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Marburg Marburg zeigt Haltung gegen Rassismus
Marburg Marburg zeigt Haltung gegen Rassismus
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16:36 15.03.2022
Demonstranten halten ein Plakat, auf dem steht „Wir stehen auf gegen Rassismus“.
Demonstranten halten ein Plakat, auf dem steht „Wir stehen auf gegen Rassismus“. Quelle: Archivfoto
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Marburg

Unter dem Motto „Haltung zeigen“ finden vom 14. bis 27. März die Internationalen Wochen gegen Rassismus statt – bundesweit organisiert von der Stiftung gegen Rassismus mit kulturellen Veranstaltungen, Mitmach-Angeboten, Projekten, Austauschmöglichkeiten und Informationsveranstaltungen, um auf die gelebte Vielfalt, das gesellschaftliche Engagement sowie den Zusammenhalt aufmerksam zu machen, und ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Rassismus zu setzen.

Mitmach-Aktionen, Workshops und mehr

Dazu finden auch zahlreiche Veranstaltungen in Marburg statt. Mit Rundgängen, Mitmach-Aktionen, Online-Veranstaltungen wie Workshops oder Diskussionsrunden: Marburgerinnen und Marburger veranstalten 20 Beiträge gegen jede Form von Rassismus, Hass und Diskriminierung. Zum sechsten Mal seit 2017 beteiligt sich die Stadt Marburg an der Anti-Rassismus-Kampagne der Vereinten Nationen.

„Marburg positioniert sich gemeinsam gegen Rassismus und gegen jegliche Form der Diskriminierung. Deshalb ist klar, dass wir uns auch in der Pandemie und trotz – oder gerade wegen – dem Krieg in der Ukraine an den Internationalen Wochen gegen Rassismus beteiligen“, erklärt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. „Marburg hat eine klare Haltung gegen die Abwertung und Ausgrenzung von Menschen wegen ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe, ihrem Glauben, ihrer Kultur, ihrem Geschlecht oder ihrer sexuellen Identität“, ergänzt der Oberbürgermeister, der selbst am Auftakt der Internationalen Wochen beteiligt ist. In Marburg ist der offizielle Auftakt der „Postkoloniale Stadtrundgang“ am Sonntag, 13. März – den Abschluss bildet „Tacheles #2“ am Dienstag, 29. März. „Rassisten sind nicht als Rassisten geboren, sie sind Rassisten geworden. Bei der Entwicklung zu Rassisten hat ihnen die ganze Gesellschaft ,geholfen’. Wir sind deshalb alle in der Pflicht, wachsam zu bleiben“, sagt Xiaotian Tang, Integrationsbeauftragte der Stadt Marburg: „Wir sagen laut Nein zu Rassismus. Egal, ob als Witz oder Meinung, die bei einer Familienfeier auftaucht. Haben Sie Mut und trauen Sie sich: ,Stopp’ sagen hilft.“

Die Stiftung gegen Rassismus

Seit 1995 hat der Interkulturelle Rat die Initiativen und Aktivitäten rund um den 21. März anlässlich des Internationalen Tages gegen Rassismus in Deutschland koordiniert. Im Jahr 2008 wurde der Aktionszeitraum aufgrund der Vielzahl der Veranstaltungen und steigenden Beteiligung auf zwei Wochen ausgeweitet. Um diese wichtige Arbeit nachhaltig zu sichern, hat der Interkulturelle Rat im Jahr 2014 eine gemeinnützige Stiftung gegründet. Seit Januar 2016 laufen die operativen Arbeiten des Projektes Internationale Wochen gegen Rassismus nun über die Stiftung.

