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Marburg Frauen an die Macht
Marburg Frauen an die Macht
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08:00 08.03.2020
Müllwerkerin Svenja Sünkel (MKG) Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Wenn sie in ihrer Uniform oder Arbeitskleidung in Marburg auftauchen, dann gibt es immer ein nettes Lächeln zurück. Weil sie doch noch aus der Masse herausstechen. Carmen Werner, Yvonne Mischker und Svenja Sünkel. Alle drei arbeiten in typischen Männerberufen und fühlen sich richtig wohl.

Yvonne Mischker redet Tacheles

Dass sie von ihren männlichen Kollegen anfangs erst einmal getestet wurden, ob sie’s „drauf haben“, damit können sie gut umgehen. „Danach war alles klar“, sagt Yvonne Mischker, die erst seit einem halben Jahr hauptamtlich bei der Feuerwehr in Marburg arbeitet. Sie war Hauptfeldwebel bei der Bundeswehr, war verantwortlich für 84 Männer in ihrer Kompanie. „Das klappt“, sagt die 35-Jährige kurz und knapp. „Da wird mal kurz Tacheles geredet und dann ist alles geklärt. Männer kommunizieren anders, sind direkter. Da können wir Frauen uns schon mal was von abgucken“, gibt sie lachend zu.

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Svenja Künkel macht die Arbeit Spaß

Das sieht Svenja Sünkel auch so. Sie ist derzeit die einzige Müllwerkerin bei den Marburger Stadtwerken. Vom ersten Tag an hat ihr die Arbeit Spaß gemacht, kam sie gut mit ihren männlichen Kollegen aus. „Na klar gab es schon mal den einen oder anderen schlappen Spruch. Aber hey, da kann ich schon zurück kontern“, sagt die 31-Jährige mit einem Augenzwinkern.

Die Großseelheimerin hat in der Hotelerie gelernt, später als Kosmetikerin gearbeitet. Mit orangen Haaren und bunt tätowierten Armen hat sie sich beworben, „weil dort explizit stand, dass Frauen sich bewerben sollen“, erinnert sie sich. Mit einem guten Gefühl ging sie vor gut einem Jahr aus dem Vorstellungsgespräch. „Sie haben nicht nach Vorkenntnissen oder ähnliches gefragt. Sie wollten wissen, ob ich mit unterschiedlichen Menschentypen klar komme“, berichtet Svenja Sünkel im OP-Gespräch.

Svenja Sünkel ist derzeit die einzige Müllwerkerin bei den Marburger Stadtwerken Quelle: Thorsten Richter

Klar kann sie. Und das beweist sie jeden Tag auf ihren Touren. „Mir wird oft zugewunken“, freut sie sich, dass sie wahrgenommen wird. Und die Kollegen? „Die haben mich total akzeptiert. Wir agieren wirklich auf Augenhöhe.“ Und wenn eine Mülltonne doch mal zu schwer ist, „dann helfen sie. Das ist doch selbstverständlich.“

Carmen Werner ist Frau über 30 Männer

Diese Erfahrung hat Carmen Werner auch gemacht. Die Ingenieurin, die seit neun Jahren einem 30-köpfigen Männer-Team am Erlenring vorsteht und der auch die 500 ehrenamtlichen Kräfte der Einsatzabteilungen aller Freiwilligen Wehren unterstellt sind, kann sich an keine Begebenheit erinnern, bei der sie aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt wurde. „Das ist in anderen Städten anders“, berichtet sie von Erzählungen befreundeter Feuerwehrfrauen.

Im Einsatz wird ihre Position als Leitung von den Kameraden nie in Frage gestellt „und auch im Büro läuft es ganz normal“, sagt Carmen Werner. Während sie unter den Kollegen eine hohe Akzeptanz erfährt, ist das „draußen“ manchmal anders. „Da habe ich schon erlebt, dass eine Frau als Einsatzleitung von der Bevölkerung nicht akzeptiert wird“, berichtet sie.

Frauentag - starke Frauen bei der Marburger Feuerwehr: Carmen Werner und Yvonne Mischker Quelle: Thorsten Richter

Von Katja Peters

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