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Marburg Instagram-Stars auf vier Pfoten
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19:00 16.01.2021
Findus
Findus Quelle: Ina Velte
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Gladenbach

Träge öffnet „Yoda“ die gold-gelben Augen und auch das nur so halb, als der fremde Besuch den Raum betritt – gemütlich döst der Kater mit dem grauen Fell weiter auf einem weichen Kissen auf der Küchenanrichte. Aufstehen? Beim Nickerchen am Lieblingsplatz stören lassen? Niemals. So verpennt ist der entspannte Britisch Kurzhaar Kater und sein Kumpel „Findus“ nicht immer: Wenn Frauchen Ina Velte die Kamera auspackt, dann kommt Leben in die Katzen, denn dann ist es Zeit für einen neuen Instagram-Hit.

Okay, eigentlich ist es umgedreht – sobald die Vierbeiner mal ausgeschlafen haben, dann muss die Katzenhalterin den perfekten Moment abpassen, „die Kamera habe ich immer griffbereit“, erzählt die 48-Jährige lachend. Die beste Pose, den witzigen Blick, das schönste Bild, das eine Geschichte erzählt. Und davon gibt es jede Menge auf dem Instagram-Account der beiden vierbeinigen Stars fellnasentogether.

Ina Veltes ganzer Stolz: ihre Kater Yoda (vorn) und Findus. Foto: Ina Tannert

Den pflegt Ina Velte nun seit sechs Jahren und versorgt ihre Follower mit immer neuen Fotos und vor allem den Geschichten dahinter. „Man teilt immer kleine Lebensgeschichten und die Geschichte macht das Bild erst aus“, schwärmt Ina Velte. Sie postet meistens im Namen der Vierbeiner, aus deren Perspektive. Die Tiere erzählen selber von ihrem Tag. Ein Schnappschuss von Findus zeigt ihn wohlig im Garten dösend, „good morning Instafriends, it’s a lazy day today“, grüßt der Kater. Ein anderes Bild zeigt beide in einem Prospekt „blätternd“, vertieft in eine Diskussion über das neueste Warenangebot.

Kamerascheu sind die beiden nicht – knapp 500 Bilder finden sich auf der Seite, natürlich gibt es noch viel mehr im Archiv. Die besten werden fast täglich neu gepostet. Darunter Schnappschüsse von urigen Gesichtsausdrücken, die wohl viele Katzenbesitzer zum Lachen bringen. Yoda in Hab-Acht-Stellung den Wasserhahn bewachend, aus dem er am liebsten trinkt – oder als echte Grinsekatze, „the most charming smile of the week“ lautet der dazugehörige Kommentar, den viele Fans geliked haben.

Yoda mimt dabei den distanzierten Anführer-Typ der Katzen-Charaktere, „der Große, der Chef im Ring“, wird so auch auf Instagram verkörpert, erklärt Ina Velte lachend. Gegenpart Findus ist eher „die kleine Nervensäge“, die – aus Sicht des genervten „Onkels“ – alles falsch macht. Doch ist er auch „der Charming Boy – viele Fans lieben ihn einfach“.

Eigentlich fing das Instagram-Hobby mit Landschaftsaufnahmen der begeisterten Hobby-Fotografin an, dann stellte sie fest: Die Begeisterung für Katzenbilder ist noch einmal ungleich höher. Und ihre beiden Vierbeiner kamen bestens an, kaum gestartet erreichte ihr Account innerhalb weniger Wochen direkt 500 Follower. „Das war Wahnsinn, Katzen-Accounts liefen zu der Zeit super“, erinnert sie sich.

Wichtige Stütze in Krisenzeiten

Der zehn Jahre alte Yoda ist der Onkel von Findus (8), wird im Netz auch gerne „Onkel Yoda“ genannt und kam als junges Kätzchen als Notfall zu Ina Velte. Ihr erster Kater, und die Begeisterung für die Tiere wuchs schnell, bei der Mutter wie den beide heute erwachsenen Söhnen. Und dann kam Findus dazu, schnell sammelten sich die ersten Fotos des auffälligen Paares an. Vor wenigen Jahren dann der Instagram-Höhepunkt: 26.000 Follower und knapp 130.000 Likes. Ein Fan aus Bangkok zeichnete ihr ein eigenes Logo, Tausende Katzenfreunde tauschen stetig ihre liebsten Bilder aus. Manche lernte sie näher kennen, besuchte schon andere Katzenfreunde, etwa in den USA, und poliert nebenbei ihr Englisch auf. „Man hat nicht viele, mit denen man Adressen austauscht, aber einige werden echte Freunde“, erzählt Ina Velte.

Und diese teilen im Netz nicht nur Katzengeschichten, sondern alle Ereignisse im Leben, Geburten, Heirat, geben auch in Krisenzeiten Halt: Vor vier Jahren starb Ina Veltes Ehemann. Bei Freunden und Familie, aber auch im Internet fand sie fiel Trost und Zuspruch, „da haben sich die sozialen Netzwerke als wirklich sozial erwiesen“, erinnert sie sich. Für sie eine große Stütze, „das war überwältigend und hat richtig gut getan“. Auch ihre beiden Katzen wurden in dieser Zeit zu einer Art Fels, „zu einer richtigen Konstante“, deren normaler Tagesablauf musste schließlich weitergehen. „Das hat geholfen, nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren.“

Feste Rituale fordern die Katzen bis heute ein, jeden Morgen vor der Arbeit wird die Halterin zur Tür begleitet, nach Feierabend wieder abgeholt. Ihr Job kostet die Verwaltungsbeamtin viel Zeit, dennoch versorgt sie ihre heute 19.500 Abonnenten noch immer regelmäßig mit den besten Schnappschüssen. Warum die ganze Arbeit, mit der sie gar kein Geld verdient? „Es macht mir einfach Spaß – ich habe hier zwei Hobbys in einem verbunden, Fotografie und Katzen, das ist genau mein Ding“, sagt sie.

Und eine Herausforderung ist stets der „first catch“ – der Moment, wenn sie die beste Pose einfängt. Etwa beide Katzen, nebeneinander auf dem Rücken liegend, blicken fragend in die Kamera. Knips. Perfekt. Mittlerweile hat sie ihre Bilder nicht nur im Netz, sondern auch im analogen Leben ausgestellt – die ersten, die das neueste Foto ihrer beiden Stars aber bis heute sehen dürfen, sind ihre Follower.

Von Ina Tannert