Die Stiftung ist gegründet worden auf Initiative von Dr. Theo Zwanziger mit Unterstützung des Interkulturellen Rates in Deutschland, der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, des Fördervereins Pro Asyl und des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

Dass eine klare Haltung und Engagement gegen Rassismus notwendig sind, zeigen Zahlen des Bundeskriminalamtes zu sogenannter „Hasskriminalität“. Das sind Straftaten, bei denen Täterinnen und Täter durch gruppenbezogene Vorurteile motiviert sind. Im Jahr 2020 wurden mehr als 10 000 solcher Fälle gezählt: Eine Zunahme zum Vorjahr um knapp 20 Prozent. An die Antidiskriminierungsstelle des Bundes wurden im Jahr 2020 über 2 000 Anfragen im Zusammenhang mit rassistischer Diskriminierung gestellt.

Projekt „Dialog und Vielfalt“ steuert Mittel bei

In Marburg tragen rund 20 Kooperationspartnerinnen und -partner zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus bei. Initiiert und abgestimmt wird das Programm von Aygün Habibova aus dem Projekt Antidiskriminierungsarbeit und -beratung, den Koordinationskräften des Landesprogramms „Wegweisende Integrationsansätze realisieren“ (WIR), Adji Gaye und Andrea Fritzsch, dem Ausländerbeirat sowie Johannes Maaser, Koordinator des Projekts „Einsicht – Marburg gegen Gewalt“ im Fachdienst Gefahrenabwehr der Stadtverwaltung. Die Internationalen Wochen werden durch Mittel des Projekts „Dialog und Vielfalt“ des Fachdienstes Bürger/innenbeteiligung unterstützt.

Veranstaltungen in Marburg

Die offizielle Auftaktveranstaltung findet in Marburg bereits einen Tag vor dem Start der Aktionswochen statt: Am Sonntag, 13. März, findet um 10.30 Uhr ein Postkolonialer Stadtrundgang zum Thema „Inwieweit ist der Kolonialismus – auch in Marburg – bis heute im Alltag präsent?“ statt, bei dem Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies als Gesprächspartner teilnehmen wird. Organisiert wird die Aktion vom Weltladen Marburg. Treffpunkt und erste Station des Rundgangs ist das Denkmal „Verblendung“ (ehemaliges Jägerdenkmal) im Ludwig-Schüler-Park Marburg.

Weiter geht es mit einem Online-Vortrag des Ausländerbeirats und Kerner zum Thema „Umfang mit Unterschieden: Kindern Vielfalt wertschätzend vermitteln“ am Dienstag, 15. März, um 18 Uhr. Dabei zeigt Diversity-Trainerin Dr. Nkechi Madubuko Wege, wie man vorurteilssensibel erziehen kann und Kinder, die Diskriminierungserfahrungen gemacht haben, unterstützen kann. Der Vortrag wird am 24. April um 18 Uhr noch einmal wiederholt. Die Zugangsdaten sind unter https://www.marburg.de/migration zu finden.

Über den gesamten Zeitraum der Aktionswochen stellt die Seebrücke Marburg eine online Materialsammlung zum Thema „Kritisches Weißsein“ zur Verfügung. Podcasts, Videos, Bücher u.v.m. werden zum Reflektieren der eigenen Rolle in der Gesellschaft einladen. Begleitend dazu finden drei Online-Abende zum Austausch am 17. März, 24. März und 7. April jeweils von 19 bis 20.30 Uhr statt. Für den zweiten und dritten Termin wird um vorherige Anmeldung per Mail (marburg@seebruecke.org) gebeten. Alle Informationen zur Anmeldung, die Beschreibungen der einzelnen Austauschabende, sowie den Link zur Materialsammlung finden sich unter https://seebruecke.org/mach-mit/deutschland/hessen/marburg

Am Freitag, 18. März, bietet das Jugendbildungswerk der Universitätsstadt Marburg von 9 bis 15 Uhr den Online-Workshop „“#1coolermove” - Gegen Diskriminierung für eine solidarische Zivilgesellschaft“ an. Dabei wird durch Expertinnen und Experten des Paritätischen Bildungswerks Bundesverband e.V. in das Online-Tool „#1coolermove“ eingeführt, das genutzt werden kann, um mit Jugendlichen über Themen wie Ausgrenzung, Mobbing, Diskriminierung und Zivilcourage ins Gespräch zu kommen und gemeinsame Lösungswege zu finden. Der Workshop richtet sich an Pädagogische Fachkräfte, Lehrkräfte und Multiplikator*innen. Eine Anmeldung ist bis zum 14. März per E-Mail an jugendbildungswerk@marburg-stadt.de möglich.

