausgabe).

Von Uwe Badouin

12.09.2021
12.09.2021