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Marburg Irritation um Impfintervall
Marburg Irritation um Impfintervall
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14:00 09.06.2021
Ein Mitarbeiter in einem Impfzentrum greift nach einer Ampulle des Impfstoffs Vaxzevria von Astrazeneca.
Ein Mitarbeiter in einem Impfzentrum greift nach einer Ampulle des Impfstoffs Vaxzevria von Astrazeneca. Quelle: dpa
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Marburg

Rund um das Thema Corona-Schutzimpfung herrschte und herrscht an vielen Stellen Unsicherheit, bei vielen Menschen geht es weniger um das „ob“, sondern um das „wann“. Wann werde ich geimpft? Das fragen sich beim Astrazeneca-Impfstoff OP-Leser gleich in mehrfacher Hinsicht. Anfang Mai hatten Bund und Länder die Priorisierung für den Impfstoff Vaxzevria des britisch-schwedischen Herstellers aufgehoben, zudem kann der zeitliche Abstand bis zur Zweitimpfung verkürzt werden, von zwölf auf frühestens vier Wochen.

Diese Diskrepanz macht Heinrich Schmidt aus Kirchhain große Sorgen. Wie der 70-Jährige berichtet, wurde er im Marburger Impfzentrum mit Astrazeneca geimpft, die zweite Spritze erhielt er Ende Mai – neun Wochen nach der ersten Dosis.

Der Zeitraum wunderte ihn, er vertraute jedoch dem Termin-Zyklus, den ihm das Land nach der Online-Registrierung zuwies, wollte den Termin nicht absagen. Nach der Zweitimpfung fing er an zu recherchieren und kommt zu dem Schluss: „Das ist ein viel zu kurzer Zeitraum zwischen der ersten und der zweiten Impfung.“

Land Hessen stellteImpfintervall um

Auch die Ständige Impfkommission (Stiko) beim Robert-Koch-Institut empfiehlt weiterhin, Astrazeneca grundsätzlich ab 60 Jahren und im Zwölf-Wochen-Abstand zu verimpfen. Je länger der Abstand, desto höher die Wirksamkeit, also der Impfschutz. Er kann nicht verstehen, warum Bund und Länder – wohl auch mit Blick auf die Urlaubszeit – von der ursprünglichen Intervall-Regelung abgerückt sind, ärgert sich Heinrich Schmidt. Für ihn eine überstürzte Entscheidung, die viele Menschen wie ihn betreffen dürfte. Heute würde er darauf bestehen, die vollen zwölf Wochen zu warten, „ich fühle mich jetzt einfach schlecht immunisiert, das beunruhigt mich und sicher viele andere“. Er vermutet, dass bei der Terminvergabe des Landes „einiges schief läuft“.

Das Innenministerium teilt auf OP-Nachfrage allerdings mit, dass sich das Land strikt an der Stiko orientiere und der vorgegebene Zeitraum in allen 28 hessischen Impfzentren auch eingehalten werde: Demnach gelte an allen Standorten für die mRNA-Wirkstoffe (Biontech und Moderna) jeweils ein Abstand von sechs Wochen, Astrazeneca werde ausnahmslos erst nach zwölf Wochen ein zweites Mal gespritzt.

„Wenn ein Impfberechtigter den Termin für die Zweitimpfung aus wichtigem Grund – zum Beispiel krankheitsbedingt – nicht wahrnehmen kann, kann dieser bis zu drei Wochen zeitlich nach hinten verschoben werden. Ein früherer Termin ist grundsätzlich nicht möglich“, schreibt das Ministerium. Dafür fehle dem Land allein schon die Impfstoffmenge, das sei mit ein Grund „warum nicht Hunderttausende Zweittermine bei den verschiedenen Impfstoffen vorgezogen werden können“.

Alle Bürger, für die der Zweittermin mit Astrazeneca in einem Impfzentrum ansteht, wurden darüber informiert. Auch Heinrich Schmidt erhielt eine solche Mitteilung, was erst recht für Verwirrung sorgte. Klar ist, dass bei ihm das Impf-Intervall verkürzt wurde, das belegt seine durch das Land versandte Terminbestätigung.

Gab es dabei also einen Fehler? Laut Innenministerium nicht, denn Heinrich Schmidt war noch wie auch andere Impflinge von einer Umstellung bei den Impf-Fristen betroffen. Das Land hatte vorübergehend einen Neun-Wochen-Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung vorgegeben, erst ab Ende März wurde dann das Impfintervall wieder umgestellt und verlängert. Auch dabei habe man sich nach den Empfehlungen der Stiko gerichtet, schreibt das Ministerium auf Nachfrage. Bereits angesetzte Termine wurden zudem beibehalten. Impflinge wie Heinrich Schmidt, die noch Mitte März eine Terminbestätigung erhalten hatten, fielen weiter in die vorherige Regelung.

Impfpass-Eintrag statt Formular

Bislang gab es am Marburger Impfzentrum keinen Eintrag in den gelben Impfpass, Geimpfte erhielten stattdessen ein Ersatzformular, mit Impfstoff-Mittel, Unterschrift, offiziellem Stempel und Aufkleber mit der Chargennummer.

Das DIN-A4-Blatt gilt als offizieller Nachweis der Corona-Impfung. Damit machte jedoch Kurt Fietze eine ganz andere Erfahrung: Der Stadtallendorfer ist geimpft, wollte in einem Hotel ein Zimmer buchen. Vergeblich, denn das Ersatzformular sei dort nicht anerkannt worden. „Das ist einfach ärgerlich, man muss das nachträglich in den Impfpass nachtragen lassen“, berichtet der OP-Leser. Das habe sein Hausarzt jedoch abgelehnt, mit der Begründung, dass er nicht der impfende Arzt war. 

Mit dem Nachweis kann jedoch nicht nur jeder Arzt die Eintragung in den Impfpass vornehmen, auch die Patienten können den Ausdruck selber zurechtschneiden und einkleben, „der Hausarzt darf es natürlich in den Impfpass eintragen, jeder andere darf es auch nachtragen“, bestätigt Dr. Hartmut Hesse, Vorsitzender des Ärzteverbunds Prima.

Das Ersatzformular ist nun jedoch Geschichte, zuletzt hatte das Land Hessen nochmals alle Impfzentren darauf hingewiesen, „dass die durchgeführten Impfungen in den Impfpass eingetragen werden müssen und dass lose Blätter, die in den Impfpass gelegt werden können, leider nicht anerkannt werden“, heißt es vom Sozialministerium. Dort hatte Kurt Fietze nachgefragt und diese Antwort erhalten.

Das Impfzentrum des Landkreises hat mittlerweile umgestellt: Alle Impfungen, die im Impfzentrum stattfinden werden direkt in den Impfausweis eingetragen, teilt die Pressestelle mit.

Für das Nachtragen von bereits erfolgten Impfungen steht montags bis freitags von 11 bis 19 Uhr ein Schalter in einem Bürocontainer im Eingangsbereich des Impfzentrums zur Verfügung. Dazu müssen die Impfbescheinigung, ein Ausweis und der Impfpass mitgebracht werden.

Neben dem klassischen Impfausweis soll Ende Juni zusätzlich der digitale Impfnachweis bundesweit eingeführt werden. Laut Bundesregierung wird der digitale Impfnachweis in Arztpraxen oder Impfzentren per Barcode zum Abscannen generiert. Per Impfpass-App können dann Impfzertifikate eingelesen und gespeichert werden, mit denen sich der Impfstatus über das Smartphone nachweisen lässt.

Von Ina Tannert

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