Ein „Tag der offenen Tür gegen Rassimus“ mit Informationsständen und Mitmach-Stationen findet am Freitag, 18. März, beim Verein Arbeit und Bildung (Ernst-Giller-Str. 5) statt. Besucher haben von 10 bis 14 Uhr die Möglichkeit, an unterschiedlichen Stationen kritische Beiträge zum Thema Rassismus und Angebote zur Stärkung von Diversität zu entdecken. Für Getränke und einen Imbiss ist gesorgt.

In der Marburger Fußgängerzone kann man gleich zwei Mal Improvisationstheater erleben: am Freitag, 18. März, von 16 bis 18 Uhr an der Treppe der Wasserscheide und am Samstag, 19. März, von 11 bis 13.30 Uhr am Marktplatz. Die Initiative „200 nach Marburg“ setzt sich gemeinsam mit dem Fast Forward Theater & Otako in Straßenszenen mit dem Thema Flucht und Fremdsein auseinander. Es werden Fragen des Ankommens und Willkommenseins gestellt und Impulse gegeben. So kann die eigene Position reflektiert und der Versuch unternommen werden, sich in die Lage von Geflüchteten zu versetzen.

Zum Mitmachen fordert die Marburger Moschee bei der „Living Library – Vorurteile Abbauen, Verbindungen schaffen“ auf. Die „Lebenden Bücher“ gehören Personengruppen an, die mit Vorurteilen, Stereotypisierung und sozialer Ausgrenzung konfrontiert sind. Die Entleiher*innen bekommen so die Möglichkeit, mit Menschen zu sprechen, mit denen sie sonst nicht oder nur erschwert in einen Dialog treten würde. Die Aktion findet am Sonntag, 20. März, in den Räumen der Islamischen Gemeinde e.V. Marburg statt. Gleichzeitig werden Führungen durch die Moschee und die Möglichkeit zum Kennenlernen mit Tee und orientalischem Gebäck angeboten.

Der Verein Arbeit und Bildung bietet einen Online-Workshop mit praktischen Handlungsoptionen zum Thema „Der Umgang mit Hass und Hetze im Netz“ an. Am Dienstag, 22. März, zwischen 16.30 und 18 Uhr, behandelt Referentin Ida Leichthammer mit den Teilnehmenden, wie man mit Hetze und Diskriminierung aus dem Netz umgehen kann. Dafür wird praxisorientiert an unterschiedlichen Fällen gearbeitet. Eine Anmeldung ist bis zum 20.03.2022 an leichthammer@arbeit-und-bildung.de möglich.

„Keine Angst vor’m AGG - mit positiven Maßnahmen attraktiver Arbeitgeber sein“ lautet der Titel eines weiteren Online-Workshops des Vereins Arbeit und Bildung e.V. Der Online-Workshop für Inhaber*innen und Personalverantwortliche in kleinen und mittleren Unternehmen findet am Mittwoch, 23. März von 10 bis 12 Uhr statt und gibt einen Überblick über die Bedeutung des AGG für die Arbeitswelt. Denn dieses soll Diskriminierung vermeiden, führt jedoch immer wieder zu Unsicherheiten „etwas falsch zu machen. Thematische Inputs, Beispiele positiver Maßnahmen, Austausch und Transfer sind Bestandteile des Workshops. Eine Anmeldung ist bis 21.03.2022 per E-Mail an iq-hessen@arbeit-und-bildung.de möglich.

Weiter geht es am Donnerstag, 24. März um 18.30 Uhr mit einem Erzählcafé zur Wahrnehmung von Rassismen im Alltag und Selbstreflexion. Die vom Fachdienst Migration und Flüchtlingshilfe/der WIR-Koordination veranstaltete offene Gesprächsrunde findet im Saal der Evangelischen Gemeinschaft Marburg Süd und online statt. Alle Teilnehmenden sind eingeladen, sich in einer offenen Gesprächsrunde mit der Selbstreflexion über Rassismus, eigenen Erfahrungen und Erlebnissen im Alltag sowie Möglichkeiten für Veränderungen auseinanderzusetzen.

