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Marburg Innenstadt-Rundgang auf den Spuren von Heilpflanzen
Marburg Innenstadt-Rundgang auf den Spuren von Heilpflanzen
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18:58 14.06.2020
Kuratorin Schabnam Kaviany sitzt an der Bank, die Künstler Baris Göcen für die „Liebesoase“ des Marburger Heilkräuterpfades am Marburger Rathaus gestaltet hat. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

Die Liebesoase besteht einerseits nur aus drei in Regenbogenfarben verzierten Ruhebänken, die Raum zum Kuscheln bieten. Künstler Baris Göcen vom Projekt „Unikat 44“ hat jede dieser „Liebesbänke“ liebevoll gestaltet, in dem er sie mit zwei einander zugewandten Händen und einem Herz verschönert hat. „Die Liebe ist eine universelle Kraft“, sagte Göcen.

Integraler Bestandteil der Liebesoase sind Pflanzenbeete, in denen einerseits Rosen als universelle Liebesboten zu finden sind. „Die Rose war im Mittelalter die Pflanze der jungen Frauen“, erläutert Sabine Clement, eine der Marburger Kräuterfrauen von heute. Sie verriet noch einen besonderen Trick von damals, mit dem sich die Frauen der Liebe ihres Partners versichern konnten: Sie mussten mit den Lippen zwei Rosenblüten von einem Rosenbusch abpflücken und dann zu einem Bach tragen. Wenn die Blüten dann im Wasser zusammenblieben, war das ein Zeichen für die Beständigkeit der Beziehung.

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Die zweite Pflanze im Bunde an der Liebesoase ist die Schafgarbe, die einen ätherischen Duft verströmt. „Sie galt als Augenbraue der Liebesgöttin Venus“, verrät Sabine Clement. Noch nicht hervorgekommen ist Pflanze Nummer drei, der Safrankrokus. Diese Pflanze aus dem asiatischen Raum sollte schon vor Tausenden von Jahren die Liebeslust anregen.

In der gesamten Stadt verteilt sind jetzt insgesamt zwölf Heilpflanzenoasen ähnlicher Machart. Zu den Stationen unter anderem Liebesoasen, Energietank-Oasen, Entspannungs-Oasen, Traumoasen und zwei Frauenbänke. In der Oberstadt befinden sich die Stationen noch am Marktbrunnen, an der Wasserscheide und vor der Brüder-Grimm-Stube.

Weitere Bänke und Pflanzenkübel wurden beim Hexenturm am Marburger Schloss sowie im Alten Botanischen Garten an den Heilkräuterbeeten (vor der Uni-Bibliothek) aufgestellt.

Und wer auf seinem Smartphone entweder einen QR-Code anklickt, hört an den einzelnen Stationen noch Überraschungen, erdacht und produziert von den Machern der Hörtheatrale um Daniel Sempf. So spricht an der Wasserscheide an der Energieoase plötzlich ein Gänseblümchen mit der Stimme der Schauspielerin Franziska Knetsch: „Sieh hin und schau, wie schön ich bin, frech und ungestüm bereite ich dir Lust und Freude. Denn ich bin die Hingabe an das Leben in ungezügelter Leidenschaft.“

„Die fast das ganze Jahr blühenden Gänseblümchen galten als die ausdauernden Schönen“, erläuterte beim Presserundgang Dr. Kerstin Demuth, Leiterin der Grünen Schule des Botanischen Gartens. Zudem wurden sie übrigens im Mittelalter in Form von Tinktur, Salbe oder Tee nahezu als medizinisches Allheilmittel eingesetzt, von der Wundheilung bis zur Gelenkermüdung und wurden auch in der Frauenheilkunde genutzt. Der Beifuß und die Wegwarte komplettieren das Pflanzentrio an der Wasserscheide.

Die Vorstellung der Heilpflanzenoasen diente Kulturamtsleiterin Ruth Fischer gleichzeitig auch dazu, die Programmbroschüre „Magie der Kräuter“ zu präsentieren, die anlässlich des Marburger Hexenjahrs erarbeitet wurde. Neben allen Infos rund um die Oasen findet sich darin auch Wissenswertes über mehr als 40 Veranstaltungen, Workshops, Führungen und Ausstellungen rund um das Thema Kräuter. „Damit soll auch das Vorurteil entkräftet werden, dass alle Hexen kräuterkundig und alle Kräuterkundigen Hexen gewesen seien“, sagte Fischer. Vielmehr sei das Wissen um die Heilkräfte von Kräutern wesentlich älter als die Hexenverfolgungen und habe auch nach der Auswertung der historischen Quellen wenig mit diesem systematischen Unrecht zu tun.

Wer also erfahren will, welche heilenden Wirkungen Engelstrompete, Grünkohl, Johanniskraut oder Hopfen haben oder hatten, der kann das auch in der Broschüre nachlesen, die in der Tourist-Information, der Stadtbücherei oder der Stadthalle, aber auch in einigen Buchhandlungen oder bei verschiedenen Einzelhändlern ausliegt.

Von Manfred Hitzeroth

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