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Marburg Die Jugend in der Krise
Marburg Die Jugend in der Krise
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08:00 04.03.2021
Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) in ihrem Büro im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) in ihrem Büro im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Quelle: Bernd von Jutrczenka
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Franziska Giffey, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, spricht im OP-Interview über die drängendsten Probleme der Jugend in Pandemie-Zeiten.

Oberhessische Presse: Frau Giffey, von welchen Problemen ist gerade die Jugend während der Corona-Pandemie betroffen?

Franziska Giffey: Für alle Altersgruppen ist diese Zeit besonders belastend. Bei Kindern und Jugendlichen stellen wir aber fest, dass insbesondere die Einsamkeit zunimmt. Es fehlen einfach die Kontakte – in der Schule, aber auch an anderer Stelle, im Vereinsleben, im Sport zum Beispiel. Die Ungewissheit ist eine Belastung. Und dass die Planbarkeit fehlt. Wir sehen das auch bei unseren Beratungsangeboten, etwa der „Nummer gegen Kummer“. Insgesamt ist die Zahl der Beratungen im Vergleich zum Vorjahr in 2020 um 7 Prozent gestiegen, beim Elterntelefon sogar um 64 Prozent. Und bei den Online-Beratungen für Kinder und Jugendliche sind es 31 Prozent mehr. Es geht viel um Perspektivlosigkeit, Langeweile oder eben Einsamkeit und leider auch um Gewalt.

Wie lassen sich mögliche Auswirkungen der aktuellen Situation bei der „Generation Corona“ künftig abfedern?

Von einer Corona-Generation möchte ich nicht reden, den Begriff halte ich für falsch. Ja, es ist durch die Pandemie viel verloren gegangen, aber es wurde auch einiges gelernt. Wenn man sich anschaut, was sich technisch an den Schulen im Distanzunterricht im Vergleich zum Frühjahr vor einem Jahr getan hat. Da würde ich mir wünschen, dass viel davon erhalten bleibt. Um Defizite auszugleichen, brauchen wir mehr Schulsozialarbeit und zusätzliche Angebote für Nachhilfe. Wir machen aber auch schon viel. Nur ein Beispiel sind die Sonderregelungen beim Kinderzuschlag oder beim Elterngeld. Neben der finanziellen Unterstützung ist es aber auch wichtig, die Kinder- und Jugendarbeit zu stärken.

Sie setzen sich für schnellere Lockerungen und die weitere Öffnung der Schulen in mehreren Stufen ein. Welche Schritte sind dafür notwendig?

Einer davon ist das vermehrte Testen und da sehe ich die Schnell- und Selbsttests für den Gebrauch durch Laien als enormen Fortschritt. Die ersten sind bereits für die Eigenanwendung zugelassen, weitere Schnelltests sind im Zulassungsverfahren. Diese sind auch für Kinder sehr leicht zu handhaben. Das ist eine große Chance, auf die weitere Öffnungen aufbauen können. Für die Schulen, aber auch in der Kinder- und Jugendhilfe, bis hin zu Geschäften und der Gastronomie. Das Testen bildet die Brücke zum Impfen. Die vorgezogene Impfung für das pädagogische Personal in Kitas, Kindertagespflege, Grund- und Förderschulen ist dann ein weiterer Schritt.

Mehr soziale Kontakte durch Kita- und Schulöffnungen sind die eine Seite, auf der anderen steht der Infektionsschutz. Ein Spannungsfeld. Welche hat Vorrang?

Es muss immer abgewogen werden zwischen Kinderschutz und Gesundheitsschutz – aber Kinderschutz ist ja auch Gesundheitsschutz. Es gibt viele Begleiterscheinungen, von denen Kinder und Jugendliche betroffen sind. Sie leiden am meisten unter den Einschränkungen, nicht nur unter Bewegungsmangel, sondern eben auch unter Einsamkeit. Es sind nicht nur Bildungslücken, sondern auch Bindungslücken entstanden.

Von Ina Tannert

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