Das KiJuPa Marburg führt gemeinsam mit der Frauenvereinigung Soroptimist international Club Marburg erneut die Stolperstein-Aktion „Sichtbar machen“ durch. Treffpunkt ist am Sonntag, 27. März, um 15 Uhr an der Synagoge in der Liebigstraße. Auf diesem Gedenksparziergang werden die Stolpersteine gereinigt und es wird den Schicksalen der dort abtransportierten jüdischen Mitbürger*innen gedacht.

Die offizielle Abschlussveranstaltung der Internationalen Wochen gegen Rassismus in Marburg „TACHELES #2 - Digitale Vernetzungskonferenz zu Rassismus und Ausgrenzung in Marburg“ findet schließlich am Dienstag, 29. März, von 18 bis 21 Uhr statt. In der Online-Veranstaltungen sollen Fragen wie „Wo stehen wir auf dem Weg zu einer rassismus- und diskriminierungsfreien Stadtgesellschaft? Wer ist wo aktiv? Was wurde seit der letzten TACHELES-Konferenz in Marburg getan und wie soll es weitergehen?“ beantwortet. Die Vernetzungskonferenz soll aktive Marburger*innen zum Austausch zusammenbringen. Die Konferenz wird im Rahmen des städtischen Programms „Für Dialog und Vielfalt – Gegen Rassismus, Ausgrenzung und Demokratiefeindlichkeit“ vom Fachdienst Bürger*innenbeteiligung umgesetzt.

Weitere Aktionen auch über den offiziellen Aktionszeitraum hinaus: Auch nach dem Ende des offiziellen Aktionszeitraums finden in Marburg weitere Veranstaltungen im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus statt: So finden zwei Live-Workshops mit Diversity-Trainerin Dr. Nkechi Madubuko für Eltern und Erzieher*innen zum Empowerment von Kindern statt. Jeweils von 10 bis 16:30 Uhr wird der Workshop am 07. Mai im Bürgerhaus Cappel und am 14. Mai im Jugendzentrum Stadtallendorf statt. Veranstaltet werden die Workshops vom Ausländerbeirat und Kerner Marburg.

Der AKSB Marburg veranstaltet am Montag, 9. Mai, von 14 bis 17 Uhr eine Skurrile Strickaktion (Pantomime gegen Rassismus) auf der Freifläche vor der Kindertagesstätte in der St.-Martin-Straße im Waldtal. Mit der skurrilen Strickaktion sollen verschiedenste Passant*innen ins Gespräch gezogen werden und gemeinsam an einem Werkstück stricken.

Ein Live-Workshop des Ausländerbeirats und Kerner Marburg für Lehrpersonal zum Thema „Diversitätssensibler Klassenraum“ findet am Samstag, 11. Juni, von 10 bis 16.30 Uhr im Bürgerhaus Cappel statt.

Zudem wird das bereits im letzten Jahr erfolgreiche Religionsgespräch weitergeführt: Im Religionsgespräch 2.0 werden am 1. Juli ab 15 Uhr die hauptsächlich im Waldtal vertretenen Religionsgemeinschaften im Waldtal in der Turnhalle der Kita „Die Kleinen Strolche“ ins Gespräch kommen. Organisiert wird die Veranstaltung erneut vom AKSB.

Das vollständige Programm der „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ in Marburg sowie Flyer und Informationen zu den Einzelveranstaltungen und Angeboten aller beitragenden Personen und Organisationen werden auf der städtischen Homepage veröffentlicht unter www.marburg.de/migration. Die Veranstaltungen sind ebenfalls zu finden im Veranstaltungskalender der Stiftung gegen Rassismus: https://stiftung-gegen-rassismus.de/veranstaltungskalender.

Von Michael E. Schmidt

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